Devisen-VorschauEuro zittert mit Athen

Unverändert steht die Griechenland-Krise im Mittelpunkt des Interesses am Devisenmarkt. Ging es jedoch bislang eher um die Schachzüge der Euro-Mitgliedsländer sorgen sich die Anleger nun verstärkt um die politische Situation in Athen.
Kann Griechenland eine Staatspleite vermeiden? Das ist unverändert die
zentrale Frage an den internationalen Währungsmärkten. Geändert hat sich aber
die Wahrnehmung der Risiken. Waren es bis vor kurzem noch die Differenzen unter
den Mitgliedsländern der Eurozone und auch innerhalb der Regierungen, so
richten sich die bangen Blicke immer mehr auf die politische Lage in
Griechenland selbst.
Am Mittwoch und Donnerstag geriet die
Gemeinschaftswährung auf breiter Front unter starken Druck. Auslöser war die
Regierungskrise in Griechenland, die von heftigen Ausschreitungen auf den
Straßen Athens begleitet wurde. Die Nachrichten und Fernsehbilder aus der
Hauptstadt ließen den Euro innerhalb kurzer Zeit um mehr als 2 US-Cent
abbröckeln.
Bitte Nerven behalten
Das Schicksal Griechenlands liege nun vor allem in den Händen der Griechen
selbst, meint Rolf Schäfer von der Landesbank Baden-Württemberg. "Sollten
die griechische Regierung und die Bevölkerung die neuen Sparmaßnahmen nicht
akzeptieren, dann gibt es keinen anderen Weg als dass Griechenland als Schuldner
ausfällt", prognostiziert der Kreditanalyst.
Damit verbunden wären massive Risiken für die
anderen Staaten der Eurozone-Peripherie sowie für das europäische Bankensystem.
"Man kann also nur hoffen, dass die Entscheidungsträger und das
griechische Volk die Nerven behalten", warnt Schäfer. Voraussichtlich am
Sonntag wird über die politische Zukunft des Ministerpräsident Giorgos
Papandreou entschieden. Beobachter rechnen in der Mehrzahl damit, dass
Papandreou im Amt bleibt.
Am Sonntag treffen sich auch die
Euro-Finanzminister und beraten über Hilfen für Griechenland. "Das
Kritische ist, dass wir mittlerweile an einem Punkt angelangt sind, an dem
selbst im Fall einer Einigung auf europäischer Ebene über ein Rettungspaket die
Kuh immer noch nicht vom Eis ist", merkt die HSH Nordbank an. Denn die
griechische Regierung müsse zu den geforderten Einschnitten auch bereit sein.
"Der Euro bleibt angeschlagen", lautet das Fazit der Bank.
Ähnlich sieht es David Mackie von J.P.
Morgan: "Das wahre Risiko kommt aus Griechenland selbst", meint der
Chefvolkswirt von J.P. Morgan in London. In der eigenen Partei verliere
Papandreou an Unterstützung. Und im gesamten politischen Spektrum und in der
Bevölkerung gebe es "riesige Konflikte". Sollte Papandreou stürzen,
werde eine neue Regierung die Bedingungen für die Hilfen wohl neu aufdröseln
wollen.
In diesem Szenario schließt Mackie eine
Zahlungsunfähigkeit Griechenlands nicht aus. "Das wäre für alle ein
Desaster, einschließlich der Griechen", meint der Volkswirt. Das Bankensystem
des Landes und seine Wirtschaft dürften zusammenbrechen. Und die Eurozone
möglicherweise in eine neue Finanzkrise taumeln. Düstere Aussichten für die
Gemeinschaftswährung.