Wirtschaft
Ben Bernanke (r) gefällt noch nicht, was er sieht. Die Wirtschaftserholung kommt nur mühsam voran.
Ben Bernanke (r) gefällt noch nicht, was er sieht. Die Wirtschaftserholung kommt nur mühsam voran.(Foto: REUTERS)

Dow bejubelt das billige Geld: Fed sorgt für Champagner-Laune

Kommando zurück - alles bleibt wie es ist: Für die US-Notenbank steht die wirtschaftliche Erholung in den USA auf zu wackligen Beinen. Deshalb behält sie ihren Kurs bei. Die Märkte sind perplex.

Mit einem Paukenschlag ist die zweitägige Sitzung der US-Notenbank am Mittwoch zu Ende gegangen: Die Federal Reserve wird die Märkte weiter mit billigem Geld fluten. Das freute die Anleger, die sich schon damit abgefunden hatten, dass die Fed die geldpolitischen Zügel straffen würde. An der Wall Street erklommen die Aktienkurse Rekordhochs. Am Anleihemarkt fielen die Renditen und auch der Dollar gab kräftig nach. Dagegen zog der Goldpreis rasant an.

Der Dow-Jones-Index stieg um 0,9 Prozent auf 15.677 Punkte. Bei 15.710 Punkten markierte der Index ein neues Rekordhoch. Der S&P-500 gewann 1,3 Prozent auf 1.726 Punkte. Sein neues Allzeithoch erreichte er im Verlauf bei 1.729 Punkten. Der Nasdaq-Composite ging um ein Prozent höher aus dem Handel und schaffte immerhin den höchsten Stand seit September 2000.

Wirtschaftliche Erholung ist fragil

Der Fed ist die wirtschaftliche Erholung in den USA noch nicht stabil genug. Sie will weitere Hinweise darauf abwarten, dass die Fortschritte nachhaltig sind, ehe sie ihre Wertpapierkäufe drosselt. Derzeit kauft die US-Notenbank jeden Monat Staatsanleihen und Hypothekenpapiere für 85 Milliarden Dollar. Sie will damit die langfristigen Zinsen niedrig halten, um so der Wirtschaft auf die Sprünge zu helfen.

Das schien auch zu funktionieren. Allerdings waren einige wichtige Konjunkturdaten in jüngster Zeit wieder überraschend schwach ausgefallen. Zuletzt enttäuschten die vor der Startglocke am Mittwoch veröffentlichten Daten zu den Baubeginnen im August . "Das zeigt, dass der Immobilienmarkt als wichtiges Standbein der US-Konjunktur nicht so robust ist wie viele dachten oder hofften", sagte ein Händler.

Am Anleihemarkt legten die Notierungen nach Bekanntgabe der geldpolitischen Entscheidungen deutlich zu. Die Rendite zehnjähriger Treasurys fiel im Gegenzug um 16 Basispunkte auf 2,69 Prozent, den niedrigsten Stand seit Mitte August.

Euro, Gold und Öl legen zu

Der Dollar gab auf breiter Front nach. Kostete der Euro vor der Fed-Entscheidung noch etwa 1,3380 Dollar, so schoss die Gemeinschaftswährung danach auf über 1,35 Dollar. So viel hatte sie zuletzt im Februar gekostet. Im späten US-Handel ging der Euro mit 1,3507 Dollar um.

Die Entscheidung der Fed, an ihrer ultraexpansiven Geldpolitik festzuhalten, schürte indessen auch Inflationsängste. Gold, das als Inflationsschutz gilt, verteuerte sich rasant. Im elektronischen Handel sprang die Feinunze bis über 1.360 Dollar. Zum Settlement vor Bekanntgabe der Fed-Beschlüsse hatte die Feinunze im Vergleich zum Vortag um 0,1 Prozent niedriger bei 1.307,60 Dollar notiert. Zuvor war sie zeitweise sogar unter 1.300 Dollar gefallen.

Der Ölpreis stieg, nachdem das US-Energieministerium einen unerwartet deutlichen Rückgang seiner Vorräte an Rohöl gemeldet hatte. Die Aussicht auf noch mehr Konjunkturstimuli der US-Notenbank befeuerte ihn zusätzlich. Das Barrel WTI verteuerte sich um 2,5 Prozent auf 108,07 Dollar. Brentöl stieg um 2,2 Prozent auf 110,60 Dollar.

Blackberry zieht die Reißleine

An der Börse verzeichneten die Aktien von Priceline.com ein spektakuläres Rekordhoch. Im Verlauf überwanden sie erstmals die Marke von 1.000 Dollar. Die Titel gingen um 2,6 Prozent höher bei 995,09 Dollar aus dem Handel.

Aktien von FedEx gewannen fünf Prozent. Das Logistikunternehmen hat in seinem ersten Geschäftsquartal einen kräftigen Gewinnzuwachs verzeichnet. Oracle legten um 1,9 Prozent zu. Der SAP-Konkurrent wollte nach Börsenschluss über den Verlauf seines ersten Geschäftsquartals berichten.

Der Kurs von Manchester United rückte um 2,1 Prozent vor, obwohl der Fußballklub einen eher verhaltenen Ausblick auf sein erstes Geschäftsquartal gegeben hatte und die Geschäftszahlen zum vierten Quartal "nur" den Erwartungen entsprochen hatten.

Apple-Aktien setzten ihre Erholung fort und stiegen um 2,1 Prozent. Am Freitag soll das neue iPhone-Modell in die Läden kommen. Adobe verbesserten sich um 9,2 Prozent, nachdem das Softwareunternehmen ein neuerliches Wachstum seiner Kundenbasis gemeldet hatte.

Der Kurs von Blackberry fiel um 1,5 Prozent. Der angeschlagene Smartphonehersteller wolle seinen Personalbestand um bis zu 40 Prozent verringern, verlautete aus informierten Kreisen. Ende März beschäftigte das Unternehmen 12.700 Mitarbeiter. In der kommenden Woche will das Unternehmen Geschäftszahlen vorlegen. Es wird erwartet, dass Blackberry auch das dritte Quartal mit einem operativen Verlust abgeschlossen hat.

Quelle: n-tv.de

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