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Größter Gewinn seit drei Jahren: Hellas-Euphorie beschert Dax Fabeltag

Wie im Rausch klettert der deutsche Leitindex in die Höhe. Die von positiven Nachrichten befeuerte Hoffnung der Anleger auf ein Ende der Griechenland-Krise lässt den Dax fast vier Prozent steigen. Auch an den US-Börsen sorgt Hellas für gute Laune.

Die positive Entwicklung in der Griechenland-Krise bescherte dem Dax einen perfekten Tag. Nach starkem Start, leichtem Durchhänger am frühen Nachmittag und einem sensationellen Finish schloss der Dax am Ende mit einem Plus von 3,8 Prozent auf 11.461 Punkten. Das ist ein Tagesgewinn von mehr als 400 Punkten im Vergleich zum Wochenschluss am Freitag und damit das größte Plus seit etwa drei Jahren. Zusätzlichen Schub bekam der Index am späten Nachmittag von starken US-Wirtschaftsdaten.

Bereits nach dem Ende des Treffens der Euro-Finanzminister am Mittag wuchs der Optimismus an den Märkten. Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem hatte gesagt, die neuen griechischen Vorschläge zur Beilegung des Streits seien positiv aufgenommen worden.

"Zum ersten Mal seit Monaten hat man das Gefühl, dass sich die zuversichtlichen Stimmen aus Griechenland auch tatsächlich mit denen der Geldgeber decken", sagte Andreas Paciorek, Analyst des Online-Brokers CMC Markets. "Nach dem monatelangen Hin und Her gibt es also nun Licht am Ende eines langen Tunnels."

Allerdings bremsten am Mittag kritische Äußerungen aus dem Kreise der Eurogruppe die Euphorie an der Börse etwas. Händler verwiesen auf Aussagen von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. "Wir haben bisher keine substanziellen Vorschläge bekommen", hatte der CDU-Politiker vor dem Krisentreffen gesagt. Der Dax verlor schlagartig rund 100 Punkte, konnte sich danach aber wieder erholen. Auch die Athener Börse gab in der Folge einen Teil ihrer Gewinne wieder ab. Der Leitindex in Athen verzeichnete zwischendurch nur noch einen Zuwachs von 5,8 Prozent - am Ende aber kam auch er zurück in die Erfolgsspur und schloss rund neun Prozent im Plus.

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Am Abend berieten die Staats- und Regierungschefs auf einem Sondergipfel über das Thema. Mit einer endgültigen Entscheidung wurde nicht gerechnet.

Aber auch gute US-Wirtschaftsdaten halfen dem Dax auf die Sprünge: Nach soliden Hausverkäufen in den USA im Mai konnte der deutsche Leitindex nochmals leicht zugelegen. Die Erholung am Immobilienmarkt setze sich fort, sagte Ulrich Wortberg von der Helaba. Die Verkaufszahlen lägen noch immer deutlich unterhalb der Werte aus der Zeit des Immobilienbooms von 2004 bis 2007. "Sie nähern sich aber den 'normalen' Werten zur Jahrtausendwende an", sagte der Volkswirt.

USA: Anleger hoffen auf Durchbruch

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Die Hoffnungen auf eine Einigung im griechischen Schuldenstreit trieben auch die US-Börsen nach oben. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,6 Prozent im Plus bei 18.119 Punkten. Dabei pendelte er zwischen 18.027 und 18.181 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 gewann ebenfalls 0,6 Prozent auf 2122 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq legte 0,7 Prozent auf 5153 Stellen zu und schloss auf einem neuen Rekordhoch.

Bei den Einzelwerten standen Aktien des Pipeline-Betreibers Williams Companies im Mittelpunkt des Interesses. Sie schossen 26 Prozent in die Höhe. Der US-Gasversorger Energy Transfer Equity (ETE) hat eine 48 Milliarden Dollar schwere Offerte für Williams abgegeben. ETE-Papiere verloren knapp fünf Prozent.

Aktien des US-Krankenversicherers Cigna kletterten 4,8 Prozent. Konkurrent Anthem gab ein Übernahmeangebot in Höhe von 47 Milliarden Dollar ab, das von Cigna jedoch als unangemessen abgelehnt wurde.

Europa: Telekommunikation im Blick

In der europäischen Telekommunikationsbranche drehte sich unterdessen das Übernahme- und Fusionskarussell immer schneller, was die Aktienkurse stark steigen ließ. Aktien des französischen Telekomanbieters Bouygues Telecom schnellten um 13,2 Prozent nach oben, nachdem die luxemburgische Altice über ihre Tochter Numericable ein Kaufangebot für Bouygues Telecom von rund zehn Milliarden Euro unterbreitet hat. Altice-Aktien haussierten ebenfalls um rund 13 Prozent.

Der kolportierte Kaufpreis von zehn Milliarden Euro liege um zwei Milliarden Euro über seiner Erwartung, sagte Emmanuel Carlier, Telekomanalyst der ING. Sollte der Deal zustande kommen, könne die Gewinnmarge von Bouygues bis 2019 von derzeit 18 auf 50 Prozent steigen. Dieses Szenario sorgte im gesamten Sektor für Käufe: Aktien der Deutsche Telekom, der französischen Orange, der spanischen Telefonica und der niederländische KPN stiegen um 4,6 bis 7,8 Prozent. Der Branchensektor lag mit 3,4 Prozent im Plus.

Deutschland: Deutsche Telekom landen an die Dax-Spitze

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Der Dax schloss mit einem Plus von 3,8 Prozent und stieg auf 11.461 Punkte. Beim MDax zeigte sich ebenfalls ein deutliches Plus von 2,3 Prozent auf 20.028 Zähler. Der TecDax verbesserte sich um 2,2 Prozent auf 1672 Punkte, für den Euro-Stoxx-50 ging es 4,2 Prozent nach oben.

Zu den größten Gewinnern zählten im Dax die Autowerte. BMW, Daimler und Volkswagen verteuerten sich zwischen 4,8 und 3,8 Prozent. Die Aktien der Allianz legten nach einer Hochstufung 4,6 Prozent zu. Spitzenreiter waren jedoch die bereits erwähnten Aktien der Deutschen Telekom, die um 5,3 Prozent stiegen.

Der Kurs der Lufthansa blieb mit einem Plus von 1,1 Prozent hinter dem starken Gesamtmarkt zurück, belastet von einem Ultimatum im Tarifstreit. Sollte die Fluglinie bis kommende Woche Dienstag 9 Uhr kein "materielles Angebot" vorlegen, finden ab Mittwoch Streiks statt, sagte der Ufo-Vorsitzende Nicoley Baublies.

Aktien von Manz büßten bei sehr hohen Börsenumsätzen 7,1 Prozent ein. Nach Aussage des Analysten Thomas Rau von equinet sind mehrere Großaufträge, die das Unternehmen vor einiger Zeit angekündigt habe, bislang nicht gemeldet worden.

Zalando-Aktien ersetzen im MDax die Titel von Bertrandt, der Zalando-Kurs gab leicht nach. Kion-Aktien sind in den Stoxx-Europe-600 aufgerückt, der Kurs des Gabelstaplerherstellers gewann 3,4 Prozent hinzu.

Devisen: Euro wieder etwas leichter

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Neue Hoffnungen auf einen Durchbruch im griechischen Schuldenstreit haben den Kurs des Euro gestützt. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete am späten Nachmittag nach einer Berg- und Talfahrt 1,1390 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1345 (Freitag: 1,1299) US-Dollar festgesetzt.

"Im griechischen Schuldenstreit ist nach einem neuen Angebot die Erwartung an eine Lösung gestiegen", sagte Stephan Rieke, Devisenexperte von der BHF-Bank. Neue Vorschläge der griechischen Regierung wurden von mehreren Seiten als gute Verhandlungsbasis gewertet.

Der Devisenmarkt ist mit Blick auf eine mögliche Einigung aber keineswegs euphorisch. "Viele Devisenhändler fürchten einen faulen Kompromiss", sagte Rieke. Dieser könnte die Eurozone insgesamt schwächen. "Einige Anleger sehen in einem Austritt Griechenlands aus der Eurozone eine Stärkung der Währungsunion." So war der Euro im frühen Handel um rund einen Cent gefallen und notierte zeitweise nur bei 1,1312 Dollar. Am Nachmittag setzten sich am Devisenmarkt dann jedoch die Optimisten durch und der Euro stieg zeitweise bis auf 1,1405 Dollar.

Rohstoffe: Ölpreise drehen ins Minus

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Die Ölpreise rutschten nach fast unverändertem Start und leichtem Anstieg am Nachmittag ins Minus. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August kostete am Nachmittag 62,64 US-Dollar und damit 38 Dent weniger als am Freitagabend. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Juli-Lieferung fiel um 35 Cent auf 59,62 Dollar. Händler verweisen auf die Möglichkeit, dass iranisches Öl schon bald in großer Menge auf den Markt zurückkommen dürfte, sollte sich im Atomstreit eine Einigung ergeben.

Asien: Nikkei steigt wie befreit

Auch an den ostasiatischen Börsen haben zu Wochenbeginn die positiven Vorzeichen dominiert - trotz negativer Vorgaben aus den USA. Die Anleger blickten gebannt nach Europa.

In Tokio legte der Nikkei-225-Index um 1,3 Prozent auf 20.428 Punkte zu. Der japanische Aktienmarkt sei überverkauft, meinte Yoshihiro Okumura von Chibagin Asset Management zu den Kursgewinnen. Überdies gäben die jüngsten Nachrichten aus Griechenland aber Anlass zu vorsichtigem Optimismus.

Die Aktien von Asahi Kasei stiegen um 1,6 Prozent, nachdem Nikkei berichtet hatte, das Unternehmen habe den Gewinn im Zeitraum April bis Juni um 20 Prozent gesteigert. Chugai Pharmaceutical verteuerten sich um 5,1 Prozent. Barclays hatte die Aktie der Roche-Tochter auf Overweight hochgestuft.

In Shanghai blieb die Börse am Montag wegen des Feiertags zum Drachenbootfest geschlossen. In Hongkong legten die Kurse im Schnitt um 0,8 Prozent zu. Die chinesischen Aktienmärkte - besonders in Schanghai und Shenzen - hatten sich zuletzt durch hohe Volatilität ausgezeichnet. Investoren fürchten das Platzen einer Spekulationsblase.

Diese Erwartungen verhalfen der Börse in Taiwan zu einem Plus von 1,3 Prozent. Anleger nutzten die jüngsten Kursverluste zum Wiedereinstieg, sagte Andrew Teng, Analyst bei Capital Securities. In Seoul legte der Kospi um 0,4 Prozent zu. Aktien von LG Electronics gewannen trotz eines negativen Analystenkommentars 1,8 Prozent. Nachlassende Angst vor dem Mers-Virus verhalf den Aktien der südkoreanischen Fluggesellschaften Korean Air und Asiana Airlines zu Kursgewinnen von 4 respektive 5,6 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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