Wirtschaft
Samstag, 29. Mai 2010

Devisen-Ausblick: Kein Euro-Comeback

Beim Euro ist unverändert Vorsicht angesagt. "Die Nervosität an den Märkten ist weiterhin so hoch wie selten zuvor", sagt Armin Mekelburg, Devisenanalyst beim UniCredit. Entscheidend für den Euro-Kurs zum Dollar sei unverändert die Nachrichtenlage zur Schuldenkrise in der Eurozone.

Dem Euro steht eine wacklige Woche bevor.
Dem Euro steht eine wacklige Woche bevor.(Foto: dpa)

Zwar konnte sich die Gemeinschaftswährung in den vergangenen zwei Wochen über den Tiefständen von 1,2150 US-Dollar stabilisieren, doch sind die Volatilitäten extrem hoch. Tagesschwankungen von 250 "Pips" und mehr sind eher die Regel als die Ausnahme. Hundert Pips sind ein US-Cent.

Nach Griechenland rückte Portugal in den Brennpunkt, nun steht Spanien auf der Agenda, meint Mekelburg. Mit Finanzhilfen an Portugal dürfte der Euro erneut unter Druck geraten. "Aber das Risiko, dass er uns um die Ohren fliegt, bestünde erst mit der Zahlungsunfähigkeit Spaniens", so der Analyst.

Prognosen, wohin für den Euro in den kommenden Wochen die Reise geht, kommen also der Kaffeesatzleserei nahe. "Nach wie vor sehen wir die Risiken eines weiteren Abrutschens des Euro um einiges höher als die Chancen einer nachhaltigen Erholung", meint Mekelburg. Zu viele Fragen seien unbeantwortet: Gelingt die Umschuldung Griechenlands? Können Portugal und Spanien sich an den Märkten refinanzieren? Einigen sich die Euro-Staaten über die Art und Weise der Reformen der Staatshaushalte? Wie weit gehen die Restriktionen an den Finanzmärkten?

Nur kleine Sprünge

Erholungen des Euro könnten daher immer wieder versanden, vermutet die HSH Nordbank. Sie verweist auf den Kursverlauf am Donnerstag, als der Euro gegen 16.00 Uhr MESZ von Kursen knapp über 1,22 US-Dollar in nur vier Stunden auf fast 1,24 US-Dollar stieg - um anschließend im asiatischen Handel wieder auf 1,2280 US-Dollar zurückzufallen. "Die Aufwertung des Euro verlor schnell an Dynamik, da die Marktteilnehmer in den Anstieg hinein wohl immer wieder Euro-Positionen aufgeben", lautet die Begründung der HSH Nordbank.

Dabei ist die Positionierung der Anleger bereits extrem pessimistisch. Laut Armin Mekelburg vom UniCredit ist die Zahl der Netto-Shortpositionen in Euro gegen Dollar an der US-Terminbörse Chicago Mercantile Exchange jüngst auf 114.000 Kontrakte gestiegen, der höchste Stand seit mehreren Jahren. Die rein spekulativen Positionen sollen sogar den höchsten Stand seit Einführung des Euro erreicht haben. Diese Positionen dürften Investoren bei positiven Nachrichten für den Euro schließen und so Gewinne mitnehmen. Die jüngste Stabilisierung des Euro dürfte zum Großteil auf das Konto eben dieser sogenannten Short-Eindeckungen gehen.

Der Euro hat also nicht viele Fürsprecher. Vielleicht hilft da wenigstens die charttechnische Lage der Gemeinschaftswährung. "Durch die Doppeltiefs von 1,2144 und 1,2153 US-Dollar nährt sich die Hoffnung auf eine technische Erholung für den angeschlagenen Euro", schreibt das Bankhaus Metzler in einem Kommentar. Tragfähig sei eine solche aber erst bei Kursen über 1,2673 US-Dollar. Davon ist der Euro derzeit noch knapp drei US-Cent entfernt. "Daumen drücken ist angesagt", lautet das Motto der Metzler Bank.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen