Wirtschaft
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"Viele Baustellen": Konjunkturflaute zwingt Dax in die Knie

Das deutsche Börsenbarometer rauscht ungebremst um mehr als 150 Punkte in die Tiefe. Letztlich halten auch die 9600er Marke nicht. Der MDax muss die 16.000 aufgeben. Die nicht in Schwung kommende Eurozonen-Wirtschaft verscheucht die Käufer.

Rückschläge von der Konjunkturfront haben dem deutschen Aktienmarkt schwer zugesetzt. Einkaufsmanager für die Eurozone, Frankreich und Deutschland enttäuschten oder malten ein bestenfalls durchwachsenes Bild. In Frankreich gebe es insgesamt keine Anzeichen für eine konjunkturelle Erholung, sagte Analyst Ulrich Wortberg von der Helaba.

In der Eurozone hätten sich Wachstum und Nachfrage weiter abgeschwächt, so dass auch der Jobaufbau nicht in die Gänge gekommen sei, sagte Markit-Chefökonom Chris Williamson. Damit dürften sich die Sorgen über eine bevorstehende Stagnation "unweigerlich verstärkt" haben. Auch die neuesten Konjunkturdaten aus China überzeugten die Investoren nicht. Klar sei, "ohne die staatlichen Investitionsimpulse und Kreditlockerungen sähe die Situation wesentlich trüber aus", sagte Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank Gruppe.

Scharfe Korrektur

Letztlich hieß das für den Dax ein sattes Minus von 1,6 Prozent auf 9595 Punkte. Im Handelsverlauf rauschte das Börsenbarometer damit erst durch die 9700er und auch noch durch die 9600er Marke. Damit ist es mitten in der schärfsten Korrektur seit Ende Juli.

Der MDax setzte 1,5 Prozent zurück auf 15.980 Zähler. Der TecDax verlor 1,4 Prozent auf 1233 Stellen. Der Eurozonen-Leitindex Eurostoxx 50 sackte 1,6 Prozent auf 3205 Punkte ab. "Es fehlt die Fantasie nach oben", sagte ein Händler und verwies auf "viele Baustellen". Derzeit sehe es nur nach einem Miniwachstum im dritten Quartal aus. Auch hinter das vierte Quartal müsse ein Fragezeichen gesetzt werden. Daneben seien die Bemühungen der EZB verpufft, die Kreditnachfrage anzukurbeln.

Insgesamt nehmen Befürchtungen zu, die konjunkturelle Erholung könnte zu Ende gehen. Die Hoffnung der Anleger richtet sich nun auf den Ifo-Geschäftsklima-Index am morgigen Mittwoch. Gute Konjunkturdaten könnten die Stimmung schnell stabilisieren, sagte ein Händler. Der Markt ist bereits auf den fünften Rückgang in Folge eingestellt, denn Volkswirte erwarten einen Indexstand von 105,8 nach 106,3 im August.

Skepsis bei Autowerten

Im Dax standen letztlich Contiental mit einem Minus von 3,8 Prozent ganz oben auf den Verkaufslisten. Eine Kurszielsenkung sowie skeptische Töne des Reifenherstellers Michelin belasteten den Kurs.

Daneben standen weiter die Autowerte unter Druck. Die Schweizer Großbank UBS rät, angesichts der nachlassenden Gewinndynamik nicht zu stark auf den europäischen Automarkt zu setzen. Daimler, BMW und Volkswagen verloren zwischen 2,5 und 1,9 Prozent. Aus fundamentaler Sicht leidet die Branche vor allem unter den Russland-Sanktionen. "Bei den Russland-Aktivitäten liegen die Autohersteller im oberen Drittel der Dax-Unternehmen", sagt Metzler-Analyst Jürgen Pieper. Außerdem bremsen stärkere Regulierungsbestrebungen in China die Kurse. BMW litten zudem unter einer Herabstufung. Die UBS-Analysten halten den Münchner Konzern zwar für den am besten geführten Autobauer in Europa. Allerdings bemängelten sie die nachlassende Gewinndynamik bei den Bayern.

K+S gaben nach freundlichem Beginn 1,9 Prozent nach. Der norwegische Konkurrent Yara hatte mitgeteilt, mit dem US-Konzern CF über eine Fusion zu verhandeln. Die Gespräche befänden sich allerdings in einem frühen Stadion. Yara zogen an der Börse Oslo zeitweise um mehr als zehn Prozent an.

Siemens verbilligten sich um 1,8 Prozent. Die britische Investmentbank Barclays hatte sich skeptisch zu den Papieren des Industriekonzerns geäußert. RWE konnten knapp behaupten, laut Händlern gestützt von einem positiven Kommentar der Bank of America-Merrill Lynch.

Gesucht waren am anderen Ende erneut Merck, die 0,8 Prozent zulegten. Es war der einzige Titel im Plus. Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern hatte gestern mitgeteilt, für 13,1 Milliarden Euro den US-Laborausrüster Sigma-Aldrich zu kaufen. Die Pläne kamen bei Analysten gut an: Die Deutsche Bank erhöhte das Kursziel für Merck.

In der zweiten Reihe waren die Vorzeichen zum Handelsende ebenfalls beinahe ausnahmslos tiefrot. Unter Druck standen vor allem die konjunkturabhängigen Zulieferer. Norma gaben 4,5 Prozent nach. Leoni ermäßigten sich um 4,4 Prozent.

Südzucker verloren nach der Gewinnwarnung eines Konkurrenten 2,8 Prozent. Die Senkung der Gesamtjahresziele hat bei Tate & Lyle den größten Kurssturz seit sieben Jahren ausgelöst. Die Aktien des britischen Herstellers von Zucker und Süßstoff fielen um bis zu 18,4 Prozent auf ein Drei-Jahres-Tief.

Quelle: n-tv.de

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