Wirtschaft
Nach den Kursrückschlägen zu Jahresbeginn erfolgt nun die Gegenbewegung.
Nach den Kursrückschlägen zu Jahresbeginn erfolgt nun die Gegenbewegung.(Foto: ZB)

Inflationsdaten verleihen Flügel: Dax erobert 9500 zurück

Nach einem lethargischen Start wird der Dax im Verlauf munter. Grund sind die jüngsten Inflationsdaten aus der Eurozone, die eine weiterhin lockere Geldpolitik vermuten lassen. Insbesondere Bankenaktien sind gefragt.

Die Schwächephase am deutschen Aktienmarkt scheint erstmal überwunden. Der Dax ging nach einem zögerlichen Start mit einem Plus von 0,8 Prozent auf 9.506 Punkten aus dem Handel.

"Die wesentlich niedrigeren Inflationsdaten aus der Eurozone haben positiv überrascht", sagt ein Händler: "Der Markt interpretiert das jetzt so, dass bei der Geldpolitik weiterer Spielraum nach unten bei den Zinsen da ist."

Umgekehrt hieße es, dass es keinerlei Druck zu einem Anziehen der Geldpolitik gebe. Gleichzeitig seien sämtliche Konjunkturdaten aus Deutschland vom Vormittag wie Einzelhandelsumsatz und Arbeitslosigkeit sehr gut gewesen. "So eine Kombination sieht der Markt natürlich gerne", sagt der Händler.

Der Anstieg der Verbraucherpreise in der Eurozone hat sich leicht abgeschwächt. Die Inflationsrate lag im Dezember bei 0,8 Prozent, wie die EU-Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg auf Grundlage erster Berechnungen mitteilte. Im November hatte die Steigerung noch 0,9 Prozent betragen. Der Einzelhandelsumsatz stieg im November um 1,5 Prozent und damit mehr als doppelt so stark wie erwartet. Bundesanleihen gaben daraufhin leicht nach. Mit Interesse wurden auch die deutschen Arbeitsmarktzahlen begutachtet: Hier wurde im Dezember ein Anstieg um 67.000 auf 2.873.000 verbucht. Die Arbeitslosenquote stieg im Vergleich zum November um 0,2 Prozent auf 6,7 Prozent.

Nun warten die Anleger auf das US-Notenbankprotokoll am Mittwoch, die EZB-Sitzung am Donnerstag sowie der US-Arbeitsmarktbericht am Freitag.

Insbesondere Bankenaktien waren gefragt. Das geplante Gesetz zur Trennung der normalen Geschäftsaktivitäten der Banken von dem riskanteren, aber auch lukrativeren Eigenhandel wird wohl entschärft. Die Banken haben damit einen wichtigen Lobbysieg in Brüssel errungen.
Im dem jüngsten Entwurf ist die Trennung nicht mehr zwingend festgelegt. Statt die Trennung für alle gut 30 als systemrelevant eingestuften europäischen Banken zur Pflicht zu machen, wird die Entscheidung darüber an die nationalen Aufsichtsbehörden delegiert - also an die Europäische Zentralbank, die künftig für die Bankenaufsicht zuständig sein wird. "Damit kann auch Jahre nach Lehman das Geschäft nahezu ungebremst weiter gehen", sagte ein Händler.

Die Anleger schickten die Aktien der Deutschen Bank um drei Prozent nach oben. Commerzbank-Titel waren Tagesgewinner im Dax und legten gleich sechs Prozent zu. Positiv für den Sektor waren auch die weiter fallenden Renditen an den Anleihemärkten der Peripherie der Eurozone.

BASF-Papiere zogen nach einem positiven Analystenkommentar um 2,8 Prozent an. Ein Börsianer verwies zusätzlich auf positive Entwicklungen in Libyen, die die dortigen Probleme für den Konzern bei der Erdölförderung früher als bisher erwartet lösen könnten.

Auch im MDax sorgten Studien für größere Kursbewegungen: Die Aktie des Modekonzerns Hugo Boss verbilligte sich nach einer Abstufung der französischen Großbank Societe Generale am Indexende um 2,20 Prozent. Favorit waren dagegen Tui-Papiere mit plus 3,3 Prozent nach Kurszielerhöhungen durch Morgan Stanley und die UBS.

Übernahmefantasie ließ die Nordex-Aktie um neun Prozent anziehen. Nordex-Chef Jürgen Zeschky sagte in einem Interview mit dem "Wall Street Journal Deutschland", er wäre offen für eine Übernahme durch einen chinesischen Konkurrenten. "Ich habe gerne Optionen", erklärte der Manager. Es stehe allerdings kein "Zu verkaufen"-Schild vor der Tür. Die Übernahmefantasien sollten die Aktie erst einmal oben halten, prognostizierte ein Händler. Schon am Montag hatten die im TecDax gelisteten Titel um mehr als fünf Prozent zugelegt. 

Papiere von Air Berlin stiegen ebenfalls um neun Prozent. Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft hat im vergangenen Jahr die Auslastung gesteigert.

Quelle: n-tv.de

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