Wirtschaft
Der Dax zu Wochenbeginn: MDax und TecDax geben deutlich stärker nach.
Der Dax zu Wochenbeginn: MDax und TecDax geben deutlich stärker nach.(Foto: REUTERS)

Jenseits der 9300 Punkte: Dax schließt auf Tageshoch

Die neue Woche beginnt in einer Atmosphäre düsterer Sorgen. Der erste Handelstag endet mit einem klaren Plus im Dax. Starke Impulse aus den USA verleihen dem deutschen Aktienmarkt spürbaren Rückenwind.

Ermutigende Signale aus der US-Bankenbranche und dem US-Einzelhandel haben die Sorgen vor einer Eskalation der Ukraine-Krise am deutschen Aktienmarkt in den Hintergrund gedrängt. Der Dax drang nach einem schwachen Wochenauftakt in die Gewinnzone vor und schloss 0,26 Prozent höher bei 9339,17 Punkten. Der deutsche Leitindex geht damit auf Tageshoch in den Feierabend. Das Tief aus dem Verlauf des Montagshandels liegt bei 9214,18 Zählern. In der vergangenen Woche hatte der Dax insgesamt rund 4 Prozent eingebüßt.

Auslöser für die Trendwende im Dax waren Beobachtern zufolge die Geschäftsergebnisse der Citigroup, die den Eindruck schwacher Geschäfte im US-Bankensektor korrigieren konnte. Dazu kamen unerwartet starke Konjunkturdaten: Die Einzelhandelsumsätze waren im März so stark gestiegen wie seit September 2012 nicht mehr. Das sei erfreulich und deute auf ein robustes Konsumwachstum im ersten Quartal hin, fasste Helaba-Analyst Ulrich Wortberg zusammen. "Erwartungen über den Zeitpunkt der Fed-Zinswende dürften mit diesen Zahlen wohl nicht weiter nach hinten verschoben werden."

Schwerer taten sich Anleger bei den Nebenwerten: Der MDax ging mit einem Minus von 0,96 Prozent bei 12.874,90 Punkten aus dem Handel. Der TecDax beendete den Tag 2,46 Prozent im Minus bei 1177,15 Punkten. "Die Zahlen aus den USA waren recht gut, und aus der Ukraine kamen keine neuen schlechten Nachrichten", begründete ein Händler den vorsichtigen Stimmungswechsel. Doch könne von einer Entwarnung keine Rede sein. Die Spannungen zwischen Russland und dem Westen um die Ukraine hingen wie ein Damoklesschwert über den Märkten.

Die Schwäche der Nebenwerten erklärten Händler mit den politischen Unsicherheiten und mit Gewinnmitnahmen bei einzelnen Titeln, die in den vergangenen Tagen überdurchschnittlich gut gelaufen seien. Automatisch ausgelöste Verkaufsaufträge zur Begrenzung von Verlusten hätten die Entwicklung noch verschärft, hieß es.

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Schwer einschätzbaren Rückenwind lieferten geldpolitische Spekulationen: Börsianer debattierten die Aussicht auf weitere Geldspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB). EZB-Präsident Mario Draghi hatte am Wochenende seine Entschlossenheit zur Abwehr von Deflationsgefahren bekräftigt. Für den Fall eines weiteren Euro-Anstiegs stellte Draghi eine Lockerung der Geldpolitik in Aussicht. Der Kurs des Euro fiel bis auf 1,3809 Dollar, nach 1,3884 Dollar im Schlussgeschäft vom Freitag. "Die Aussagen Draghis waren das bisher klarste Signal, dass die Kombination aus niedriger Inflation und starkem Euro die Notenbank auch zu unkonventionellen Aktionen bewegen könnte", schrieben die Analysten der Metzler Bank.

Der Eurostoxx50 ging zu Wochenbeginn mit einem Plus von 0,48 Prozent aus dem Handel. Auch die nationalen Indizes in Paris und London legten zu. Der New Yorker Leitindex Dow Jones Industrial zeigte sich zum europäischen Börsenschluss ebenfalls freundlich.

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Größte Tagesverlierer im Dax waren die Aktien der Lufthansa, die sich um knapp 2,8 Prozent verbilligten. Aktien von Fluggesellschaften werden in Zeiten geopolitischer Spannungen gemieden, meinte ein Beobachter. Die Titel von Beiersdorf, Deutsche Telekom, Henkel und Merck legten dagegen zwischen 0,7 und 2 Prozent zu. Sie gelten aufgrund ihres Geschäftsmodells als "defensiv" - also als weniger risikoreich. K+S legten an der Indexspitze um 2,68 Prozent zu.

Es bleibe aber abzuwarten, wie sich die Situation in der Ostukraine entwickle, so Marktanalyst Jens Klatt von DailyFX. Auch Händler Andreas Lipkow vom Vermögensverwalter Kliegel & Hafner schrieb, die dortige Situation lade derzeit nicht zum Kauf von Aktien ein.

Zumindest Henkel und Beiersdorf zählen im bisherigen Jahresverlauf zu den Dax-Schlusslichtern. Einige Investoren kauften nun Konsumgüteraktien und verkauften dafür Banken- und Industriewerte, sagte ein Händler. So stiegen in Paris die Titel von L'Oreal um 2,8 Prozent. Der Kosmetikriese wollte am Abend nach Handelsschluss seine Umsatzzahlen veröffentlichen.

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Die Aktien der Deutschen Bank stiegen im Sog der guten Citigroup-Zahlen um 0,9 Prozent. Händler lobten die stark gestiegenen Einnahmen der US-Bank im Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren. Die Aktien der Commerzbank schlossen 2,3 Prozent im Minus. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen, denn seit Jahresbeginn haben die Titel 11 Prozent gewonnen - der Dax hat im selben Zeitraum dagegen 2,2 Prozent verloren. Eine Abstufung durch Coba-Analysten ließ Aktien der Deutschen Post um 1,7 Prozent nachgeben.

Im MDax fielen die Aktien von Rheinmetall um 2,6 Prozent zurück. Der angestrebte Verkauf von bis zu 800 Kampfpanzern nach Saudi-Arabien könnte an politischen Widerständen scheitern. Die Bundesregierung werde dem Export nicht zustimmen, berichtet die "Bild am Sonntag". Rheinmetall baut den Kampfpanzer zusammen mit Krauss-Maffei Wegmann (KMW).

Der Duft- und Aromastoffhersteller Symrise will für knapp 1,3 Milliarden Euro die französische Holding Kerisper kaufen. Dieser wiederum gehört das Unternehmen Diana, welches die Lebensmittel- und Kosmetikindustrie beliefert. Berenberg-Analystin Evgenia Molotova bezeichnete die Akquisition als strategisch sinnvoll für Symrise, auch wenn die Übernahme nicht gerade billig sei. Für die Übernahme wird Symrise das Kapital um rund 10 Prozent aufstocken müssen. Anleger reagierten vorsichtig, die Symrise-Aktien gaben um 2,2 Prozent nach.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 1,29 Prozent am Freitag auf 1,27 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,04 Prozent auf 134,89 Punkte. Der Bund-Future verlor 0,24 Prozent auf 143,87 Punkte. Der Euro stand bei 1,3825 US-Dollar. Zuvor hatte die Europäische Zentralbank den Referenzkurs auf 1,3827 (Freitag: 1,3872) Dollar festgesetzt, der Dollar kostete damit 0,7232 (0,7209) Euro.

Quelle: n-tv.de

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