Wirtschaft
Wohin geht es heute an der Wall Street?
Wohin geht es heute an der Wall Street?(Foto: picture alliance / dpa)

"Bad news" vom Alten Kontinent: US-Börsianer blicken nach Europa

Die US-Zinsen bleiben vorerst niedrig, die Anleihekäufe laufen im Oktober aber aus. Dennoch: Das Gros des Ungemachs schwappt von Europa aus über den Atlantik. Die Euro-Krise kocht wieder hoch. Arbeitsmarktdaten verpufften.

Schlechte Nachrichten aus den Euro-Krisenländern Portugal und Italien haben den Handel in New York belastet. Die US-Börsen gaben zum Handelsstart im Sog der europäischen Märkte deutlich nach. Allerdings fingen sich die Kurse im Verlauf wieder. Dennoch: "Die Angst vor einem neuen Ausbruch der Schuldenkrise in Europa geht um", sagte ein Börsianer.

Letztlich schloss der Dow-Jones-Index 0,4 Prozent schwächer bei 16.915 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 sank ebenso um 0,4 Prozent auf 1964 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verringerte sich um 0,5 Prozent auf 4396 Punkte.

Portugal als Vorwand

Auslöser der Nervosität waren Spekulationen um Zahlungsprobleme der einflussreichen portugiesischen Bankiersfamilie Espirito Santo. Am Vormittag wurden Aktien und Anleihen der Espirito Santo Financial Group (ESFG) wegen "wesentlicher Schwierigkeiten" der Muttergesellschaft Espirito Santo International (ESI) vom Handel ausgesetzt. Gegen letztere ermitteln die Behörden wegen "erheblicher Unregelmäßigkeiten". "Ein unschönes, aber beherrschbares Thema", sagte Frank Wieser, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Packenius, Mademann & Partner. "Dass Anleger jetzt erst mal Kasse machen, ist nicht verwunderlich."

"Es herrschte ein wenig Nervosität, doch es war nicht so, dass die Anleger unbedingt aus dem Markt raus wollten", sagte Analyst Michael Antonelli von Robert W. Baird & Co. "Es gab keine aggressiven Verkäufe, doch die Investoren wechselten gezielt in vermeintlich sichere Anlageklassen", ergänzte Stratege Dave Rovelli von Canaccord Genuity. Ganz anders sah das Steven Wieting von der Citi Private Bank. Er macht keine großen Risiken für US-Aktien mit den Entwicklungen in Portugal aus. Vielmehr hätten Investoren die jüngsten negativen Konjunkturdaten aus China und Japan und nun die Entwicklungen in Portugal genutzt, um Kasse zu machen.

Dass die wöchentlichen Daten der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA deutlich besser als erwartet ausgefallen sind, wurde zwar am Markt wohlwollend zur Kenntnis genommen, stützte das Sentiment allerdings kaum.

"Investoren sollten Portugal nicht als Ausrede für fallende Kurse verwenden", sagte Marktstratege Keith McCullough von Hedgeye Risk Management. Er sprach von einer globalen Neubewertung von Risiken. Teilnehmer verwiesen auf die steigenden Spannungen im Nahen Osten, wo Israel eine Bodenoffensive vorbereitet, um dem Raketenbeschuss der radikalislamischen Hamas Herr zu werden.

Portugal bringt Banken unter Druck

Im Sog der Banco Espirito Santo gingen auch Finanzwerte an der New Yorker Börse in den Keller: Die Papiere von Goldman Sachs, Morgan Stanley, Citigroup und Bank of America verbilligten sich um jeweils rund ein Prozent.

Zudem stachen Lumber Liquidators heraus, die mehr als 21 Prozent an Wert verloren. Die Holzböden-Handelskette hatte ihre Ergebnisprognose gesenkt. Potbelly sackten um 25 Prozent ab. Für Enttäuschung sorgten die Geschäftsziele der Imbisskette.

Gefragt waren dagegen die Aktien von TRW Automotive mit einem Kursaufschlag von gut acht Prozent. Der Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen hat einem Medienbericht zufolge Interesse an einer Übernahme des milliardenschweren US-Konkurrenten.

Zumiez-Aktien stiegen um 6,4 Prozent. Der Einzelhändler hat den Ausblick auf das zweite Quartal erhöht, nachdem die flächenbereinigten Umsätze im Juni um 3,1 Prozent gestiegen waren. Die Fluggesellschaft United Continental hat im zweiten Quartal Kapazitäten abgebaut und höhere Einnahmen je Sitzmeile erzielt. Die Aktie setzte zum Steigflug an und gewann 12,7 Prozent. Die Alcoa-Aktie verlor trotz einer Kaufempfehlung von Morgan Stanley nach den überzeugenden Zahlen am Dienstag 0,4 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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