Wirtschaft
(Foto: imago stock&people)

Wall Street kommt in Fahrt: Starke US-Daten schieben Dax kräftig an

Überraschend positive US-Konjunkturdaten geben dem Dax Rückenwind. Denn sie lassen den Dollar steigen - der in der Folge schwächere Euro ist äußerst förderlich für die großen Exporttitel der Eurozone. Von Letzteren wiederum sind im Dax so einige vertreten.

Kräftig aufwärts ging es heute am deutschen Aktienmarkt, der fortgesetzte Schwächeanfall des Euro stützt e die Börsen. Der Dax baute seine Gewinne im Laufe des Handelstages immer weiter aus und schloss um 1,6 Prozent verbessert auf 11.636 Punkten.

Für einen kräftigen Schub sorgte der deutlich bessere ISM-Index für den US-Service-Bereich. Der ISM-Index verzeichnete im Juli den größten Sprung seit einem Jahrzehnt. Mit 60,3 Indexpunkten wurde die Prognose von 56,1 deutlich übertroffen. Im Vormonat lag der Index bei 56,0. "Das macht Hoffnung auf einen starken US-Arbeitsmarktbericht am Freitag", sagte ein Händler: "Das ist wichtig, weil bessere Konjunkturdaten dem Markt die Angst vor der anstehenden Zinserhöhung nehmen"

Der Euro war am Morgen weiter unter Druck geraten und noch tiefer unter 1,09 US-Dollar gerutscht. Nach leicht enttäuschend ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten erholte sich die Gemeinschaftswährung wieder etwas. Der starke ISM-Index befeuerte den Dollar jedoch, denn er lässt eine baldige Zinswende in den USA wahrscheinlicher werden. Der Euro sackte wieder unter die Marke von 1,09 Dollar.

Auch zur Wochenmitte ging es mit den Aktien griechischer Banken kräftig abwärts. Dies belastete weiter den Athener Leitindex, der sich um 2,9 Prozent reduzierte. Für Alpha Bank, National Bank, Eurobank und Piraeus Bank ging es zwischen 24 und 29,5 Prozent abwärts. Damit bewegten sich die Kurse erneut in der Nähe des Tageslimits von maximal 30 Prozent.

Allerdings hat sich der fortgesetzte Kurseinbruch der Bankenwerte laut einem Frankfurter Händler "ohne Umsätze" vollzogen. "Institutionelle Investoren sind am griechischen Markt schon lange nicht mehr aktiv", sagte der Teilnehmer. Die Risiken seien unüberschaubar und die Liquidität viel zu gering.

Deutschland: Beiersdorf setzen sich an die Spitze

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Der Dax schloss am Ende 1,6 Prozent stärker auf 11.636 Punkten. Beim MDax zeigte sich ein Plus von 0,6 Prozent auf 21.381 Zähler. Auch der TecDax legte zu und verbesserte sich um 1,0 Prozent auf 1817 Punkte. Aufwärts ging es auch für den Euro-Stoxx-50, der um 1,7 Prozent auf 3681 Punkte stieg.

Größter Gewinner im Dax wareb die Aktien von Beiersdorf mit einem Plus von 3,7 Prozent. Der Kosmetikhersteller hat dank guter Verkäufe seiner Kosmetika in Amerika und Osteuropa im ersten Halbjahr einen Rekordgewinn erzielt. "Das organische Wachstum hat sich nach einer Delle im ersten Quartal wieder beschleunigt. Das sollte am Markt für Zuversicht sorgen", sagte ein Händler.

Für VW, Daimler und BMW ging es bis zu 2,7 Prozent nach oben. Auch die Zulieferer legten weiter zu. Continental gewannen nach den guten Zahlen am Vortag 2,4 Prozent.

Zu den wenigen Dax-Verlieren zählten FMC und Fresenius, die sich jeweils um 0,2 Prozent verbilligen. Ganz hinten standen landeten K+S mit einem Minus von 0,8 Prozent.

Im MDax legten Elringklinger trotz eines rückläufigen Vorsteuerergebnisses um 6,9 Prozent zu. Als "sehr ordentlich" wurde im Handel das Ergebnis für das zweite Quartal von Norma eingestuft. Nach einem etwas verhaltenen Start in das Geschäftsjahr habe der Automobilzulieferer nun Fahrt aufgenommen. Norma-Papiere stiegen im MDax um 4,9 Prozent.

Größter Verlierer im MDax waren Hannover Rück, die 3,3 Prozent abgaben. Dabei lagen die Zahlen des Rückversicherers mehrheitlich einen Tick oberhalb der Markterwartung. Die Hannover Rück hat ihr Gewinnziel für das laufende Geschäftsjahr nach einem Gewinnsprung im zweiten Quartal angehoben.

Europa: Societe Generale zischen nach oben

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Licht und Schatten machte ein Händler im Quartalsbericht von ING aus. Die Einnahmen, der Vorsteuergewinn und der Nettogewinn hätten besser abgeschnitten als erwartet. Die Kernkapitalquote sei mit 12,3 jedoch nicht so stark gestiegen wie erwartet, sein Haus habe mit 12,6 gerechnet. Auch habe die Dividende von 0,24 Euro je Aktie die Erwartungen nicht erfüllt. ING verloren X,X Prozent.

Überraschend gute Ergebnisse der Societe Generale im zweiten Quartal könnten angesichts des "Debakels" bei der Credit Agricole vom Vortag eine Erholung der Bankenkurse der Eurozone-Peripherie auslösen, sagte ein Händler. Die Gewinnkennziffern lägen "durch die Bank deutlich über den Erwartungen". Die Aufwendungen für Risiken seien unerwartet stark zurückgegangen. Societe Generale stiegen X,X Prozent.

USA: Wall Street startet leicht verbessert

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Ein Kursdebakel bei der Aktie von Walt Disney hat am Mittwoch eine Erholung des Dow-Jones-Indexes verhindert. Nach zuletzt drei Handelstagen mit Abgaben erholten sich aber die übrigen Indizes der Wall Street etwas. Unterstützt wird dies von einem überraschend schwachen ADP-Arbeitsmarktbericht für den privaten Sektor. Die Daten blieben mit einem Stellenzuwachs von 185.000 klar hinter der Prognose von 215.000 zurück. Auch der überraschend starke ISM-Index verleiht nochmal etwas Schwung.

Gebremst vom 9-prozentigen Einbruch bei Disney büßte der Dow-Jones-Index 0,1 Prozent auf 17.541 Punkte ein. S&P-500 und Nasdaq-Composite stiegen dagegen um 0,3 bzw. 0,7 Prozent.

Damit steigen gleichzeitig wieder die Hoffnungen, dass die US-Notenbank mit einem schwachen US-Arbeitsmarktbericht den Termin für die erste Zinserhöhung seit der Finanzkrise weiter nach hinten schieben könnte. Mehrheitlich erwarten Analysten derzeit noch im September eine erste Anhebung des Zinsniveaus.

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Unter den Einzelwerten brachen Walt Disney um 9,2 Prozent ein. Der Medienkonzern hat im dritten Quartal zwar die Gewinnerwartungen übertroffen, doch beim Umsatz die Prognosen enttäuscht.

Die Aktien von Etsy brachen um 28,3 Prozent ein. Der auf handgemachte Produkte spezialisierte Internethändler hatte einen unerwartet hohen Verlust für das zweite Quartal ausgewiesen. Dagegen ging es für First Solar um knapp 16,7 Prozent aufwärts. "First Solar hat erstmals seit fünf Quartalen die Prognose des Marktes übertroffen", sagte ein Händler.

Auch beim Online-Immobilienhändler Zillow lief es im zweiten Quartal besser als erwartet. Die Aktie legte um 3,5 Prozent zu. Time Warner hat im zweiten Quartal erheblich besser abgeschnitten als vorhergesagt. Das operative Kernergebnis war das höchste in der Unternehmensgeschichte. Dennoch verlor die Aktie 6,7 Prozent.

Devisen: Euro springt über 1,09-Dollar-Marke

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Nach durchwachsenen US-Konjunkturdaten hat der Kurs des Euro leicht nachgegeben. Im späten US-Handel kostete die Gemeinschaftswährung 1,0871 Dollar US-Dollar, nachdem sie zwischenzeitlich über die Marke von 1,09 Dollar gestiegen war. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Mittag auf 1,0883 (Dienstag: 1,0973) US-Dollar festgesetzt. Der Eurokurs schoss kurzzeitig auf sein Tageshoch bei 1,0934, nachdem am frühen Nachmittag Daten vom US-Arbeitsmarkt die Erwartungen verfehlt hatten.

Der Stellenaufbau im US-Privatsektor war im Juli schwächer ausgefallen als von Ökonomen prognostiziert. Enttäuschende Daten vom US-Arbeitsmarkt schwächen in der Regel den Dollar und stärken im Gegenzug den Euro. Das liegt daran, dass sie die Erwartungen zur US-Konjunktur negativ beeinflussen und eine schnelle Zinsanhebung tendenziell unwahrscheinlicher machen.

Am Nachmittag änderte sich aber die Lage am Devisenmarkt. Der Eurokurs musste seine Gewinne wieder abgeben, nachdem die Stimmung der US-Einkaufsmanager im Dienstleistungsbereich besser als erwartet ausgefallen war. Die meisten Experten rechnen derzeit mit einer Zinsanhebung im September. Eine baldige Zinsanhebung in den USA macht Anlagen in Übersee vergleichsweise attraktiv.

Rohstoffe: Stärkerer Dollar stützt Ölpreis

Mit dem fallenden Dollar setzten auch die Rohstoffpreise ihre Erholung vom Dienstag fort. Das Barrel US-Leichtöl der Sorte WTI kostete mit 45,71 Dollar ungefähr so viel wie am Vortag. Brent verteuerte sich um 0,4 Prozent auf 50,17 Dollar.  Einen wichtigen Impuls dürften hier im Verlauf die wöchentlichen US-Lagerbestandsdaten liefern.

Auch der Goldpreis zog mit dem schwächelnden Dollar leicht an, büßte nach dem überraschend starken ISM-Index in den USA aber seine Gewinne wieder ein. Bis auf 1.085 Dollar für die Feinunze ging es runter nachdem der Goldpreis zwischenzeitlich bei 1093 Dollar notiert hatte.

Asien: Shanghai enttäuscht trotz guter Konjunkturdaten

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Einen kleinen Schub für die Aktien an den ostasiatischen Börsen haben unerwartete starke Daten aus China gebracht. Der Caixin-Einkaufsmanagerindex für Dienstleistungen stieg im Juli auf 53,8 nach 51,8 im Juni, das war ein 11-Monats-Hoch. Während viele Handelsplätze leichte Gewinne verbuchten, notierte ausgerechnet der Markt in Schanghai 1,6 Prozent im Minus, nachdem er unmittelbar nach den Daten kurzzeitig auf positives Terrain vorgerückt war.

Am Vortag waren neue Regeln für Leerverkäufer das bestimmende Thema in China gewesen. Aktien dürfen nicht mehr am selben Tag geliehen, verkauft und zurückgekauft werden. Die Investoren müssen mindestens einen Tag warten, ehe sie ihre Positionen decken und die Kredite zurückzahlen können, mit denen sie Aktien gekauft haben. Damit solle die "anormale Volatilität der Aktienkurse" eingedämmt werden. Noch immer notiert der Schanghaier Leitindex um ein Viertel unter seinem Hoch vom Juni.

"Die Börsianer sind verunsichert, da die weiteren Schritte der Regulierer nicht absehbar sind", sagte Deng Wenyuan von Soochow Securities. Diese Unsicherheit drückt nicht nur die Kurse, sondern auch den Umsatz. In Schanghai und Shenzen ist das Tagesvolumen auf unter eine Billion Yuan (148 Milliarden Euro) gesunken und damit auf die Hälfte von vor dem Absturz im Juni.

Die Börse in Hongkong zeigte sich mit plus 0,3 Prozent deutlich robuster als ihre Schanghaier Schwester. Unter den Einzelwerten fielen die des PC-Herstellers Lenovo um 0,9 Prozent, nachdem die Aktie bereits im Juli 19 Prozent abgegeben hat.

In Tokio sorgten starke Geschäftszahlen japanischer Unternehmen für Kauflaune. Insbesondere Immobilien- und Bau-Konzerne legten zu. Der Nikkei-Index stieg um knapp 0,5 Prozent auf 20.614 Punkte.

"Im Großen und Ganzen lief diese Runde der Quartalszahlen ziemlich gut", sagte Masaki Uchida von JPMorgan Asset Management. Gegen den Trend gab dagegen Toyota trotz des vorgelegten Rekordgewinns mehr als zwei Prozent ab. Experten zeigten sich über den Ausblick angesichts der schwächelnden Konjunktur in China besorgt.

In Australien gaben nach einer Rally in den vergangenen Wochen vor allem Bank-Titel nach. Auch der MSCI-Index asiatischer Aktien außerhalb Japans  lag 0,4 Prozent im Minus.

Quelle: n-tv.de

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