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Keine Zinswende in Sicht: US-Daten hieven Dax ins Plus

Schöne verrückte Börsenwelt: Der US-Arbeitsmarkt schwächt sich ab, Anleger müssten eigentlich aus Aktien fliehen. Doch weil die Zinsen in den USA deswegen länger niedrig bleiben dürften, endet die Woche für den Dax im Plus.

Nach enttäuschenden Zahlen vom US-Arbeitsmarkt und der überraschenden Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) haben die deutschen Aktienmärkte zum Wochenschluss etwas Mut gefasst. Der Dax drehte nach der Veröffentlichung der jüngsten US-Jobdaten ins Plus und schloss 0,2 Prozent stärker bei 9747,02 Punkten, nachdem er zuvor deutlich nachgegeben hatte. Der MDax ging kaum verändert mit 16.343,75 Zählern aus dem Handel. Der TecDax gab 0,5 Prozent nach auf 1.260,89 Punkte. Am Donnerstag war der Dax nach den EZB-Maßnahmen um mehr als ein Prozent nach oben geschnellt.

Grund für den plötzlichen Richtungswechsel war der offizielle US-Arbeitsmarktbericht der Regierung. Die Erholung am US-Arbeitsmarkt hat sich im August deutlich abgeschwächt. Es entstanden 142.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft, wie das Handelsministerium mitteilte. Das ist das geringste Plus seit acht Monaten. Experten hatten mit einem Zuwachs von 225.000 gerechnet. Die getrennt erhobene Arbeitslosenquote sank um einen Tick auf 6,1 Prozent.

Sie ist damit noch nicht im Zielbereich der von der Notenbank Federal Reserve (Fed) angestrebten Vollbeschäftigung, die bei Werten nahe der Fünf-Prozent-Marke als erreicht gilt. Am Markt wird daher nun erst für Mitte nächsten Jahres mit einer Zinserhöhung gerechnet: Die US-Notenbank will die Zinsen erst anheben, wenn sich der US-Jobmarkt dauerhaft erholt hat. Die Fed hält den Schlüsselzins bereits seit Ende 2008 auf dem historisch niedrigen Niveau von null bis 0,25 Prozent, um die Konjunktur anzuschieben.

Der Euro gewanntnach Veröffentlichung der Daten leicht hinzu auf 1,2970 Dollar. In der Nacht hatte er zuvor bei 1,2923 US-Dollar den tiefsten Stand seit Juli 2013 markiert. Die Gemeinschaftswährung notierte aber dennoch weiter unter der Marke von 1,30 Dollar und bekam damit die Folgen der neuen Offensive der EZB gegen die europäische Wirtschaftsflaute zu spüren.

Belastend wirkte auch die Revision des BIP der Eurozone zum zweiten Quartal. Nach den EZB-Maßnahmen sei der Markt davon ausgegangen, dass es nach unten revidiert wird, sagte ein Händler. Anders als erwartet beließen die EU-Statistiker es nun aber bei ihren bisherigen Prognosen. "Eigentlich eine positive Überraschung", heißt es im Handel. Doch damit ist nun amtlich: Die Wirtschaft im Euroraum ist im zweiten Quartal auf der Stelle getreten und blieb unverändert gegenüber dem Vorquartal. Deutschland, bisher Europas Wachstumslokomotive, vermeldete einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent, ebenso Italien. In Frankreich stagniert die Wirtschaft.

Asbest-Altlasten schaden BASF

Lufthansa-Aktien notierten 0,4 Prozent stärker. Die Piloten in Frankfurt legten heute innerdeutsche Flüge lahm. Der Streik der Pilotengewerkschaft Cockpit sorgte für schlechte Stimmung, da er Urlaubsrückkehrer aus den Sommerferien traf. Weitreichendere Folgen für den Aktienkurs sind aber nicht zu erwarten. Henkel-Papiere verteuerten sich um 0,5 Prozent. Daimler legten 1,6 Prozent zu. Der Autobauer hat trotz der Sommerflaute in Europa im August beim Pkw-Absatz die Millionenmarke geknackt. Weltweit lieferte der Konzern von Januar bis August 1,03 Millionen Fahrzeuge der Marke Mercedes-Benz aus und damit gut zwölf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

BASF notierten dagegen mit einem Abschlag von 0,4 Prozent. Händler führen die Kursverluste auf Medienberichte zurück, wonach sich das Chemieunternehmen in den USA mit Vertuschungsvorwürfen auseinandersetzen muss. BASF wird vorgeworfen, in früheren Klagen Beweise dafür verborgen zu haben, dass bestimmte Talkum-Produkte asbesthaltig waren. Ein Berufungsgericht in Philadelphia will das Verfahren den Berichten zufolge nun neu aufrollen.

Im MDax folgten Anleger einer Verkaufsempfehlung von Goldman Sachs und warfen die Aktien von Elringklinger aus ihren Depots. Die Titel verloren rund 3,1 Prozent. Die Hoffnung auf eine steigende Nachfrage in der europäischen Stahlindustrie bescherte Klöckner & Co dagegen Kursgewinne. Die Aktien des Stahlhändlers legten um 4,4 Prozent zu. KlöCo-Chef Gisbert Rühl sagte der "Süddeutschen Zeitung", das Management rechne 2015 mit einem Nachfrageplus in Europa von mehr als zwei Prozent. Solche Aussagen weckten Optimismus, sagte ein Händler.

Quelle: n-tv.de

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