Gespenst verbreitet keine AngstWall Street rückt weiter vor

Vor der mit Spannung erwarteten Sitzung der US-Notenbank löst sich an den US-Börsen die Anspannung. Der Markt vertraut dem Notenbank-Chef Bernanke. Bei den Einzeltiteln standen vor allem Technologiewerte im Blick. Diese holen den etwas verschlafenen Vortag nach.
Die Wall Street stellt sich auf eine lediglich moderate Drosselung der Konjunkturhilfen durch die US-Notenbank (Fed) ein. Einen Tag vor der Entscheidung der Fed über die erwartete geldpolitische Wende tendierten die US-Börsen leicht im Plus.
Die Notenbank wird am Mittwochabend (MESZ) bekanntgeben, ob und wie stark sie ihre Wertpapierkäufe zurückfährt. Analysten rechnen mit einer Reduzierung um zehn Milliarden Dollar monatlich. Bislang pumpt die Fed zur Ankurbelung der Wirtschaft 85 Milliarden Dollar im Monat in die Finanzmärkte. Fed-Chef Ben Bernanke hatte angekündigt, den Geldhahn allmählich zuzudrehen, sofern sich die US-Konjunktur weiter erholt. "Es sieht so aus, als ob der Markt davon ausgeht, dass die Drosselung von Bernanke sehr gut organisiert wird, dass er genau weiß, was der Markt erwartet, und dass er ihn nicht enttäuschen wird", sagte Jack De Gan von Harbor Advisory.
Ein ruckartiges Straffen der geldpolitischen Zügel scheint auch gar nicht nötig: Der Inflationsdruck ist nämlich gering, wie sich an den Daten zu den Verbraucherpreisen gezeigt hat.
Nasdaq holt nach
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ging 0,2 Prozent höher mit knapp 15.530 Punkten aus dem Handel. Der breiter gefasste S&P-500 stieg um 0,4 Prozent auf fast 1705 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 0,8 Prozent auf nahezu 3746 Punkte. Technologiewerte hatten die Rally am Montag nicht mitgemacht und daher noch einiges aufzuholen. In Frankfurt schloss der Dax 0,2 Prozent schwächer bei 8596,95 Punkten und lag damit etwa 30 Zähler unter seinem Rekordhoch vom Montag.
Im Fokus der Anleger stand Microsoft. Zwei Tage vor einem Investorentreffen bemühte sich der Softwareriese um gute Stimmung bei den Aktionären. Er erhöhte seine Quartalsdividende stärker als von vielen Analysten erwartet und kündigte ein neues Aktienrückkaufprogramm von bis zu 40 Milliarden Dollar an. Microsoft-Papiere zogen 0,4 Prozent an.
Gefragt waren ebenfalls die Aktien des Spezialchemie-Konzerns Huntsman, die 1,9 Prozent gewannen. Huntsman übernimmt vom Rivalen Rockwood die Duisburger Tochter Sachtleben sowie weitere Geschäfte und zahlt dafür 1,1 Milliarden Dollar. Rockwood-Papiere verteuerten sich um 0,9 Prozent.
Analyst treibt Facebook
Einmal mehr standen die Papiere des Computerkonzerns Apple im Fokus, nachdem die Aktie am Montag erstmals seit dem 12. August wieder unter ihren 200-Tage-Schnitt gefallen war. Nun kletterten die Papiere 1,2 Prozent.
Deutliche Kursgewinne verzeichneten ferner Facebook, die von einem positiven Kommentar der Analysten von Cantor Fitzgerald profitierten und um 6,0 Prozent vorrückten. Der Kurs von Blackberry stieg um 2,3 Prozent. Laut einem Medienbericht gibt es Kaufinteressenten für einzelne Geschäftsbereiche des Smartphone-Herstellers, der sich vor einiger Zeit zum Verkauf gestellt hat.
Der Kurs der Supermarktkette Safeway sprang um 9,7 Prozent nach oben. Das Unternehmen hat zur Abwehr einer Übernahme den zum Stichtag 30. September registrierten Aktionären ein Vorkaufsrecht für neue Aktien eingeräumt. Aktien des Parfum- und Kosmetikherstellers Coty sanken zeitweise auf den tiefsten Stand seit dem Börsengang im Juni. Sie schlossen um 3,8 Prozent niedriger. Weil das Geschäft mit den Nagellacken des Unternehmens nicht gut läuft, musste sich Coty für das laufende erste Geschäftsquartal bescheidenere Ziele setzen.
GM greift Tesla an
Dem Elektrofahrzeughersteller Tesla erwächst unterdessen Konkurrenz von General Motors. Der traditionsreiche Autobauer hat nach eigenen Angaben ein Elektroauto entwickelt, das mit einer Batterieladung 200 Meilen (etwas über 300 Kilometer) weit fährt und nur 30.000 Dollar kosten soll. Für das S-Modell von Tesla müssen mindestens 70.000 Dollar hingeblättert werden. Die GM-Aktie stieg um 1,4 Prozent, der Tesla-Kurs fiel um 0,2 Prozent.
Auch der Dollar gab zum Euro etwas nach. Anleger verkauften den Greenback in Erwartung der Fed-Aussagen am Mittwoch, während der Euro von dem überraschend starken deutschen ZEW-Index profitierte. Die Gemeinschaftswährung kostete im späten US-Geschäft rund 1,3360 Dollar.
Am Rohstoffmarkt fiel der Ölpreis mit der nachlassenden Angst vor einer Destabilisierung des Nahen Ostens. Das Barrel Leichtöl der Sorte WTI verbilligte sich um 1,1 Prozent auf 105,42 Dollar. Die europäische Referenzsorte Brent gab um 1,7 Prozent auf 108,19 Dollar nach. In Libyen wurde nach streikbedingten Unterbrechungen die Förderung an einigen Ölfeldern wieder aufgenommen, und im Syrienkonflikt gilt eine diplomatische Lösung nach wie vor als wahrscheinlich.