Wirtschaft
EZB-Chef Mario Draghi gibt den Märkten neue Hoffnung.
EZB-Chef Mario Draghi gibt den Märkten neue Hoffnung.(Foto: picture alliance / dpa)

Draghi hilft aus der Bären-Falle: ZEW-Index schiebt Dax ins Plus

Nach dem BIP-Schock in Japan richtet sich auch der Dax wieder auf. Denn EZB-Chef Draghi nährt mal wieder die Hoffnung, dass es bald neue Geldgeschenke für die Anleger gibt. Und auch die jüngsten Konjunkturdaten machen Mut.

Gute Konjunkturdaten und die Hoffnung auf weitere Geldspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Ankurbelung der Konjunktur haben die Anleger am Dienstag erneut bei deutschen Aktien zugreifen lassen. Der Dax gewann 1,6 Prozent auf 9.456,53 Punkte. Am Montag hatte der Leitindex 0,6 Prozent höher bei 9306 Punkten geschlossen. Der MDax der mittelgroßen Werte zog 0,6 Prozent an auf 16.448,01 Zähler. Der Technologiewerte-Index TecDax legte 1,9 Prozent auf 1.305,22 Punkte zu.

Nach einer langen Durststrecke blicken die Börsenprofis wieder mit größerem Optimismus auf die deutsche Wirtschaft. Das Barometer für die ZEW-Konjunkturerwartungen stieg im November auf plus 11,5 Zähler von minus 3,6 Punkten im Vormonat und übertraf damit die Erwartungen der Ökonomen deutlich. "Der ZEW-Index nimmt den Sorgen vor einer möglichen Rezession in Europa weiter den Wind aus den Segeln", sagte ein Händler. Die deutsche Wirtschaft war im Sommer haarscharf an einer von manchen Experten befürchteten Rezession vorbeigeschrammt und um 0,1 Prozent gewachsen.

Halt gab den Anlegern auch Notenbank-Chef Mario Draghi. Er hatte am Vortag vor dem Wirtschafts- und Finanzausschuss des EU-Parlaments laut über den Ankauf von Staatsanleihen nachgedacht.  Draghi habe "eine geldpolitische Vollkaskoversicherung in punkto Stützungskäufen für den Fall weiterer Turbulenzen in der Euro-Zone vorgelegt", erklärte Gregor Kuhn, Marktanalyst bei IG Markets. "Anleger werten die gestrigen Aussagen dahingehend, dass 'Quantitative Easing' der EZB näher rückt", schrieb Analyst Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets in einem Kommentar. Unter Quantitative Easing (QE) verstehen Börsianer umfangreiche Käufe von Wertpapieren durch eine Notenbank.

Deutsche Bank schiebt "CoCos" nach

Unterstützend wirkte auch die Kaufempfehlung für Europas Aktien durch JP Morgan vom Vortag. Die Analysten hatten betont, dass Europa in der währungsbereinigten Performance mittlerweile 22 Prozent hinter den US-Börsen zurückliege. "So ähnlich dürften auch andere Investmentbanken denken und wieder nach Europa zurückkommen", so der Händler.

Zudem sprachen technische Faktoren für den Markt: Der Kurseinbruch vom Montagmorgen sei eine klassische "Bären-Falle" gewesen. Dabei sei der Markt mit hohen Umsätzen nach unten gedrückt worden, um automatische Absicherungen auszulösen. Danach habe man sehr günstig einsteigen können. Solche Aktionen seien oft am Beginn von Aufwärtstrends zu beobachten.

Deutsche Bank stiegen um 1,1 Prozent. Die Bank will abermals sogenannte Zwangswandelanleihen (Contingent Convertible Bonds, "CoCos" begeben, um ihr Kapital aufzustocken. Fällt die Eigenkapitalquote unter 5,125 Prozent, dann bekommen die Anleihe-Investoren aber keine Aktien der Bank. Stattdessen werden sie an den Verlusten beteiligt, indem die Papiere einfach abgeschrieben werden. Bereits im Mai hatte das Institut "CoCos" im Gesamtvolumen von 3,5 Milliarden Euro platziert. Laut früheren Angaben peilt die Bank insgesamt fünf Milliarden Euro an.

Merck-Aktien setzten ihren Höhenflug im Zuge der beschlossenen Kooperation mit dem US-Pharmariesen Pfizer fort und markierten ein neues Rekordhoch. Die Titel stiegen um 2,1 Prozent. Zudem lagen HeidelbergCement mit einem Plus von 2,1 Prozent vorn. Das Unternehmen legte wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ostukraine sein Zementwerk in der Nähe von Donezk still.

Auch Wirecard gehörte zu den Favoriten. Die Ankündigung einer Kooperation mit dem Kreditkarten-Anbieter Visa bei Prepaid-Karten verhalf dem Zahlungsabwickler zu einem Kursplus von 3,9 Prozent. Gefragt waren auch Sixt, die sich um 8,6 Prozent verteuerten. Der Autovermieter hob nach einem Umsatz- und Gewinnanstieg in den vergangenen Monaten seine Gesamtjahresziele an.

Der Internetkonzern United Internet ist in den ersten neun Monaten des Jahres weiter gewachsen und hat mehr verdient als vom Markt erwartet. Die Zahl der Kundenverträge konnte um 660.000 auf 14,11 Millionen weiter gesteigert werden. Getragen wurde das Kundenwachstum hauptsächlich vom Segment "Access", in dem die Gesellschaft um 390.000 Mobile-Internet-Verträge sowie 170.000 DSL-Verträge zulegen konnte. Die Aktien gewannen 2,0 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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