Wissen
Eine der bekanntesten Supernova-Explosionswolken: der Krebsnebel. Seit dem Jahr 1054 verteilt er sich im Weltraum. Die bei der Explosion herausgeschleuderten Elemente sind an den Farben zu erkennen: blau und rot deuten auf Sauerstoff hin, grün auf Schwefel.
Eine der bekanntesten Supernova-Explosionswolken: der Krebsnebel. Seit dem Jahr 1054 verteilt er sich im Weltraum. Die bei der Explosion herausgeschleuderten Elemente sind an den Farben zu erkennen: blau und rot deuten auf Sauerstoff hin, grün auf Schwefel.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Frage & Antwort, Nr. 292: Bestehen wir aus Sternenstaub?

Von Andrea Schorsch

"Wir alle sind aus Sternenstaub", heißt es in einem Song von Annette Humpe und Adel Tawil. Ich habe das Lied kürzlich wieder gehört. Kann man das denn tatsächlich so sagen? Sind wir wirklich aus Sternenstaub? (fragt Matze R. aus Wuppertal)

Woraus der Mensch besteht, ist schnell geklärt: vorwiegend aus Wasser, Eiweißen, Fetten und Mineralstoffen. Diese Ingredienzen wiederum setzen sich aus verschiedenen Elementen zusammen. Sauerstoff macht den größten Teil unseres Gewichts aus (mehr als die Hälfte!), gefolgt von Kohlenstoff. Auch Wasserstoff ist in unserem Organismus in großer Menge vorhanden, dazu Stickstoff, Calcium, Chlor, Phosphor, Kalium, Schwefel, Natrium, Magnesium … Die Liste ist lang. Eines allerdings wird nicht genannt, wenn es um die Chemie des Menschen geht: Sternenstaub. Und doch haben Annette Humpe und Adel Tawil mit ihrer Liedzeile recht. Denn all die Elemente, die in unserem Körper zu finden sind, gäbe es nicht ohne Sterne.

Das Periodensystem der Elemente: Die Ordnungszahl entspricht der Anzahl der Protonen. Die Darstellung beginnt daher mit Wasserstoff, gefolgt von Helium.
Das Periodensystem der Elemente: Die Ordnungszahl entspricht der Anzahl der Protonen. Die Darstellung beginnt daher mit Wasserstoff, gefolgt von Helium.

Im Inneren von Sternen ist es zig Millionen Grad heiß, es herrschen hohe Dichte und hoher Druck. Hier verschmelzen Atomkerne. Wasserstoff fusioniert zu Helium. Wird irgendwann der Wasserstoff knapp, sind es die Heliumkerne selbst, die sich zusammenfügen. Drei von ihnen lassen ein Kohlenstoffatom entstehen. Fusioniert dieses abermals mit Helium, ist das Ergebnis Sauerstoff. Aus kleinen Atomkernen bilden sich auf diese Weise immer größere und schwerere. Schritt für Schritt entstehen immer neue Elemente. Es ist die Anzahl der Protononen, die bestimmt, um welches Element es sich letztlich handelt.

Ohne Supernovae gäb's uns nicht

Besonders massereiche Sterne können die einzelnen Elemente des Periodensystems bis hin zu Eisen erbrüten. Dann ist Schluss mit der Elementsynthese im Innern des Sterns. Alle weiteren Elemente sind größtenteils Produkte gewaltiger Supernova-Explosionen. Die stehen am Ende manchen Sternenlebens. Dann sind Bedingungen gegeben, die es ermöglichen, dass sich an den bereits vorhandenen, unterschiedlichen Atomkernen noch mehr Protononen und Neutronen anlagern. So bilden sich die Elemente, die schwerer sind als Eisen – bis hin zu Uran. Damit ist das Periodensystem so gut wie komplett.

Das derart hergestellte Material wird also bei Sternenexplosionen ins All geschleudert. Erlischt ein masseärmerer Stern, bewegt es sich mit der abgestoßenen Sternhülle, dem Planetarischen Nebel, durch den Weltraum. Irgendwann ist das Material an der Geburt neuer Sternsysteme beteiligt. Aus den bereits vorhandenen schwereren Elementen können dann Planeten entstehen – und in einem, uns bekannten Fall auch Leben.

"Wir alle sind aus Sternenstaub" ist also mehr als pure Poesie. Jedes Kohlenstoff-, jedes Sauerstoffatom in unserem Körper kam einst von den Sternen. Sie sind die Elementfabrik. Die chemische Beschaffenheit eines Menschen lässt sich – geht man ihr auf den Grund – bis zum Urknall zurückverfolgen. Doch natürlich ist es nicht der Mensch allein, der im weitesten Sinne aus Sternenstaub besteht. Das gilt auch für alle anderen Lebewesen, ebenso für sämtliche Objekte. Alles ist letztlich aus Sternenstaub; nicht weniger als das gesamte Universum.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Haben auch Sie eine Frage und suchen nach der Antwort?

Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.

Empfehlungen