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Oftmals drücken Schneeglöckchen ihre Triebe durch den Schnee hindurch.
Oftmals drücken Schneeglöckchen ihre Triebe durch den Schnee hindurch.(Foto: picture alliance / dpa)

Frage & Antwort, Nr. 313: Können Frühblüher erfrieren?

Von Jana Zeh

Ich habe in diesem Jahr bereits Mitte Januar die ersten Triebe der Schneeglöckchen in meinem Garten entdeckt. Nun mache ich mir Sorgen, dass die Frühblüher noch erfrieren könnten. Sind meine Bedenken berechtigt? (fragt Ursula G. aus Remscheid)

Winterlinge sind schon sehr früh im Jahr auf Wiesen in Parkanlagen zu sehen.
Winterlinge sind schon sehr früh im Jahr auf Wiesen in Parkanlagen zu sehen.(Foto: picture alliance / dpa)

Schneeglöckchen, Krokusse und Winterling kündigen den Frühling an und können sogar eine dünne Schneedecke durchbrechen, wenn der Boden nicht gefroren ist. Doch woher wissen die Pflanzen, dass ihre Zeit gekommen ist? Bedeuten Temperatureinbrüche unter null den Tod der Triebe?

"Frühblüher können nicht erfrieren", sagt Thomas Wagner, Diplom-Gartenbauingenieur und Fachberater des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde e.V., "denn sie haben bestimmte Mechanismen, um sich vor Minusgraden zu schützen." Doch wie machen sie das?

Die ersten sogenannten Vorfrühlingsblüher sind in unseren Breiten das Schneeglöckchen und der Winterling. Das Schneeglöckchen gehört zu den Frostkeimern, das bedeutet, die Zwiebel der Pflanze muss in der Erde erst mehrere Tage Frost erfahren, bevor sie bei folgenden Plusgraden überhaupt aktiv wird. "Diese Funktion verhindert, dass Frostkeimer schon im Herbst zum Leben erwachen", erklärt Wagner. Erst wenn die Temperaturen im Boden mehrere Wochen über fünf Grad Celsius gelegen haben, beginnen die Samen zu keimen. Frostkeimer können aber auch künstlich aus der Keimruhe geholt werden. Professionelle Gärtner legen das Saatgut dafür für mehrere Tage in Eisschränke. "Solch eine Kältebehandlung wird in Fachkreisen als Stratifikation bezeichnet", so Wagner.

Die Auslöser für den Wachstumsbeginn sind von Pflanze zu Pflanze verschieden. Viele Frühblüher nehmen das Sonnenlicht mit ihren Blättern wahr und können so erkennen, wie lang die Tage sind. Mit Hilfe dieser Informationen wird erst mit der Zunahme der Sonnenstunden die Blüte ausgebildet. Die zeitigen Vorfrühlingsblüher dagegen richten ihre innere Uhr nach der Temperatur aus, jedoch nicht die Luft-, sondern die Bodentemperatur ist dabei entscheidend. Steigen die Temperaturen mit den ersten wärmenden Sonnenstrahlen im Boden an, werden die Zwiebeln geweckt und innerhalb kurzer Zeit entstehen Blätter und ein wenig später auch die beliebten Blüten, die den Frühling ankündigen.

Natürlicher Frostschutz

In den Knollen und Zwiebeln von Frühblühern sind oftmals Gifte enthalten, die vor Fraßfeinden schützen sollen.
In den Knollen und Zwiebeln von Frühblühern sind oftmals Gifte enthalten, die vor Fraßfeinden schützen sollen.(Foto: picture alliance / dpa)

Und auch Blatter und Blüten der Frühblüher sind vor Frost geschützt. Schneeglöckchen beispielsweise liegen nach einer Frostnacht, die Temperaturen von unter minus fünf Grad Celsius mitbringt, flach auf dem Boden. Doch sie sind nicht erfroren, sondern richten sich nach einiger Zeit wieder auf. "Frühblüher und winterharte Pflanzen tragen nämlich einen natürlichen Frostschutz in sich", erläutert Wagner. Sie produzieren aus überschüssiger Energie Stärke. Diese ist in allen Pflanzen zu finden und wird in Körnchenform gelagert.

Kommt es zu Minusgraden, schaltet die Pflanze ihren Stoffwechsel um. Nun wird statt Glucose Glycerin produziert und die Stärkereserven zu Glucose zerlegt. So entstehen die körpereigenen  Frostschutzmittel, sogenannte "Bio-Alkohole" wie Glycerin, Traubenzucker und Sorbit. Dieser Prozess wird als Gefrierpunktserniedrigung bezeichnet. Die natürlichen Frostschutzmittel verteilen und lösen sich im Wasser der Zellen und verändern damit dessen molekulare Zusammensetzung. Das führt dazu, dass das Wasser in den Zellen nicht wie üblich bei 0 Grad Celsius gefriert. Die spitzen Eiskristalle, die sich in Pflanzenzellen ohne Frostschutz bilden und die die Zellwände zerstören, bleiben aus.

Übrigens: Auch Schneeglöckchen und Winterling sind sich nicht immer ganz einig, ob der Winter vorbei ist. Ganz eilige Exemplare blühen bereits im Dezember, die meisten erst zwischen Januar und März. Grund dafür sind verschiedene Bodenbeschaffenheiten und Standorte. Sandige, trockene Böden erwärmen sich wesentlich schneller als schwere, nasse. Geschützte, sonnige Ecken an Häuserwänden unterstützen das Wachstum mehr als zugige, offene und schattige Plätzchen.

Quelle: n-tv.de

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