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Das Wort "OK" ist im Alltag vieler Kulturen verbreitet.
Das Wort "OK" ist im Alltag vieler Kulturen verbreitet.(Foto: imago stock&people)

Frage & Antwort, Nr. 413: Warum sagt man eigentlich "OK"?

Von Kai Stoppel

Jeden Tag benutze ich zigmal das Wort "OK". Dabei weiß ich nicht mal, was das eigentlich bedeutet. Jeder, den ich frage, hat eine andere Erklärung parat. Ich hätte dies deshalb gerne einmal abschließend geklärt - OK? (fragt Helmut W. aus Kyritz an der Knatter)

Der Ausdruck "OK" ist uns lieb und vertraut und aus dem Alltag gar nicht mehr wegzudenken. Bereits im Jahr 1954 hatte ihn der Duden aufgenommen (allerdings in der Form "O.K.") und als festen Bestandteil der deutschen Sprache geadelt. "Gut", "einverstanden", "in Ordnung", "alles klar" oder "wird erledigt" - die Bedeutungen von "OK" sind vielfältig. Aber so vertraut uns dieser Begriff im Alltag auch ist, birgt er doch ein Geheimnis: das seiner Herkunft.

Die möglichen Erklärungsversuche sind vielfältig und füllen ganze Internetseiten. Klar zu sein scheint zumindest, dass das Wort aus dem englischsprachigen Raum zu uns kam, um genauer zu sein: aus den USA. Doch ab da wird es unübersichtlich. Viele Legenden ranken sich um den Ursprung des Begriffs. Bevor wir zur Lösung des Rätsels kommen, hier eine kleine Auswahl der schönsten Theorien:

Indianer, Sklaven und ein deutscher Industrieller

  • Afrikanische Sklaven im US-Bundesstaat South Carolina (Bild um 1780).
    Afrikanische Sklaven im US-Bundesstaat South Carolina (Bild um 1780).(Foto: Wikipedia gemeinfrai)
    "OK" oder "O.K." ist eine Abkürzung für "ola kala", was Griechisch für "alles gut" ist. Griechische Lehrer schrieben dies unter sehr gute Arbeiten von Schülern. Von Lehrern an US-Schulen und -Universitäten, an denen Griechisch gelehrt wurde, ist das übernommen worden.
  • Der Ursprung des "OK" liegt in Westafrika. In jüngster Zeit brachte dies der US-Autor Joseph Holloway erneut ins Gespräch mit dem Verweis, dass verschiedene westafrikanische Sprachen vom Klang her ähnliche Wörter benutzen, um Zustimmung oder einfach nur eine Bestätigung des von einer anderen Person Gesagten ("back-channeling") auszudrücken. Diese gelangten dann über den Sklavenhandel in die USA.
  • Ein aus Deutschland stammender US-amerikanischer Fabrikant und Qualitätsinspektor mit dem Namen Otto Kaiser ließ jedes Produkt nach einer gründlichen Überprüfung mit seinen Initialen "O.K." kennzeichnen. Damit war das Produkt "in Ordnung".
  • Ein Vertreter des Indianderstamms  Choctaw aus dem Südosten der USA.
    Ein Vertreter des Indianderstamms Choctaw aus dem Südosten der USA.(Foto: Wikipedia gemeinfrei)
    Der Begriff kam aus dem Französischen ins US-amerikanische Englisch: Rum, der aus Haiti importiert wurde, galt als qualitativ besonders wertvoll. Er war also "gut" oder "in Ordnung". Verschifft wurde dieser Rum von der Hafenstadt Les Cayes im Süden Haitis. Er kam also "aus Les Cayes" - auf Französisch heißt das "aux Cayes", was sich ausgesprochen "Ou käi" anhört und in den USA später zu "O.K." wurde.
  • Indianer haben als Erste den Ausdruck "O.K." verwendet. In der Sprache der Choctaw, einem Stamm aus dem Südosten der USA, existierte bereits seit Langem der Ausdruck "oke" oder "okeh", der so viel bedeutet wie "es ist". Durch Handelsbeziehung mit den weißen Siedlern ist er schließlich ins Englische übernommen worden.

Wortwitz als Marotte von US-Journalisten

Diese Geschichten hören sich teils abenteuerlich an und werden von den meisten Sprachwissenschaftlern in Zweifel gezogen. Mittlerweile hat sich eine andere Erklärung für die Herkunft von "OK" mehr oder weniger durchgesetzt. Diese erläutert der US-amerikanische Professor für englische Sprache an der Universität von Illinois, Dennis Baron, in einem Beitrag für den Blog des weltweit größten Universitätsverlags Oxford University Press.

Alles fing mit einem Zeitungsartikel an: Am 23. März 1839 veröffentlichte die US-amerikanische Zeitung Boston Morning Post einen Text, in dem nachgewiesenerweise zum ersten Mal der Ausdruck "O.K." auftaucht. Aber eigentlich ist er nur ein Witz, eine Verballhornung von "all correct", also auf Deutsch "alles in Ordnung". Derart launige Abkürzungen waren damals beliebt unter Journalisten: In den Zeitungen dieser Zeit tauchten etwa auch Abkürzungen wie "A.R." ("all right") und "O.R." ("oll rong", eigentlich "all wrong") auf sowie viele andere. Das ähnelte in etwa der heutigen Beliebtheit von Chat-Kürzeln wie LOL, OMG oder ROFL.

Ein Wahlkampfslogan hilft nur sich selbst

Der 8. Präsident der USA Martin Van Buren, auch bekannt als "Old Kinderhook".
Der 8. Präsident der USA Martin Van Buren, auch bekannt als "Old Kinderhook".

Die meisten Abkürzungen verschwanden über die Jahre wieder. Doch "O.K." hielt sich, und das hatte seinen Grund. Denn nur ein Jahr später startete der damalige US-Präsident Martin Van Buren seine Kampagne für seine Wiederwahl im Folgejahr 1841. Dazu muss man wissen, dass Van Buren aus der Ortschaft Kinderhook im US-Staat New York stammte. Daher wurde er auch als "Old Kinderhook" bezeichnet. Seine Wahlkampfhelfer, der "Old Kinderhook Democratic Club", erkannten die günstige Gelegenheit und machten "O.K." zu ihrem Wahlkampf-Slogan. "O.K." sollte also verdeutlichen, dass der "Old Kinderhook" genannte Bewerber "oll correct", also auf eine sympathische Weise "in Ordnung" ist. Allerdings half das Van Buren wenig - er verlor die Wahl.

Doch das "O.K." hatte sich ins Gedächtnis der US-Bürger eingebrannt. Und wie heute die Abkürzungen LOL, OMG und ROFL durch das Aufkommen von SMS und Kurznachrichtendiensten im Internet eine starke Verbreitung finden, war es in den weiteren 1840er-Jahren das "viktorianische Internet", welches dem "O.K." zum endgültigen Durchbruch verhalf: der Telegraf. Denn mittels nur zweier Buchstaben konnte bei der sonst etwas aufwendigen Verwendung des Morse-Alphabets ein knappes "in Ordnung" übermittelt werden.

Übrigens: Zwar startete der Siegeszug des Ausdrucks als "O.K.", also mit Punkten getrennt. In den vergangenen Jahren sind englische Wörterbücher jedoch mehr und mehr dazu übergegangen, auf Abkürzungspunkte zu verzichten. Im "Advanced Learner's Dictionary" etwa wird mittlerweile nur noch "Ok" als einzige Schreibweise vermerkt. Laut Duden-Chefredakteur Werner Scholze-Stubenrecht traten auch im Dudenkorpus - einer Textbasis aus einer Vielzahl aktueller Zeitungs- und Zeitschriftenartikel, Romane, Reden, Reparatur- und Bastelanleitungen - vor vier Jahren bereits 20 Prozent der Varianten von "OK" ohne Punkte auf. Aber noch immer sind beide Schreibweisen okay.

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Quelle: n-tv.de

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