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Der Mensch muss nicht nur über seine eigene Ernährung, sondern auch die seiner Haustiere nachdenken.
Der Mensch muss nicht nur über seine eigene Ernährung, sondern auch die seiner Haustiere nachdenken.(Foto: picture alliance / Frank Rumpenh)
Dienstag, 08. August 2017

Frage & Antwort, Nr. 494: Schaden Haustiere der Umwelt?

In 44 Prozent der deutschen Haushalte lebt mindestens ein Vierbeiner, in den USA sogar in 60 Prozent. Weltweit geben immer mehr Haustier-Halter hohe Summen aus, auch für Futter und das heißt oft: Fleisch. Hat das einen Einfluss auf Umwelt und Klima - und wenn ja, welchen?

Ja, und der Einfluss ist nicht unerheblich - Hunde und Katzen verursachen vor allem über ihren Fleischkonsum einen beträchtlichen jährlichen Treibhausgas-Ausstoß. Allein in den USA entspreche dieser der Klimawirkung von rund 64 Millionen Tonnen Kohlendioxid jährlich und damit der von fast 14 Millionen Autos, ergab eine im Fachmagazin "PLOS ONE" vorgestellte Hochrechnung. Ein weiterer Vergleich daraus: Die US-Katzen und -Hunde verfuttern jährlich so viele Kalorien wie sämtliche Franzosen.

Haustiere sind für viele Menschen eine angenehme Gesellschaft - manchmal sogar die einzige.
Haustiere sind für viele Menschen eine angenehme Gesellschaft - manchmal sogar die einzige.(Foto: imago/Westend61)

In den USA sind Haustiere so beliebt wie sonst nirgends auf der Welt. Mehr als 60 Prozent der Haushalte besitzen mindestens eines - in Deutschland sind es etwa 44 Prozent. In Berechnungen zum Umwelteinfluss des Nahrungsmittelkonsums im Land flössen Haustiere aber bisher nicht ein, erklärt Gregory Okin von der University of California in Los Angeles (UCLA).

Für eine Hochrechnung dazu schloss der Forscher zunächst aus der Zahl der Katzen und Hunde in den USA sowie den Inhaltsstoffen marktdominierender Futtermittel auf den Fleischverbrauch der Vierbeiner. "Wenn die 163 Millionen amerikanischen Fidos und Felixe einen eigenen Staat bekämen, lägen sie beim globalen Fleischkonsum an fünfter Stelle" - hinter Russland, Brasilien, den USA und China, heißt es von der Universität. In Deutschland gibt es rund 22 Millionen Hunde und Katzen.

Fünf Millionen Tonnen Kot jährlich

Auf Hunde und Katzen entfallen etwa 25 Prozent der im Land verbrauchten Kalorien aus der Viehhaltung.
Auf Hunde und Katzen entfallen etwa 25 Prozent der im Land verbrauchten Kalorien aus der Viehhaltung.(Foto: picture alliance / dpa)

Was an Futter hineingehe, müsse natürlich auch wieder hinaus, schreibt Okin weiter: Gut fünf Millionen Tonnen Kot fielen jährlich an, hat er errechnet. Das entspreche der von 90 Millionen US-Amerikanern hinterlassenen Menge. "Ich mag Hunde und Katzen und ich empfehle definitiv nicht, dass Menschen ihre Haustiere loswerden sollten oder sie vegetarisch ernähren, was ungesund für sie wäre", so Okin. "Aber ich denke, wir sollten uns klar sein über die Auswirkungen, die Haustiere haben, und ehrlich darüber reden."

Die Umweltfolgen einer fleischbasierten Ernährung sind weitaus größer als die einer pflanzlichen - unter anderem werden mehr Fläche, mehr Energie und mehr Wasser für die Produktion benötigt. Hinzu kommen Faktoren wie Bodenerosion, Pestizideinsatz und Abfallmenge. Auf Hunde und Katzen entfallen Okin zufolge etwa ein Viertel der im Land verbrauchten Kalorien aus der Viehhaltung.

Haustiere als Familienmitglieder

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Zwar seien einige Dinge im Futter nichts, was Menschen essen würden oder essen sollten, erklärt Okin. Zunehmend würden Haustiere aber als Familienmitglieder angesehen und erhielten nur das vermeintlich beste - auch beim Fleisch. "Ein Hund braucht kein Steak zu fressen", so der Forscher. "Ein Hund kann Dinge fressen, die nichts für den Menschen sind." Würde nur ein Viertel des derzeit für Futter verwendeten Fleisches wieder dem Menschen zugute kommen, würde das dem Fleischkonsum von 26 Millionen Amerikanern entsprechen, schätzt Okin. Die Menge entspreche nahezu der Fleischproduktion im US-Bundesstaat Texas, wo gewaltige Viehherden gehalten werden.

Zunehmend ein Thema werde das Problem auch in anderen Ländern wie Brasilien und China. Dort konsumierten die Menschen im Zuge steigender Einkommen nicht nur selbst immer mehr Fleisch, sondern hielten auch mehr Haustiere, in deren Versorgung mehr investiert werde. "Ich bin selbst kein Vegetarier, aber Fleisch zu essen hat nun mal seinen Preis", so Okin. Darum müsse der Mensch nicht nur über seine eigene Ernährung, sondern auch die seiner Haustiere nachdenken. Eine mögliche Option wären demnach alternative Proteinquellen für Hunde- und Katzenfutter.

Hund, Katze und Meerschweinchen beschleunigen Klimawandel

Methan (CH4), etwa aus der Rinderhaltung, und Kohlendioxid (CO2) wirken in der Atmosphäre als Treibhausgase: Sie halten Wärmestrahlung zurück, die Erde heizt sich allmählich auf. Hund und Katze beschleunigen also mit ihrem Dasein den Klimawandel, vor allem in reicheren Ländern, wo sie zumeist nicht mit Resten, sondern extra hergestelltem Futter versorgt werden. Noch nicht einmal berücksichtigt sind in Okins Rechnung die Folgen für Umwelt und Klima, die auf die Produktion der unzähligen im Handel erhältlichen Produkte speziell für flauschige Lieblinge zurückgehen.

Dem Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) zufolge geben allein die deutschen Haustierbesitzer gut vier Milliarden Euro für Fertignahrung sowie Bedarfsartikeln und Zubehör aus dem Fach- und Lebensmitteleinzelhandel aus. Hinzu kamen demnach im vergangenen Jahr mehr als 500 Millionen Euro über Online-Vertriebswege.

Selbst ein Meerschweinchen, als Pflanzenfresser ein weit geringerer Treibhausgas-Verursacher als Hund oder Katze, hat eine schlechtere Öko-Bilanz, als viele Tierhalter wohl annehmen: Sein Futter wird in Fabriken hergestellt oder zumindest abgefüllt, hinzu kommen die Verpackungen für Heu, Streu und Futter. Okin sagt: "Haustiere mögen viele Vorzüge haben - aber sie haben auch gewaltigen Einfluss auf die Umwelt."

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Quelle: n-tv.de

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