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Wer einen Hund hat, ist oft draußen. Das ist gesund. Beugt es auch Allergien vor?
Wer einen Hund hat, ist oft draußen. Das ist gesund. Beugt es auch Allergien vor?(Foto: imago/Westend61)
Dienstag, 31. März 2015

Frage & Antwort, Nr. 372: Schützen Hunde vor Allergien?

Von Andrea Schorsch

Ich habe gehört, dass Kinder vor Allergien geschützt sind, wenn sie mit einem Hund aufwachsen. Stimmt das? Wie kann das sein? (fragt Christian H. aus Halle)

"Das ist etwas, das die Forschung sehr beschäftigt", sagt Dr. Katja Nemat, Kinderärztin und Allergologin aus Dresden, auf unsere Leserfrage. "In einigen großen Studien hat sich tatsächlich gezeigt, dass Kinder, die in Haushalten groß werden, in denen ein Hund gehalten wird, weniger Allergien entwickelt haben."

Wie Nemat ausführt, waren die Kinder als Neugeborene in die Studien aufgenommen worden. In den folgenden Jahren wurden sie regelmäßig untersucht. Die Studien stützen sich also nicht auf Experimente, sondern geben für jedes der Kinder den natürlichen Verlauf der Allergieentwicklung wieder. Das Ergebnis: Hunde bewahren Kinder häufig vor bestimmten Allergien. Vor welchen genau, kann uns Nemat sagen: "Die Schutzwirkung ist nachgewiesen für Pollen, Hausstaubmilben und Tierhaare; für Allergene also, die über die Luft ans Immunsystem kommen. Für Nahrungsmittelallergien besteht die Schutzwirkung nicht oder wurde zumindest nicht durch die Studien bestätigt."

Katzen und Kaninchen ändern nichts

Doch immerhin: Einigen Allergien lässt sich mit Hunden oft vorbeugen – und auch wirklich nur mit Hunden. Kinder, die kleine felltragende Tiere wie Hasen, Kaninchen, Hamster oder auch Katzen als Haustiere hatten, waren nicht vor Allergien gegen Pollen & Co. geschützt. Wie kommt das?

"Es ist grundsätzlich nicht nur ein Faktor, der Kinder vor Allergieentwicklung schützt, sondern es ist ein Paket an Dingen", sagt die Allergologin. "Der Hund wird seine Schuppen als Allergen mit in die Familie bringen, aber er bringt auch Schmutz und Bakterien mit rein. Und es ist zu vermuten, dass Familien, die einen Hund haben, insgesamt einen anderen Lebensstil pflegen. Sie gehen zum Beispiel mehr raus."

Schmutz, Bakterien und viel frische Luft

Die eine konkrete Anti-Allergie-Substanz also konnte man an Hunden nicht finden. "Die hätten wir natürlich gern", sagt Nemat. "Dann könnten wir bei Neugeborenen eine Allergieimpfung durchführen. Aber so leicht ist es eben nicht." Fest steht, dass der moderne westliche Lebensstil und ein städtisches Umfeld Allergien begünstigen. Ein traditionelles, ländliches Leben hingegen schützt. "Wir wissen", so die Allergologin, "dass Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen und die schon als Babys mit in den Stall genommen wurden, weniger Allergien haben."

Welche einzelnen Faktoren da eine Rolle spielen, versucht man gerade herauszufinden. "Höchstwahrscheinlich ist es eine Mischung aus Bakterien, Allergenkontakt, vielleicht auch einer natürlicheren Ernährung", sagt Nemat. Doch auch, ob die Eltern Allergiker sind und die Kinder daher ein genetisches Risiko für Allergien haben, spielt eine Rolle. "Die Grundlage ist auch eine Veranlagung", gibt die Ärztin zu bedenken. "Und die haben sehr, sehr viele Kinder."

Quelle: n-tv.de

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