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Hier gut zu sehen: Vier- und fünffingrige Figuren stehen in der Comic-Welt nebeneinander.
Hier gut zu sehen: Vier- und fünffingrige Figuren stehen in der Comic-Welt nebeneinander.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Frage & Antwort, Nr. 175: Warum fehlt Comic-Figuren ein Finger?

von Andrea Schorsch

Warum haben menschenähnliche Figuren in Comics immer nur vier Finger? (fragt Michael B. aus Detmold)

Die Antwort auf diese Frage erhalten wir prompt: "Vier Finger sind leichter zu zeichnen", sagt Thea Schellakowsky von der Ehapa Comic Collection. Und sie spezifiziert: "Besonders für Trickfilmzeichner." Denn die Expertin nimmt an, dass es die Disney-Studios waren, die diese Vereinfachung in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts durchsetzten.

Vier Finger sind genug - fanden die Zeichner der Trickfilmstudios.
Vier Finger sind genug - fanden die Zeichner der Trickfilmstudios.(Foto: picture-alliance / dpa)

Wer einen Trickfilm zeichnete, hatte zahlreiche Bildabfolgen darzustellen. Für den kompletten Film waren so viele Einzelbilder nötig, dass es sich durchaus lohnte, bei jeder Hand einen Finger wegzulassen. Dadurch sparten die Zeichner einiges an Zeit.

Überhaupt waren die Trickfilmfiguren vergleichsweise einfach gehalten. Und für ihre Gestik war der fünfte Finger – übrigens stets der Mittelfinger – verzichtbar. Die Obszönitäten, für die er unerlässlich ist, waren damals nicht gebräuchlich; und falls doch, dann zumindest alles andere als filmreif. Das ist heute anders. Aber aus den Vierfingerhänden des Trickfilms hat sich eine gewisse Tradition für die Comic-Figuren entwickelt.

Im Kampf gegen die Römer stehen den beiden Galliern vollbefingerte Hände zur Verfügung.
Im Kampf gegen die Römer stehen den beiden Galliern vollbefingerte Hände zur Verfügung.(Foto: picture-alliance / dpa)

Dabei gibt es durchaus Comic-Helden, die ihren Mittelfinger nicht einbüßen mussten und also über naturgetreue Fünffingerhände verfügen. Dazu gehören zum Beispiel die Figuren der Asterix-Bände sowie Lucky Luke und auch Tim, die bessere Hälfte von Struppi. Die jeweiligen Zeichner – Uderzo, Morris und Hergé – hatten etwas gemeinsam: die Liebe zum Detail. All diese Comics sind weit aufwändiger gezeichnet als zum Beispiel die nordischen Welten von Hägar, dem Schrecklichen, oder die Illustrationen, die die philosophischen Betrachtungen von Calvin und Hobbes bebildern.

Ob vier oder fünf Finger, ist daher inzwischen oft einfach eine Frage des Stils.

Die Vorläufer der Sprechblasen: eine Seite aus dem Evangeliar Heinrichs des Löwen, 12. Jahrhundert.
Die Vorläufer der Sprechblasen: eine Seite aus dem Evangeliar Heinrichs des Löwen, 12. Jahrhundert.

Übrigens: Frühe Formen von Bildergeschichten gab es schon in der Höhlenmalerei der Steinzeitmenschen. In späterer Zeit haben viele kirchliche Darstellungen (Altarbilder und Fenster) einen comicartigen Charakter. In der Buchmalerei des 12. Jahrhunderts wurden biblische Personen mit gesprochenen Texten in Form von Spruchbändern versehen - die Vorläufer der comictypischen Sprechblasen waren geboren. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts erschienen dann in den Zeitungen der USA kurze Comicstrips. Das Comicheft allerdings – als Fortsetzungsreihe – entwickelte sich zuerst in Frankreich und Belgien. Hergé war von Anfang an ein bedeutender Vertreter: 1929 stellte er die Reporterfigur Tim erstmalig der Öffentlichkeit vor. Da steckten die Disney-Filme noch in den Kinderschuhen.

Quelle: n-tv.de

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