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Mittwoch, 04. März 2009

Frage & Antwort, Nr. 61: Wie bleibt der Kängurubeutel sauber?

Uns ist eine ungewöhnliche Frage in den Sinn gekommen, die uns keine Ruhe mehr gibt: Wie ist das mit der Hygiene im Kängurubeutel? Was geschieht, wenn das Kleine seine Notdurft verrichtet hat? Wäre nicht vielleicht ein Netz besser gewesen? (fragt Clemens Hübner aus Dresden)

Zugegeben, ein Netz scheint praktisch. Schließlich wäre es durchlässig und würde dadurch eine gewisse Sauberkeit in der Kinderstube gewährleisten. Aber solch ein Netz hielte nicht warm. Und es wäre wohl noch aus einem anderen Grund geradezu lebensgefährlich für den Känguru-Nachwuchs. Wie uns Experte Dr. Ragnar Kühne vom Zoo Berlin erklärt, sind Kängurus bei ihrer Geburt nämlich winzig klein. "Neugeborene Rote Riesenkängurus etwa sind so groß wie eines unserer Fingerglieder", sagt der Zoologe. Sie bringen es gerade einmal auf gut zwei Zentimeter Länge und auf ein Gewicht von weniger als einem Gramm. Vor diesem Hintergrund ist es doch sinnvoll, dass die Babys in einem Beutel aufwachsen. Durch ein Netz würden sie womöglich durchfallen.

Für Sauberkeit ist gesorgt

Die Frage, wie der Beutel sauber bleibt, ist schnell geklärt: "Die Mutter leckt ihn aus", antwortet Kühne. Dieser Aufgabe kommt sie über mehrere Monate hinweg nach. "Das Junge wird nach etwa einem Monat geboren", erzählt uns der Zoologe, "und wächst dann im Beutel heran. Bis es diesen dauerhaft verlässt, ist es etwa acht bis neun Monate alt."

Bei der Geburt ist das Känguru-Baby nackt, taub und blind. Doch seine Vorderbeine und seine Klauen sind kräftig ausgebildet. Darauf ist das Neugeborene angewiesen, denn es muss selbständig vom Geburtskanal in Mamas Beutel krabbeln. Dort angekommen, klammert es sich sofort an eine Zitze und saugt sich fest. Für die nächsten zwei bis drei Monate kennt das Kleine nur eine Beschäftigung: Trinken, trinken, trinken. Die Zitze lässt es rund 70 Tage lang nicht los.

Blick über den Beutelrand

Das Bild zeigt ein neugeborenes Känguru, das den Weg in Mamas Beutel zurückgelegt hat und nun an einer Zitze saugt.
Das Bild zeigt ein neugeborenes Känguru, das den Weg in Mamas Beutel zurückgelegt hat und nun an einer Zitze saugt.

Bis das Känguru-Junge zum ersten Mal einen Blick über den Rand des schützenden Beutels wagt, sind seit seiner Geburt etwa fünf Monate vergangen. Es dauert noch etwa ein bis zwei weitere Monate, bis es mutig genug für einen Sprung in die große weite Welt ist. Beim kleinsten Anzeichen von Gefahr kehrt es dann rasch in seine gewohnte Umgebung zurück. "Zu dieser Zeit ist das Junge schon so groß, dass man sich fragt, wie es überhaupt noch in den Beutel passt", sagt Zoologe Kühne. Und tatsächlich dauert es nun nur noch wenige Wochen, bis auch die Känguru-Mutter der Meinung ist, ihr Kind müsse jetzt mit dem Leben außerhalb des Beutels zurechtkommen. Sie schubst das Jung-Känguru zur Seite, wenn es wieder in den Beutel hüpfen will.

Nur zum Trinken darf der frisch gebackene Freigänger noch eine Weile seinen Kopf in die vertraute Bauchfalte stecken. Bei vielen Känguru-Arten wächst dort dann bereits ein Geschwisterchen heran. Und während großes und kleines Jungtier an verschiedenen Zitzen saugen, hat Mama-Känguru wieder einmal die ihr schon bekannte Aufgabe: Sie hält die Kinderstube sauber.

Quelle: n-tv.de

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