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Blick in den Sternenhimmel über der Wasserkuppe in der Rhön: Hier ist Lichtverschmutzung kein Thema.
Blick in den Sternenhimmel über der Wasserkuppe in der Rhön: Hier ist Lichtverschmutzung kein Thema.(Foto: picture alliance / dpa)

Frage & Antwort, Nr. 267: Wie viele Sterne kann man sehen?

Von Andrea Schorsch

In den letzten Wochen ist so oft von Asteroiden, Meteoriten und Kometen die Rede. PanStarrs habe ich verfehlt, aber ich habe endlich mal wieder in den Sternenhimmel geschaut. Wie viele Sterne können wir da ohne Teleskop eigentlich sehen? (fragt Claudia B. aus Papenburg)

Das Bild der ESO ist neun Gigapixel groß. In einer im Buchdruck üblichen Auflösung wäre die Aufnahme neun Meter lang und sieben Meter hoch.
Das Bild der ESO ist neun Gigapixel groß. In einer im Buchdruck üblichen Auflösung wäre die Aufnahme neun Meter lang und sieben Meter hoch.(Foto: ESO/Ohainaut)

Rund 200 Milliarden Sterne gehören zu unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße. Das ist eine beachtliche Zahl. Und Forscher bekommen beim Blick ins Zentrum der Galaxis viele dieser Sterne vor die Linse. Die bislang größte Aufnahme von der Milchstraße entstanden im Oktober 2012 bei der Europäischen Südsternwarte ESO, lässt immerhin gut 84 Millionen Sterne erkennen.

Doch wenn wir mit bloßem Auge in den Himmel schauen, sehen wir nur einen Bruchteil dessen. Gerade mal 6000 Sterne sind von der Erde aus ohne Teleskop sichtbar. Und diese Zahl halbiert sich nochmal, wenn man nicht vom gesamten Himmelsgewölbe, also dem Nord- und dem Südsternhimmel zusammen spricht. Berücksichtigt man, dass man von einem festen Standpunkt aus immer nur den Himmel bis zum Horizont betrachten kann, nicht aber den Himmel unterhalb des Horizonts, dann reduziert sich die Zahl der Sterne, die man ohne optische Hilfsmittel sehen kann, auf 3000. Maximal.

Sterne versinken im Lichtermeer

Lichtverschmutzung in Italien: Nur wenige Sterne leuchten so hell, dass man sie von Rom oder Neapel aus erkennen könnte.
Lichtverschmutzung in Italien: Nur wenige Sterne leuchten so hell, dass man sie von Rom oder Neapel aus erkennen könnte.(Foto: picture alliance / dpa)

Mehr Sterne waren freiäugig nie sichtbar. Doch es werden immer weniger. Denn natürlich gilt auch diese Zahl nur unter den besten Bedingungen. Das heißt erstmal, dass nicht gerade Vollmond sein sollte, wenn man Sterne zählen geht. Denn dann kommen die schwach leuchtenden Sterne nicht mehr zur Geltung. Es heißt aber auch, dass man raus aus der Stadt aufs Land oder in die Berge fahren muss. Städte sind nachts einfach viel zu hell, als dass man von dort aus viele Sterne sehen könnte. Lichtverschmutzung ist das Stichwort. Schon jetzt gibt es in Deutschland kaum noch Orte, die die Qualität eines fast natürlich dunklen Sternenhimmels haben, beklagen Astronomen. Rhön, Eifel und Westhavelland gelten als Ausnahme.

Nur dort, wo weder Laternen noch Leuchtreklame oder Strahler ihr Funkeln überdecken, ist es möglich, auch die weniger hellen Sterne zu erkennen. Die Helligkeit von Sternen wird in Größenklassen bzw. Magnituden, kurz "mag", angegeben. Je schwächer ein Stern für uns auf der Erde zu sehen ist, umso größer ist dieser Wert. Ein uns besonders hell erscheinender Stern leuchtet also mit 1 mag oder weniger, ein nur gerade eben erkennbarer Stern mit 6 mag. Das ist die Grenze für den Blick mit bloßem Auge. Sterne, die zum Beispiel mit 6,5 mag funkeln, können wir ohne Teleskop nicht sehen.

Der hellste Stern ist Sirius

Nur 50 Sterne gibt es, die – von der Erde aus betrachtet – heller leuchten als 2 mag. Diese 50 sind auch für Städter bei klarem Himmel zu sehen. Der Polarstern gehört dazu. Seine Helligkeit beträgt 1,97 mag. Viel heller jedoch erscheinen uns zum Beispiel Beteigeuze (0,5 mag), Wega (0,03 mag) und Sirius. Letzterer ist für uns nach der Sonne der hellste Stern überhaupt. Er leuchtet mit -1,46 mag. Zum Vergleich: Unsere Sonne bringt es auf -26,8 mag.

500 Sterne immerhin leuchten heller als 4 mag, doch der überwiegende Teil der 6000 grundsätzlich sichtbaren Sterne zeigt sich als nur schwacher Lichtpunkt am Himmel – dort, wo es richtig dunkel ist.

Übrigens: Kinder können mit bloßem Auge mehr Sterne sehen als Erwachsene. Das liegt daran, dass ihre Pupillen größer sind. Mit zunehmendem Alter verringert sich der Pupillendurchmesser, sodass weniger Licht ins Auge gelangt. Dann verliert der Nachthimmel zwangsläufig an Romantik.

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Quelle: n-tv.de

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