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Eher ein seltener Anblick: ein toter Spatz auf dem Gehweg.
Eher ein seltener Anblick: ein toter Spatz auf dem Gehweg.(Foto: picture alliance / dpa)

Frage & Antwort, Nr. 201: Wo sterben Vögel?

von Jana Zeh

Es gibt so viele Vögel, aber nur sehr selten sehen wir ein totes Tier auf der Straße liegen. Wenn es zu einem Vogelsterben kommt, sind viele Menschen geschockt von dem Anblick der toten Tiere, die dann massenweise auf Straßen und Wiesen liegen. Wo sterben denn Vögel normalerweise? (fragt Sabine K. aus Braunschweig)

Wo die Weihnachtsente und die Martinsgans enden, weiß man: auf dem Teller. Wo jedoch Kohlmeisen, Stare oder Stockenten, von denen es reichlich in Deutschland gibt, bleiben, nachdem sie gestorben sind, kann man nur mutmaßen. Wahrscheinlich verkriechen sich die gefiederten Tiere in der Natur, kurz bevor sie sterben, denn sonst müsste man ja wesentlich mehr tote Vögel auf der Straße sehen. Aber was sagen die Experten zu dieser Vermutung? "Nach allem, was wir wissen, ziehen sich Vögel für ihren natürlichen Tod tatsächlich zurück", bestätigt Professor Franz Bairlein vom Institut für Vogelforschung in Wilhelmshaven.

Da die meisten Vogelkörper relativ klein und leicht sind, dauert es nicht besonders lange, bis sie verwest sind. Vögel, die sich kurz vor ihrem Tod nicht so gut verstecken konnten, werden auch als Aas von anderen Tieren vertilgt, so dass meistens nur ein paar Federn übrig bleiben. Ein weiterer Teil der Vögel stirbt während des Vogelzuges.

Zugvögel können einfach abstürzen

Wildgänse sammeln sich im Nationalpark Unteres Odertal nahe dem brandenburgischen Schwedt, um in den Süden zu ziehen.
Wildgänse sammeln sich im Nationalpark Unteres Odertal nahe dem brandenburgischen Schwedt, um in den Süden zu ziehen.(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Mehr als 90 Prozent aller in Deutschland vorkommenden Vögel gehören zu den Zugvögeln und machen sich jedes Jahr im Herbst auf den Weg in ihr Winterquartier und kehren im Frühling zum Brutplatz zurück. Die Strecken, die dabei zurückgelegt werden, sind enorm und verlangen den Tieren körperliche Höchstleistungen ab. So kann es passieren, dass Vögel, zum Beispiel bei der Überquerung von Meeren, vor Erschöpfung vom Himmel fallen und ihr Grab im Wasser finden. "Auch diese toten Vogelkörper bekommen die Menschen an Land nicht zu Gesicht", erklärt Bairlein.

Wenn doch einmal viele Vogelkadaver gleichzeitig auftreten, so wie in Amerika und Schweden Anfang 2011, dann werden schnell Verschwörungstheorien zugrunde gelegt. Vielleicht, weil Vögel vielerorts als Verbindung zwischen Himmel und Erde angesehen werden. Meistens jedoch sind Schreckereignisse, Unwetter, (Umwelt-)Gifte oder ansteckende Krankheiten die Ursachen für ein Vogelsterben.

Übrigens: Das sogenannte Usutu-Virus, das ursprünglich aus Afrika stammt und erstmals 2001 in Europa nachgewiesen wurde, war verantwortlich für das anschließende Vogelsterben in Österreich und Ungarn. Das Virus konnte im September und Oktober auch bei mehreren einheimischen Vögeln in Deutschland, darunter Amseln, Stare und Spatzen, als Todesursache ausgemacht werden. Das Virus, das von Stechmücken übertragen wird, wurde höchstwahrscheinlich von Zugvögeln eingeschleppt. Es kann auch beim Menschen zu Fieber und Hautveränderungen führen. Aus diesem Grund warnen Experten davor, tote Vögel mit bloßen Händen anzufassen.

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Quelle: n-tv.de

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