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Frage & Antwort, Nr. 149: Wohin kommen amputierte Beine?

Von Andrea Schorsch

Was geschieht eigentlich mit Organen oder Körperteilen, von denen sich Patienten in einer OP trennen müssen? Werden sie schlicht weggeworfen? Bei einem entfernten Blinddarm kann man sich das noch vorstellen, aber was ist, wenn zum Beispiel ein Bein amputiert werden muss? Kommt auch das einfach in den Müll? Wäre es auch möglich, das Bein quasi "vorab" zu bestatten? (fragt Sebastian K. aus Saarbrücken)

Die Frage mutet etwas makaber an. Das ändert sich auch dann nicht, wenn man weiß, unter welcher Bezeichnung abgenommene Köperteile, Organe und nicht zum Einsatz gekommene Blutkonserven offiziell zusammengefasst werden: Wie uns Tide Voigt, Umwelt- und Gefahrgutbeauftragte an der Berliner Charité, erklärt, geht es in unserer Frage um "Ethischen Abfall". Und die Entsorgung von Ethischen Abfällen ist – das lässt uns die Expertin wissen – rechtlich geregelt. Mitteilung Nr. 18 der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Abfall, kurz LAGA M18, gibt Auskunft. Voigt fasst die wesentlichen Punkte für uns zusammen:

Expertin für die "Entsorgung von Abfällen aus Einrichtungen des Gesundheitsdienstes": Tide Voigt, Gefahrgutbeauftragte der Berliner Charité.
Expertin für die "Entsorgung von Abfällen aus Einrichtungen des Gesundheitsdienstes": Tide Voigt, Gefahrgutbeauftragte der Berliner Charité.(Foto: Charité Universitätsmedizin Berlin)

Körperteile und herausgenommene Organe werden getrennt gesammelt, also nicht mit anderen Abfällen vermischt, und dann auch getrennt entsorgt. Gemäß den Auflagen muss Ethischer Abfall in sicher verschlossenen Behältnissen zur Abholung bereitgestellt werden. Oft lagert er bis dahin in bestimmten Tonnen im Kühlraum der Pathologie. Dann wird er zu einer Verbrennungsanlage befördert und mitsamt Behältnissen verbrannt. Die Abfälle dürfen nicht umgefüllt oder sortiert werden. Manche Kliniken haben eigene Verbrennungsanlagen, die auf die Beseitigung der spezifischen Abfälle ausgerichtet sind. Andere Kliniken nutzen externe Entsorgungsanlagen.

Vor einem solchen Schicksal aber kann zum Beispiel ein rausoperierter Wurmfortsatz bewahrt werden. Wer möchte, kann sich das Anhängsel in Formalin einlegen lassen und im Gläschen mit nach Hause nehmen. Bei einem kompletten Bein wird's schon schwieriger. Hier scheint es keine Alternative zur Verbrennungsanlage zu geben. Oder ist eine "Vorab-Bestattung" tatsächlich möglich?

Mit einem Bein im Grab...

Jutta Höhne, Bestattungsfachwirtin in einem Berliner Bestattungsunternehmen, liefert uns für die Beantwortung dieser Frage den ersten Hinweis: Jedes Bundesland hat sein eigenes Bestattungsgesetz. Und so heißt es im Bestattungsrecht des Saarlandes, das für unseren Leser interessant ist: "Abgetrennte Körperteile sind hygienisch einwandfrei und dem sittlichen Empfinden entsprechend zu beseitigen, soweit und solange sie nicht wissenschaftlichen Zwecken dienen." Dieser Satz zielt eher auf Verbrennung ab als auf Bestattung.

Die Grabstelle wäre nicht das Problem. Sie kann im Vorfeld erworben werden.
Die Grabstelle wäre nicht das Problem. Sie kann im Vorfeld erworben werden.(Foto: picture alliance / dpa)

Ähnlich, aber doch etwas anders liest sich in diesem Punkt das Berliner Bestattungsgesetz. Es erwähnt Körperteile im selben Absatz wie Totgeburten unter 1000 Gramm. Für letztere besteht ausdrücklich die Möglichkeit einer Bestattung, aber keine Pflicht. Und so heißt es im Berliner Gesetz: "Werden Totgeborene mit einem Gewicht unter 1000 Gramm oder Fehlgeborene nicht bestattet, sind sie von der Einrichtung, in der die Geburt erfolgt ist, oder durch den Inhaber des Gewahrsams hygienisch einwandfrei und dem sittlichen Empfinden entsprechend zu beseitigen, sofern sie nicht zu wissenschaftlichen Zwecken verwendet werden. Satz 1 gilt auch für die Beseitigung von […] Körperteilen."

Bestattungsfachwirtin Höhne sieht insbesondere zwei Faktoren, die der Bestattung eines amputierten Beines entgegenstehen könnten. "Eine Grabstelle kann im Vorfeld erworben werden", sagt Höhne, "das ist also nicht das Problem. Aber wie soll der Transport zum Friedhof aussehen? Sie dürfen das Bein nicht einfach im eigenen Auto zum Friedhof fahren", gibt Höhne zu bedenken. Dieser Punkt müsste also geklärt werden. Und zusätzlich ist eine Absprache mit dem Friedhof nötig. "Der Friedhof muss zur Bestattung des Beines bereit sein. Dann ist das Bein wahrscheinlich ähnlich zu behandeln wie ein Verstorbener und entsprechend beizusetzen." Dafür – so Höhnes Hinweis – wäre natürlich auch ein Behältnis nötig, in dem das Bein unter die Erde kommt.

Vielleicht ist es mit größerem Aufwand - auch finanziellem - also tatsächlich möglich, ein abgenommenes Körperteil vorab zu beerdigen. Von manch einem Grabstein wissen wir ja: "Niemand geht von uns, er geht nur voraus."

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Quelle: n-tv.de

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