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So läuft der vierte Spieltag FC Bayern tanzt heiß, RB Leipzig respektlos

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Philipp Lahm ist bereit zum Applaudieren: Der Fußballfan freut sich auf das Spitzenspiel des 4. Spieltags.

(Foto: imago/MIS)

Topspielalarm am vierten Bundesliga-Spieltag: RB Leipzig trifft auf den FC Bayern, Leverkusen gegen den BVB. Philipp Lahm mag Fußball, Hoffenheim erinnert an alte Computerspiele und zu Ehren von Günter Netzer gibt's ein Spektakel.

Was machen die beiden besten Klubs der Bundesliga?

Sie bereiten sich sehr konzentriert auf das Topspiel der Fußball-Bundesliga vor. An diesem vierten Spieltag geht es für den FC Bayern zu den furiosen Rasenballsportlern aus Leipzig. Nun ist es ja so, dass da am Samstag (ab 18.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) zwei Teams aufeinandertreffen, die mit dem Thema Fan-Ablehnung sehr vertraut sind. Ein Mann, dem Abneigung völlig fremd ist, ist Philipp Lahm. Der blickt dem Duell des Tabellenersten aus Sachsen gegen den Tabellenzweiten aus Bayern äußert erfreut entgegen. "Ich mag Fußball, mir gefällt Fußball, und deswegen freue ich mich auf Leipzig gegen Bayern".

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Das Duell der beiden Spitzenteams ist auch ein Duell der Torjäger.

(Foto: imago images / Sven Simon)

Und mutmaßlich ist diesem Statement nur schwer beizukommen. Tatsächlich tritt im Leipziger Stadion eine stattliche Ansammlung sehr guter Fußballer auf. So spielen Timo Werner und Robert Lewandowski das Duell um den derzeit abschlussstärksten Stürmer aus. Und die Nationalmannschaftstorschützen Marcel Halstenberg und Serge Gnabry versprechen sich gegenseitig ein Tor. Was sie allerdings, anders als noch beim mühevollen 2:0-Erfolg der DFB-Elf in Belfast gegen Nordirland, nicht gemeinsam feiern würden. Zumindest gehen wir davon aus. Und was sagen die Trainer? Münchens Niko Kovac prognostiziert: "Es wird ein heißer  Tanz, ein sehr wichtiges Spiel für uns, aber auch für Leipzig. Es  wird ein Abnutzungskampf." Und sein Kollege Julian Nagelsmann konstatiert: "Zu viel  Respekt und Angst ist falsch. Man muss sich zutrauen, gewinnen zu  können. Wir sind gut drauf."  Unser Tipp: Nur Gnabry und Lewandowski treffen, der FC Bayern gewinnt mit 2:0.

Wie läuft's beim BVB?

Vierter gegen Fünfter, zwei Champions-League-Teilnehmer unter sich. Das zweite Topspiel steigt in Leverkusen, wenn Bayer 04 am Samstagnachmittag die Dortmunder Borussia empfängt. Bayer ist noch ungeschlagen, zeigte sich beim 0:0 gegen Hoffenheim aber überraschend wenig torgefährlich. Untypisch für Mannschaften von Peter Bosz, das wissen sie auch in Dortmund. Der BVB blamierte sich vor der Länderspielpause mit dem 1:3 beim 1. FC Union Berlin gewaltig - nicht wegen des Ergebnisses, sondern wegen der Fußball-gewordenen Harmlosigkeit, die das Team offensiv ausstrahlte. Da kommt der Härtetest in Leverkusen gerade recht, zumal für den Dienstag (ab 21 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) der FC Barcelona zum ersten Spiel in der Champions League nach Dortmund kommt. Knüpft die Elf von Lucien Favre an die Leistung gegen Union an, dann droht dem BVB erneut früh in der Saison eine Trainerdiskussion. Verhindern kann diese Paco Alcácer, der in der EM-Qualifikation in zwei Spielen dreimal für die spanische Nationalmannschaft traf und damit in all seinen sieben Pflichtspielen dieser Saison erfolgreich war. Tipp: 2:2.

Wo kracht's am Wochenende?

Die DFL terminierte das so traditionsreiche rheinische Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach pünktlich auf den 75. Geburtstag von Gladbachs Idol Günter Netzer, einem der schillerndsten Protagonisten in dieser langen Geschichte der Rivalität. Alle Fans, die vor 1973 geboren wurden, erinnern sich; und alle Spätgeborenen haben es so oft gehört, dass sie glauben, sich zu erinnern: Netzer wechselt sich selbst im Pokalfinale gegen Köln ein, kommt kurz darauf aus der Tiefe des Raumes und erzielt den Siegtreffer.

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Die goldene Zeit des Fußballs, als sich Torschützen einfach nur freuten.

(Foto: imago/Sven Simon)

Diese Zeiten sind lange her, wahrscheinlich sind sie sogar vorbei. Dass Spiele zwischen beiden Teams immer noch speziell sind, hat die Stadt Köln auf dem Schirm: "Gewalt- und Straftätern werden wir frühzeitig ihre Grenzen aufzeigen. Wir werden uns bemühen, die Auswirkungen für die Bürgerinnen und Bürger, für Handel, Gewerbe und Gastronomie auf das geringstmögliche Maß zu reduzieren - ganz ohne Beeinträchtigungen wird es aber nicht gehen", sagte Regierungsdirektorin Miriam Brauns. 1.500 Polizisten sind rund um das Spiel im Einsatz, die etwa 900 gewaltbereite Fans erwarten. Die Kölner Polizei sprach von fünf gewalttätigen Zwischenfällen zwischen Fans seit Januar 2018. Da könnte wohl nicht mal Netzer heimlich für eine Überraschung sorgen. Dennoch wird er jubeln können, denn seine Borussia wird der Kölner Übermacht in Müngersdorf trotzden. Tipp: 1:3

Was ist sonst noch so los?

Fortuna Düsseldorf - VfL Wolfsburg: Schlechte Nachrichten für den Fortuna-Sturm: Obwohl Nana Ampomah seinen Muskelfaserriss überwunden hat und in der Länderspielpause beim 6:1-Testspielsieg gegen Schwarz-Weiß Düsseldorf vierfach trifft, muss der 23-Jährige auf sein erstes Pflichtspiel warten. Nun ist es ein grippaler Infekt. Die Wölfe könnten mit einem Sieg an die Tabellenspitze springen, zumindest für 22 Stunden. Das muss allerdings ohne Koen Casteels und Xaver Schlager gelingen - der Torhüter kuriert einen Haarriss im Wadenbein aus, Schlager brach sich beim Remis gegen Paderborn den Knöchel. Fit ist dagegen Wout Weghorst, der VfL-Stürmer sammelte in der Vorsaison sieben Scorerpunkte gegen Düsseldorf und freut sich auf das Wiedersehen. Tipp: 1:1.

1. FC Union Berlin - SV Werder Bremen: Werder hat 1869, Union gerade einmal drei. Wenn die Bremer in der Alten Försterei gastieren, trifft der Verein mit den meisten Bundesliga-Spielen auf das Schlusslicht der ewigen Tabelle. Allerdings haben alle anderen Klubs mindestens 27 Spiele mehr absolviert als die Eisernen. Und um Tasmania Berlin zu überholen, brauchen die Köpenicker nur noch sechs Punkte. Das untere Ende der Allzeit-Rangliste ist übrigens fest in Berliner Hand: Knapp vor dem 1. FC Union (Platz 56) und Tasmania Berlin (Platz 55) steht Blau-Weiß 90 Berlin auf Rang 53. Dazwischen hat sich der VfB Leipzig geschoben. Nur um der Vollständigkeit genüge zu tun. Tipp: 0:0.

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Patrick Baum wurde fünfmal Tischtennis-Europameister mit der Mannschaft - und spielte von 2000 bis 2002 für die Herren des 1. FSV Mainz 05. Sandro Schwarz könnte ihn gebrauchen.

(Foto: imago sportfotodienst)

1. FSV Mainz 05 - Hertha BSC: In der Euphemismus-Meisterschaft hätte Hertha deutlich weniger Probleme als beim Fußball: "Ich erwarte von den Spielern einen anderen Auftritt. Du musst zuerst die Basics auf den Platz bringen, wir können zulegen", beschrieb Manager Michael Preetz den Status Quo seines Teams, das dem beachtlichen 2:2 zum Auftakt in München zwei Pleiten folgen ließ. Vor allem die Harmlosigkeit der so torreich besetzten Offensive verblüffte. Und so sagte Trainer Ante Covic: "Wir müssen kompakter stehen, auf dem Platz gemeinsam agieren und alle in dieselbe Richtung rudern." Die Offensive forderte er zu mehr Abschlüssen auf: "Es ist keinem verboten, auf der Anzeigetafel zu stehen." Während Covic also rudern möchte, will sein Mainzer Gegenüber Sandro Schwarz "die Stärken, die wir auf dem Schläger haben" auch aufs Feld kriegen, wie der Trainer der noch gänzlich punktlosen 05er verriet. Es bleibt zu hoffen, dass sie sich am Samstag alle rechtzeitig daran erinnern, dass man eigentlich zum Fußball verabredet ist. Tipp: 6:0, Mainz durch einen frühen Touchdown, Hertha gerät anschließend vom Rudern ins Schwimmen.

FC Augsburg - Eintracht Frankfurt (alle Samstag, 15.30 Uhr): Das sieglose Augsburg empfängt das büffellose Frankfurt. FCA-Zugang Stephan Lichtsteiner fehlt, weil er sich beim 2:3 in Bremen bei seinem zweiten Einsatz seinen ersten Bundesliga-Platzverweis einhandelte. Mit Tin Jedvaj ist immerhin der zweite Hoffnungsträger der löchrigen Abwehr wieder fit. Coach Martin Schmidt gab Entwarnung, nachdem der kroatische Vize-Weltmeister frühzeitig und angeschlagen aus der Länderspielpause zurückgekehrt war. Für Schlagzeilen sorgte auch Frankfurts Martin Hinteregger bei der österreichischen Nationalelf, allerdings nicht für sportliche. Der seit kurzem 27-Jährige feierte eben diesen Umstand offenbar zu heftig und schlug nicht zum ersten Mal über die Stränge. Gegen seinen Ex-Klub steht der Verteidiger aber im Kader. Tipp: 1:2

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Bilder aus alten Tagen: Vincenzo Grifo im Trikot des SC Freiburg gegen die TSG Hoffenheim.

(Foto: imago/Beautiful Sports)

TSG Hoffenheim - SC Freiburg (Sonntag, 15.30 Uhr): Vincenzo Grifo muss zugucken. Der 26-Jährige wechselte im Sommer zum bereits dritten Mal von Hoffenheim nach Freiburg, nachdem er in der Rückrunde leihweise für den Sport-Club aufgelaufen war. Und wie damals haben die Kraich- mit den Breisgauern ausgemacht, dass Grifo im direkten Duell nicht dabei ist. Was früher eine beliebte, aber doch irgendwie merkwürdig erscheinende Option bei Managerspielen wie "Anstoss 3" war, gibt es also auch in Wirklichkeit. Wer nie "mal kurz eine Runde spielen" wollte und dann Stunden später entsetzt auf die Uhr guckte, hat Fußball-Manager nie geliebt. Freiburg strebt nach dem dritten Sieg im vierten Spiel, ein Kollege sprach gar schon von der Champions League. Das klingt wiederum eher nach Computerspiel als nach Realität. Tipp: 2:0.

SC Paderborn 07 - FC Schalke 04 (Sonntag, 18 Uhr): Die Gelsenkirchener spielen zwar auswärts, für Torwart und Kapitän Alexander Nübel ist die Partie in Ostwestfalen aber wie ein Heimspiel. Der 22-Jährige ist in Paderborn geboren, wechselte 2015 vom SCP zum S04 und bezeichnet sich als Fan des Aufsteigers. Der "hat bisher zwar noch nicht so viel gepunktet, aber sehr gut gespielt", lobt Nübel beim WDR. Die Schalker haben bisher zwar selten gut gespielt, dafür einmal dreifach gepunktet, Paderborn ist noch sieglos. Der Abschluss des Spieltags ist ein Duell der Gegensätze - während Paderborn laut Geschäftsführer Martin Przondziono ein Transferbudget von 155.000 Euro für den Sommer hatte, investierte Schalke allein in die Dienste von Ozan Kabak und Benito Raman rund 28 Millionen Euro. Was das für das Spiel bedeutet? Nichts natürlich. Tipp: 2:1.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Papa bin ich zu Hause. Und aufgrund meines Alters könnte ich schon mehr als der Papa von einigen sein. Aber dafür fühle ich mich noch zu jung." So kontert Fortuna-Coach Friedhelm Funkel die Aussage von Sportdirektor Lutz Pfannenstiel, der erklärt hatte, dass der 65-Jährige der "Papa der Fortuna-Familie" sei.

Quelle: n-tv.de

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