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Serge Buren im Einsatz: Erst wird geschossen, dann gefragt.
Serge Buren im Einsatz: Erst wird geschossen, dann gefragt.(Foto: Universum)

Action-Adrenalinkick mit Charakter: "Antigang": Reno ist der bessere Schweiger

Von Thomas Badtke

Gute Polizisten sind wortkarg und hart im Nehmen, ihre Ermittlungen unkonventionell - aber deshalb erfolgreich. Til Schweigers "Tatort" ringt Jean Reno aber nur ein müdes Lächeln ab. Denn richtige Action können in Europa nur Franzosen.

Die Polizei ist die härteste Gang in jedem Getto. Diese Feststellung Jan Böhmermanns ("Ich hab Polizei") unterstrich Til Schweiger mit seinem unkonventionellen "Tatort"-Bullen Nick Tschiller. Der stellte seinen persönlichen Rachefeldzug zeitweise über das Gesetz und kämpfte dazu mit extrem harten Bandagen: schwere Waffen, Semtex, wilde Schießereien und das alles in der Millionenstadt Hamburg. Das sorgte für harsche Kritik von Krimifans, ließ aber gleichzeitig die Herzen von Millionen Actionjüngern höher schlagen. Nur äußerst selten können sich deutsche Actionfilme sehen lassen.

Jean Reno: Charakterkopf mit Action-Gen.
Jean Reno: Charakterkopf mit Action-Gen.(Foto: Universum)

Ganz anders in Frankreich. Dort hat das Actionkino einen ungleich höheren Stellenwert. Und das schon seit Jahrzehnten. Jean Reno ("Leon - Der Profi", "Nikita", "Die purpurnen Flüsse"-Reihe, "Ronin") ist daran nicht ganz unschuldig.

Reno in Action

Sein neuestes Werk heißt "Antigang". Darin spielt er den in die Jahre gekommenen Polizei-Commandanten Serge Buren. Sein "Getto" ist Paris. Dort sorgt er mit seiner Truppe für Ordnung. Da wären etwa der junge Niels (Alban Lenoir; "Goal of the Dead"), Burens Ziehsohn, dessen Freundin Nadia im achten Monate schwanger ist, oder auch Margaux (Caterina Murino, "James Bond. Casino Royale"), seine heimliche Geliebte - und die Frau seines neuen Chefs Becker (Thierry Neuvic; "Sherlock Holmes - Spiel im Schatten").

Niels ist der Ziehsohn von Buren in dessen Polizeieinheit. Er wird bald Vater - lässt es aber beruflich weiter krachen.
Niels ist der Ziehsohn von Buren in dessen Polizeieinheit. Er wird bald Vater - lässt es aber beruflich weiter krachen.(Foto: Universum)

Der hat genug von den unorthodox geführten Haudrauf-Einsätzen von Buren und seinem Team. Die sind gekennzeichnet durch den Einsatz roher Gewalt (es fliegen nicht nur Fäuste, es werden auch mal Baseballschläger geschwungen), hohen materiellen Schäden - aber eben auch oft von Erfolg. Dennoch sagt Becker dem Team den Kampf an, droht mit dessen Auflösung, wenn es sich künftig nicht an Recht, Ordnung und Gesetz hält.

Doch Buren schert sich einen Dreck um Beckers Vorgaben. Er muss einer besonders brutalen Verbrecherbande das Handwerk legen. Die hat einen Juwelier überfallen. Den Tresor öffnete dabei ein alter Bekannter Burens, Kasper (Jacob Cedergren; "Dark Horse"), der sich allerdings seit Jahren nichts hat zuschulden kommen lassen. Buren ahnt, dass mehr hinter dem Überfall stecken muss, auch weil dabei eine junge Frau regelrecht hingerichtet wurde.

Buren gelingt es, Kasper festzunehmen. Doch er kann ihm nichts beweisen - und muss ihn frei und ziehen lassen. Becker tobt. Als dann wenig später eine Bank überfallen wird, bekommt Buren von seinem Chef die Quittung: Ein anderes Team wird zu dem Einsatz geschickt. Doch der war nur ein Ablenkungsmanöver, wie Buren schnell herausfindet. Er und sein Team ziehen auf eigene Faust los.

Die Folgen sind verheerend: Ein Mitglied wird erschossen, Buren schwerverletzt. Becker suspendiert ihn. Doch sein Team steht hinter ihm, ermittelt weiter, findet Hinweise darauf, dass Kasper doch hinter allem steckt. Buren wird begnadigt - und ein bleihaltiger, actiongeladener Showdown ist garantiert.

Mit Wummen, Witz und Wucht

"Antigang" ist bei Universum erschienen.
"Antigang" ist bei Universum erschienen.(Foto: Universum)

"Antigang" ist wieder einmal der Beweis, dass Franzosen Actionfilme können. Sie liegen ihnen im Blut, in den Genen. Egal, ob Luc Besson ("Nikita"), Louis Leterrier ("The Transporter"), Jean-Francois Richet ("Public Enemy No. 1"), Pierre Morel ("96 Hours") - oder nun eben Benjamin Rocher. Der machte bereits mit "Die Horde" klar, dass er harte Filme kann. Mit "Goal of the Dead" bewies er, dass er auch mit Konventionen brechen kann. "Antigang" ist nun sein erster richtiger Actionfilm und der ist ein wirklicher Kracher geworden, der sich vor Hollywood-Blockbustern nicht verstecken muss.

Minutenlange Schießereien inmitten eines großstädtischen Menschengewühls erinnern doch stark an Michael Manns "Heat" mit Robert de Niro und Al Pacino. Ebenso minutenlange Verfolgungsjagden durch die Straßen der Millionenstadt Paris wecken dagegen Erinnerungen an John Frankenheimers "Ronin", mit de Niro und Reno. Dazu packt Rocher noch den aus der "Rush Hour"-Reihe bekannten Buddywitz und fertig ist sein kurzweiliger, nicht einmal 90-minütiger Actionreißer mit Wummen, Witz und Wucht.

Wie bei Schweigers "Tatorten" kann man, wenn man will, auch bei "Antigang" das berühmte Haar in der Suppe finden: Die Wortwitze und manchmal in Klamauk abdriftenden Dialoge dürften nicht jedem gefallen. Die hervorragend inszenierten Actionszenen und der hörenswerte Score machen das aber locker wieder wett. Von der Coolness, dem Charisma und der unglaublichen Leinwandpräsenz eines Jean Reno ganz zu schweigen.

Am Ende macht der Action-Adrenalinkick "Antigang" deshalb zwei Sachen deutlich: Nick Tschiller ist ein TV-Waisenknabe gegen Serge Buren und: Burens Polizeieinheit ist die wirklich härteste Gang in jedem Getto.

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Quelle: n-tv.de