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SciFi-Horror in düsterer Zukunft"Infini" spielt mit der Angst der Menschen

02.11.2015, 20:55 Uhr
imageVon Thomas Badtke
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Die unmenschliche Kälte ist nur ein Problem auf Infini. (Foto: Capelight)

Im 23. Jahrhundert leben 95 Prozent der Weltbevölkerung in Armut. Jede Arbeit bedeutet Leben - egal, wie gefährlich. Whit ist Elitesoldat, sein erster Job heißt Infini: Auf dem entferntesten Außenposten sind alle Arbeiter tot. Ursache? Unbekannt!

Infini ist das, was man die Hölle auf Erden nennen würde - wenn es so einen Ort hier gäbe. Dauerfrost, Dauersturm, Dauerdunkelheit. Aber Infini, der entfernteste Außenposten der Menschheit zu Beginn des 23. Jahrhunderts, hat auch etwas, für das es sich zu arbeiten, zu leben, zu kämpfen und zu sterben lohnt. Dieser Meinung scheint zumindest die herrschende Klasse zu sein. Sie ist zwar klein, aber umso mächtiger. Es geht um einen Bodenschatz, der nur auf Infini vorkommt und der deshalb so unschätzbar wertvoll ist.

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Welche Rolle kommt Whit zu: Held oder Gauner? (Foto: Capelight)

Whit Carmichael (Daniel MacPherson; "City Homicide") ist das alles egal. In einer Welt, in der 95 Prozent der Bevölkerung an oder gar unterhalb der Armutsgrenze leben, gehört er zu den wenigen Glücklichen, die einen Job haben. Ganz frisch. Elitesoldat. In der Westküsten-Division. Das klingt fantastisch, wäre da nicht das sogenannte Slipstreaming. Früher nannte man es wohl Beamen. Der menschliche Körper wird digitalisiert und kann dann wie ein Datenpaket an jeden bekannten Ort im Universum verschickt werden. Der Haken: Datenpakete können korrumpiert werden oder bei der Wiederzusammensetzung treten Fehler auf. Kurzum: Slipstreaming ist nicht sicher. Immer wieder gibt es Todesfälle.

Whit kennt die Gefahren, aber er will auch ein besseres Leben für sich und seine Frau - und sein in ihrem Bauch heranwachsenden Baby. Er verabschiedet sich an seinem ersten Arbeitstag von ihr mit dem Versprechen, zum Abendessen wieder zu Hause zu sein. Wenn er da mal nicht irrt.

Via Slipstreaming in die Hölle

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Rettungsmission oder Mission ohne Wiederkehr? Was geht auf Infini vor? (Foto: Capelight)

Der erste Auftrag hat es gleich in sich: Auf Infini ist irgendetwas passiert. Keiner weiß genau, was. Aber es scheint Tote zu geben. Whits Team soll für Aufklärung sorgen, via Slipstreaming hin, auskundschaften, Antworten finden, gegebenenfalls aufräumen, via Slipstreaming zurück. Doch dann wird die Westküsten-Division angegriffen. Wie es scheint, von innen heraus.

Im nächsten Moment erreicht ein anderes Team Infini. Dunkel liegen die Baracken da, die Kommandozentrale. Der gesunde Menschenverstand schreit einem direkt ins Gehirn: "Hau ab! Solange du noch kannst!" Das ankommende Team schafft es, die Systeme wieder hochzufahren, Strom zu erzeugen. Die Monitore blinken. Ein Lebenszeichen. Wer ist es?

Es ist Whit. Er hat sich selbst in einer Kammer eingesperrt. Über das Warum macht sich das Rettungsteam ebenso Gedanken wie über die Frage, was hier eigentlich passiert ist. Diese Frage stellt sich auch Whit, der von Erinnerungsfetzen und Halluzinationen heimgesucht wird. Die Antwort auf alle Fragen liegt hier auf Infini, so viel ist sicher. Nur sollte die Antwort wirklich gefunden werden?

Willkommen im "Infini"-Universum

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"Infini" ist bei Capelight erschienen. (Foto: Capelight)

Sie soll - zumindest, was den Zuschauer von "Infini" angeht. Der Film des australischen Regisseurs Shane Abbess ist es wert, sich auf Schnitzeljagd zu begeben. Bereits nach dem Vorspann ist der Zuschauer eh mit Leib und Seele dabei: Die Erde in der Zukunft, nahezu alle Menschen hungern. Das klingt so ganz anders als Gene Roddenberrys "Star Trek"-Visionen. Da will man mehr wissen.

Diesbezüglich hält sich Abbess aber bedeckt. Wieso, weshalb, warum? Egal. Das soll nicht Thema des Films sein, an dessen Drehbuch Abbess auch als Co-Autor mitwerkelte. Sein Filmziel ist es, ein altbekanntes Thema neu in Szene zu setzen: den Kampf Mensch gegen das außerirdisch Ungewisse. Verweise auf "Alien" oder "Event Horizon" kommen dabei nicht von ungefähr.

"Infini" ist aber kein billiges Plagiat oder die x-te aufgewärmte und durchgekaute Version des Originals, sondern vielmehr eine Hommage an das Können und die Ideen Ridley Scotts. Das ist Abbess' Verdienst. Er honoriert, ohne sich anzubiedern. Allerdings dürfte das auch daran liegen, dass sein Budget um einiges geringer ausgefallen sein dürfte - schließlich ist ein australischer SciFi-Thriller ungefähr genauso selten wie ein gutgemachter deutscher Suspense-Horrorstreifen. Kurz: Es gibt diese Spezies. Glaubt man, weil irgendjemand mal etwas von ihr gehört haben will. So richtig offiziell gesehen wurde ein Exemplar aber noch nicht. Bis jetzt, will man bei "Infini" zumindest sagen.

Der dürfte ob seiner intelligenten Twists, seiner düsteren Aufmachung nicht nur, aber vor allem Genre-Fans gefallen. Da er Pre- als auch Sequel-kompatibel ist, können alle anderen zudem darauf hoffen, dass das nur kurz angerissene "Leben" zu Beginn des 23. Jahrhunderts in einem anderen Film behandelt wird. Die Möglichkeiten erscheinen unbegrenzt: Nun also doch die "Unendlichen Weiten" ...

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Quelle: ntv.de

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