Unterhaltung
Es lauert der Tod ...
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Dienstag, 29. August 2017

"Tell me how I die": Wirkstoff A9913 und Alzheimer ist Geschichte

Von Thomas Badtke

Ein neuer Wirkstoff soll Wunder im Kampf gegen Alzheimer bewirken und gleichzeitig das menschliche Gedächtnis in neue Sphären heben. Ein Milliardengeschäft. Doch ein klinischer Test läuft tödlich aus dem Ruder - filmreif.

Was haben Sie vor einem Jahr um diese Zeit gemacht? Eine DVD-Rezension gelesen? Oder können Sie sich nicht mehr daran erinnern? Kein Problem. Ein neuer Wirkstoff ist aufgetaucht, hervorgegangen aus Forschungen im Kampf gegen Alzheimer. Er soll Erinnerungslücken schließen: Hören, Sehen, Schmecken, Fühlen - alles wie früher. Als würde sich das Ereignis eins zu eins wiederholen.

"Tell me how I die" ist bei Meteor Film erschienen.
"Tell me how I die" ist bei Meteor Film erschienen.

Und mehr noch: Er soll die Leistung des menschlichen Gedächtnisses um 200 Prozent steigern. Ein Milliardengeschäft winkt, nur eine Reihe klinische Tests an freiwilligen Probanden noch, und dann rollt der Rubel. Der lapidare Name des Wirkstoffs: A9913.

Sie waren jung und brauchten das Geld

So schön, so gut. Studentin Anna (Virginia Gardner; "Project Almanac") ist auf Jobsuche. Sie braucht dringend Geld. Die pharmazeutische Studie verspricht mit wenig Aufwand Letzteres. Anna denkt nicht lange nach und macht sich auf zu der Forschungseinrichtung, einem Gebäudekomplex, der wiederum Teil einer noch größeren abgeschotteten Anlage ist. Dass alles streng geheim ist, versteht sich von selbst.

"Sie nehmen an einem klinischen Medikamententest für A9913 teil, einem lymbischen Stimulator, der das Gedächtnis steigern soll ..." Die Worte des Betreuers richten sich an die Gruppe junger Testpersonen, darunter auch Anna. Die meisten haben nur das schnelle Geld im Sinn. Die Hälfte der Probanden erhält ein Placebo, die andere den neuen Wirkstoff. Wer was gespritzt bekommt, weiß nur der überwachende Arzt Dr. Layton ("Lost"). Der kommt durchaus sympathisch rüber, vertrauenswürdig, wie Anna denkt. Aber Dr. Layton weiß mehr, als er den Studienteilnehmern preisgibt. Viel mehr.

Wann und wie sterbe ich, das ist hier die Frage ...
Wann und wie sterbe ich, das ist hier die Frage ...

Es dauert nicht lange und die Sache läuft aus dem Ruder. Ein Proband hat Halluzinationen. Auch Anna merkt Veränderungen an sich. In kurzen Bildfolgen scheint es, als könne sie in die nahe Zukunft sehen. Wenn das mal kein Fortschritt ist! Der Haken an der Sache: Sie sieht, wie ein Proband nach dem anderen stirbt.

Die Zukunft bringt den Tod

Nun heißt es, herauszufinden, was hier eigentlich wirklich los ist. Und das Ganze ziemlich schnell, sonst bleibt am Ende keiner mehr übrig, der der Sache auf den Grund gehen kann. Dr. Layton hat sich bereits in einen absolut sicheren Raum im Keller verzogen, der nur von innen geöffnet werden kann.

Wer ist Freund, wer ist Feind?
Wer ist Freund, wer ist Feind?

Es scheint, als hätte er gewusst, was passieren wird. Es scheint, als wären die Halluzinationen und die anschließenden Todesfälle entweder schon einmal passiert oder Teil eines noch viel größeren Experiments, welches bisher noch keiner überblicken kann - auch mit einer um 200 Prozent gesteigerten Gedächtnisleistung nicht. Noch nicht.

Genug Stoff für eine Reihe

Mal ehrlich, die Idee, Alzheimer besiegen zu können, ist fantastisch. Experimente am lebenden Objekt sind da durchaus vorstellbar, auch wenn die breite Öffentlichkeit davon besser nichts wissen sollte. Dass wir eh bei weitem nur einen Bruchteil unserer Hirnfähigkeiten nutzen, liefert weiteres Potenzial fürs Kopfkino. Genau das will "Tell me how I die".

Der Film des Regisseurs D.J. Viola ("Fandom") erinnert an die gute alte "Final Destination"-Reihe. Die hat auch für Spaß am Sterben gesorgt. Violas Werk geht aber eine Stufe weiter, weil es ein gesellschaftlich aktuelles Problem über den Plot als Haube stülpt. Das Sterben passiert einfach. Meist schnell und nicht so spektakulär und ausgetüftelt wie bei den "Final Destination"-Filmen.

Bei "Tell me how I die" weiß Anna, dass die anderen sterben, teilweise auch wie, aber nicht wann und daher auch nicht in welcher Reihenfolge. Das Grübeln darüber, die gruppenspezifischen Interaktionen, die mit dem Überlebenskampf jedes Einzelnen einhergehen, sind es, die den Film außergewöhnlich machen.

Die schauspielerischen Leistungen und das Setting sind in etwa auf dem Niveau zu Beginn der "Final Destination"-Reihe. Virginia Gardner überzeugt. Der Rest der Testpersonen ist austauschbar. Das Ende wiederum ist es nicht. Das birgt auf alle Fälle Diskussionsstoff. Und wer weiß, wenn Sie sich in einem Jahr an diese DVD-Rezension noch erinnern können, hat es "Tell me how I die 2" vielleicht bereits auf den Markt geschafft.

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Quelle: n-tv.de