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Identitätssuche auf dem Teller: Essen ist mehr als Stoffwechsel

"Der Mensch lebt nicht vom Brot allein", denn er sucht nach Werten und einem Sinn, nach Identität und sozialem Umfeld. Das geht weit über die Befriedigung von Grundbedürfnissen hinaus. Doch manchmal tut es gut, sich auf das Wesentliche zu beschränken. Das bedeutet aber noch lange nicht den Verzicht auf Spaß und Genuss.

Sind Sie glücklich ins neue Jahr gekommen? Ohne zu stolpern? Die Euphorie nach der Party dürfte allerdings längst verflogen sein, die Pfunde auf den Hüften halten sich dank andauernder Schlemmerei zwischen Weihnachten und Neujahr wesentlich länger. Grund genug, schon gleich zu Jahresbeginn kürzer zu treten. Ein Versuch ist‘s wert … Diverse bunte Blätter sind nun wieder voll mit Blitzdiäten, die viel versprechen und meist wenig halten. Drinks, die eine Mahlzeit ersetzen sollen, sind nicht jedermanns Sache - ich gehöre dazu.

Frisches Brot mit Butter - einfach aber köstlich!
Frisches Brot mit Butter - einfach aber köstlich!(Foto: birgitH_pixelio.de)

Gern- und Vielesser führen oft den Spruch "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein" im Munde als Begründung für Butter und Belag. Allerdings geht es bei dem Bibelzitat beileibe nicht ums Essen, sondern mehr um Glaube und geistige Erbauung, denn die zweite Hälfte lautet: "… sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht".

Doch uns geht es hier ja wirklich ums Essen. "Der Mensch ist, was er isst" stammt schon aus dem 19. Jahrhundert und geht auf den Philosophen Ludwig Feuerbach zurück. Der Ausspruch wird heutzutage oft belächelt, doch ein wahrer Kern ist tatsächlich erhalten. Ohne auf das eigene Ich einzugehen treffen Menschen mit der Wahl ihres Essens sehr wohl eine Selbstaussage: Vegetarier essen kein Fleisch, überzeugte Fleischesser machen sich über die "Körnerfresser" lustig; gläubige Muslime lehnen Schweinefleisch und Alkohol ab, orthodoxe Juden essen koscher; Teetrinker finden Kaffee schrecklich und Kaffee-Junkies belächeln die "Teatimer".

Essen ist Teil der Identität

Keine dieser "Vorschriften" lässt sich physiologisch erklären, keine dieser Vorlieben ist durch den Organismus bedingt, denn schließlich sind wir Menschen sogenannte Allesfresser. Symbolisch gesehen und für die eigene Identität spielt das Wie und Was der Nahrungsaufnahme jedoch eine ganz entscheidende Rolle. Essen und Trinken ist für uns mehr als ein materieller Vorgang, es ist Teil unserer personalen und kulturellen Identität. Krankhafte Essstörungen wie Magersucht und Bulimie verdeutlichen eindrucksvoll die Verbindung zwischen Essen und Identität, sie sind Ausdruck einer Identitätskrise.

Wer bekommt da nicht Appetit?
Wer bekommt da nicht Appetit?(Foto: kaemte_pixelio.de)

Essen und Trinken sind mehr als Ernährung. Die Einladung "Komm, lass uns mal wieder essen gehen" wird wohl kaum ausgesprochen, um den Stoffwechsel in Gang zu halten. Mit anderen Menschen essen gehen ist Freude am Zusammensein, an Kommunikation, auch Freude auf etwas Besonderes. Gemeinsame Mahlzeiten in der Familie sind Zeiten der Begegnung und des Austausches über den Tag. Wenn es etwas zu feiern gibt, ist das mit Essen und Trinken verbunden. Hochzeitsfeiern ohne Essen und Trinken dürften von den Gästen zu Recht als Affront verstanden werden ...

Der Begriff der Ernährung hat mehr mit Diäten und Kalorienzählen, mit Verboten und Einschränkungen, mit Vitaminzusätzen, Verdauungsproblemen und  Orientierung am Body-Mass-Index zu tun. Das bedeutet aber nicht im Umkehrschluss, dass Essen gleichbedeutend mit Völlerei ist. Gesundes Essen bedeutet auch einen appetitlich gedeckten Tisch, ein Fest für die Geschmacksnerven, Geselligkeit mit lieben Menschen, von denen keiner gerade "auf Diät" ist.

Es gehört zur Natur des Menschen, auch beim Essen mal über die Stränge zu schlagen. (Gefährlich wird’s allerdings, wenn Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen und das am liebsten täglich.) Die Rückkehr in die Normalität ebnet man sich am besten mit "FdH" - und vielleicht mit der Besinnung aufs Einfache.

Wie wär’s mit Brot?

Brot ist aus unserem Leben nicht wegzudenken. Wir Deutschen sind europäischer Spitzenreiter im Brotverzehr: In einem Jahr konsumiert jeder Bundesbürger 1500 Scheiben Brot und 350 Brötchen.

Stillleben mit Brot.
Stillleben mit Brot.(Foto: picture alliance / dpa)

Reich an komplexen Kohlenhydraten sättigt Brot anhaltend und trägt zu einer ausgeglichenen Körperleistung bei. Zudem versorgt es uns mit wertvollem pflanzlichem Eiweiß, Vitaminen, Mineralstoffen und Nahrungsfasern. Brot enthält wenig Fett und wenig Zucker – die Hauptursachen zahlreicher Zivilisationskrankheiten wie Adipositas. Die im Brot enthaltenen Ballaststoffe tragen zur Gesunderhaltung des Verdauungstraktes bei. Außer den für den Körper wichtigen Vitaminen und Mineralsalzen enthält Getreide wertvolle Spurenelemente wie Selen, Eisen, Zink, Kupfer, Mangan. Erwiesen ist: Wer regelmäßig Vollkornbrot isst, kann Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen.

Gut schmeckendes, frisch gebackenes Brot ist ein Hochgenuss (Vorsicht - an "FdH" denken!). Da kann man getrost auf großartigen Belag verzichten. Etwas delikate Butter - und der Handel hält jede Menge Sorten bereit -, ein paar in feine Scheiben geschnittene Radieschen, Schnittlauch und Kresse - und schon ist ein einfaches, sättigendes und gleichzeitig gesundes Mahl fertig. Meine Freundin Moni hat mich neulich mit einem selbstgebackenen "Walnuss-Kartoffel-Brot" überrascht, das ich einfach nur weiterempfehlen kann:

Zutaten:

500 g Brotbackmischung für Backautomat
150 ml Wasser
150 ml Milch
30 - 50 g Butter
2 mittelgroße Kartoffeln
150 - 200 g Walnusskerne

Zubereitung:

Verwenden können Sie handelsübliche Brotbackmischungen, doch sollten Sie darauf achten, dass der Roggenanteil höher ist.

Die Kartoffeln als Salzkartoffeln kochen, fein zerdrücken und mit der Butter vermengen.

In den Brotbackautomaten zuerst die Flüssigkeiten geben, darauf die Kartoffel-Butter-Mischung, dann die Brotbackmischung und zum Schluss die unzerkleinerten Walnusskerne.

Den Brotbackautomaten laut Gerätebeschreibung kneten lassen. Es entsteht ein feucht-klebriger Teig, den Sie mit bemehlten Händen herausholen und halbieren. Daraus 2 Brotlaibe formen. Das macht sich am besten auf Backpapier. Auch das Blech sollten Sie mit Backpapier auslegen.

Die Laibe auf das Blech legen und mit einem Messer ein paar Mal schräg einkerben. Jetzt stellen Sie den Herd an und heizen ihn auf 210 Grad hoch. In der Zwischenzeit lassen Sie die Brote auf dem Blech mit einem Geschirrtuch abgedeckt an einem warmen Ort gehen.

Ist der Herd 210 Grad heiß, schieben Sie das Blech mit den Broten ein und stellen Sie ein Töpfchen mit Wasser in den Herd. Backen Sie 7 Minuten bei 210 Grad und reduzieren Sie dann auf 180 Grad. Die Gesamtbackzeit beträgt 25 bis 30 Minuten.

Es entsteht ein köstliches Brot, das sich auch gut frisch hält. Viel Spaß beim Backen und Essen (mit oder ohne Belag) wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: n-tv.de

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