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Das Pflügen zählt im Frühjahr zu den Vorbereitungen der Feldbestellung vor der Aussaat, um unter anderem den Boden mit Sauerstoff
anzureichern.
Das Pflügen zählt im Frühjahr zu den Vorbereitungen der Feldbestellung vor der Aussaat, um unter anderem den Boden mit Sauerstoff anzureichern.(Foto: picture alliance / dpa)

Schummel-Eier im Nest: Im Märzen der Bauer …

Von Heidi Driesner

Das mit den Rösslein lassen wir aus aktuellem Anlass mal lieber, zumal es eher der Traktor ist, der eingespannt wird. Der März hat begonnen und bringt Frühling und Sommerzeit, auch wenn es derzeit ortsweise noch etwas wintert. Doch was lehren uns der Bauer und das Leben? "Märzenschnee und Jungfernpracht dauern oft kaum über Nacht".

Nur noch für die (Bio)-Tonne?
Nur noch für die (Bio)-Tonne?(Foto: uschi dreiucker/pixelio.de)

Ja, ist denn schon Ostern? Noch nicht, aber aus Ladenregalen grinsende Gold- und andere Hasen erinnern uns täglich daran, dass es bald soweit ist. Die ersten Krokant-Eier sind gekauft und erleben Ostern vermutlich nicht mehr. Angesichts der Tatsache, dass in der Hälfte der Bundesländer Millionen Hühnereier falsch deklariert worden sind (und immer noch werden?), ist es zumindest eine Überlegung wert, es bei Krokant-, Nougat- und anderen süßen Eiern zu belassen. Aber fragen Sie vorher Ihren Arzt und Ihre Hüften!

Zu Recht sind wir über das Pferd im Rind empört, auch wenn wir zu den Verbrauchern gehören, die diesen Lebensmittelskandal "körperlich unversehrt" überstehen, weil kein Freund von Tiefkühl-Billig-Lasagne. Nie haben wir Eier von Käfig-Hennen gekauft, immer nach den Bio-Packungen gegriffen. Und nun? Verweigert sich jetzt der Osterhase? Die Empörung über die betrügerischen Landwirte ist groß und dank dieser schwarzen Schafe haben alle Bauern ein Imageproblem. Denn keiner von uns kann nachprüfen, ob die gekauften Bio-Eier dieses Gütesiegel auch verdienen. 

Ganz offensichtlich gibt es in unserer Landwirtschaft ein Kontrollproblem, auch bei Bio-Betrieben. Schon lange werden gerade dort schärfere Kontrollen zur Einhaltung der höheren Standards gefordert. So kritisierte der Hauptgeschäftsführer der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg (FÖL), Michael Wimmer, dieser Tage erneut: "Beim Geflügel haben wir schon lange keine bäuerliche Landwirtschaft mehr. Das ist ausschließlich eine kostenoptimierte industrielle Produktion von Ei und Hähnchenfleisch." Viele Kleinbauern seien von den großen Betrieben abhängige Tagelöhner. Im Hintergrund würden zwei Großkonzerne die Strippen ziehen, bemängelte Wimmer. Um die gestiegene Nachfrage nach Bio-Eiern schnell zu befriedigen, gebe es mittlerweile Ställe mit bis zu 15.000 Hennen.

Bauern sind in zunehmendem Maß dem Misstrauen der Gesellschaft ausgesetzt. Galten sie früher als fleißig und hart arbeitend, so werden sie heutzutage als Teil einer Industrie gesehen - der Agrarindustrie: Hormone in der Kälbermast, Dioxin in Eiern, Nitrat im Grundwasser, Schimmelpilze im Futter, Monokultur zwecks einträglicher Energiegewinnung, vermeintlich zu hohe und zu viele Subventionen. All das bleibt hängen im Gedächtnis der Verbraucher (zumindest eine Weile) und die Bauern haben es schwer, ihre Ehrlichkeit unter Beweis zu stellen. Auch wie "sicher" importierte Lebensmittel sind, sollte man sich als Verbraucher öfter mal fragen. Wie viel Medikamente und Umweltgifte hat zum Beispiel der Tilapia aus Vietnam in sich? Laut MSC ist es bereits ein Erfolg, dass derzeit zehn Prozent dieser gezüchteten Buntbarschart in nachhaltiger Zucht heranwachsen. Und an die Sache mit den Erdbeeren aus China können Sie sich sicher noch gut erinnern. Dann doch bitte lieber ein Apfel aus Brandenburg!

Bauern am Pranger

Imker fürchten um die Zukunft ihrer Bienen und protestieren gegen systemische Pflanzenschutzmittel.
Imker fürchten um die Zukunft ihrer Bienen und protestieren gegen systemische Pflanzenschutzmittel.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Derzeit sorgt ein satirisches Gedicht für helle Aufregung bei den Bauern im Norden. Es stammt aus der Feder des Kabarettisten Klaus Peter Schreiner, gar nicht mal neu, denn er hatte es schon 1979 geschrieben, aber offenbar leider immer noch so aktuell, dass es von Medien im Norden wieder mal veröffentlicht wurde. Ich will es Ihnen nicht vorenthalten:

Im Märzen der Bauer den Traktor anlässt
und spritzet sein Ackerland emsig und fest.
Kein Räuplein, kein Kräutlein dies Gift überlebt,
dem Vöglein im Wald gar das Mäglein sich hebt.

Im Sommer der Bauer die Säcklein entleert
und dünget die Früchte, von denen man zehrt.
Er weiß, wie man dünget, ja aus dem Effeff
von Bayer, von Hoechst und von BASF.

Im Herbst dankt der Bauer der Tiermedizin.
Die Milch wird nicht sauer vor Penicillin.
Die Schweine sind fettarm und lang wie noch nie,
zum Ruhm und zur Ehre der Biochemie.

Im Winter der Bauer sein Scheckbüchlein nimmt,
mit Weib und mit Kind den Mercedes erklimmt.
Er fährt in die Kreisstadt - er ist ja nicht dumm,
und kauft im Reformhaus - er weiß schon, warum.

Zu singen nach der Melodie "Im Märzen der Bauer". Schreiner hatte das mährische Volkslied aus dem 19. Jahrhundert satirisch "aktualisiert":

Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt,
er setzt seine Felder und Wiesen instand.
Er pflüget den Boden, er egget und sät
und rührt seine Hände früh morgens und spät.

Das Lied beschreibt in drei Strophen das "idyllische" bäuerliche Leben, das von Idylle so weit entfernt ist wie Putin von der Heilsarmee. Es war vielmehr harte körperliche Arbeit bei kargem Dasein. Das ist zwar nicht mehr so, aber idyllisch ist auch das heutige Landleben kaum; viele Höfe kämpfen ums Überleben. Auch meine bäuerliche Verwandtschaft hat auf dem Feld kein Lied gesungen, sondern eher geflucht, wenn das Heu verregnet ist.

Durch das satirische Gedicht fühlten sich viele Bauern in Schleswig-Holstein in ihrer Ehre gekränkt; ein ganzer Berufszweig werde verunglimpft, hieß es. Satire darf das aber, und den Finger auf die Wunde zu legen ist mehr als notwendig. Zur Erinnerung: Auch Schleswig-Holstein gehört zu den Bundesländern, in denen Eier falsch deklariert und als Bio-Eier verkauft wurden. Das ist Betrug, nicht nur an den Verbrauchern, sondern auch an den vielen Bio-Landwirten, die ehrlich arbeiten. Und die Jacke muss sich nur der anziehen, dem sie passt. Oder, wie ein Leser in einer Zeitung die wütende Reaktion einiger Landwirte kommentierte: "Getroffene Hunde jaulen".

Tierhaltung und Feldwirtschaft sind nicht romantisch, es gibt sie nicht ohne Emissionen, ohne Ausnutzung des Bodens. Alles hat seinen Preis. Aber es geht um ein vernünftiges Maß: um weniger Emissionen, um Renaturierung, um Achtsamkeit für Lebensmittel. 

Im März beginnt der Frühling

Märzenbecher gehören zu den ersten blühenden Frühlingsboten.
Märzenbecher gehören zu den ersten blühenden Frühlingsboten.(Foto: picture alliance / dpa)

Der März bringt zur Monatsmitte für die Feldwirtschaft den Startschuss, die Zeit der Saat ist gekommen. Am 20. März ist Frühlingsanfang und Ende des Monats beginnt in Deutschland wie in den meisten anderen europäischen Ländern die Sommerzeit. In diesem Jahr liegt auch Ostern am Märzende. Bauern haben wie für jeden Monat im Jahr auch für den März ihre Sprüche, die meist schon ein paar Jahrhunderte alt sind und mehr oder minder zutreffen: "Wie das Wetter zu Frühlingsanfang, ist es den ganzen Sommer lang." Oder auch: "Märzenschnee und Jungfernpracht dauern oft kaum über Nacht", "Auf einen freundlichen März folgt ein freundlicher April", "Wie die letzten Tage im März, kommt die Herbstzeit allerwärts". Na, dann hoffen wir mal alle auf einen schönen März. Und damit Ostern auch nett wird, gibt’s heute zur Einstimmung ein österliches Rezept. Allerdings: Ganz ohne Eier geht es nicht!

Pascha (gesprochen Pas-cha) ist eine traditionelle russische Osterspeise, aufwendig und gehaltvoll. Die Zutaten sind eigentlich einfach, aber die Zubereitung ist sehr langwierig, da der Quark gepresst wird und lange abtropfen muss. Das mute ich weder Ihnen noch mir zu, deshalb gibt es eine "modernisierte" Süßspeise (ganz ohne Satire) zu Ostern:

Zaren-Pascha (Pascha zarskaja)

Zutaten (6 Pers):

250 g Magerquark
200 g  Rahm-Frischkäse
250 ml Milch
4 Eier
50 g Butter
80 g Puderzucker
1 EL Rohrzucker
100 g blanchierte gemahlene Mandeln
50 g Zitronat
50 g Orangeat
1 Vanilleschote
1 Bio-Limette
6 Blatt Gelatine
4 cl Grand Marnier
4 cl Amaretto
evtl. Belegkirschen, Minzeblättchen

Zubereitung:

Zitronat- und Orangeatwürfel über Nacht im Grand Marnier einweichen. In einer zweiten Schüssel die gemahlenen Mandeln mit dem Amaretto mischen und ebenfalls über Nacht ziehen lassen.

Am nächsten Tag Limettenschale abreiben und eine Hälfte auspressen. 1 EL Rohrzucker in einem beschichteten Topf verflüssigen. Mit 250 ml Milch ablöschen. Unter Rühren aufkochen; Hitze reduzieren. Rühren, bis sich der karamellisierte Zucker aufgelöst hat. Ohne Deckel die Milch köchelnd auf die Hälfte reduzieren. Ab und zu umrühren, damit sich keine Haut bildet. Was sich am Topfrand absetzt abkratzen und in die Milch rühren. Nach etwa 15 Minuten die Vanilleschote auskratzen, Schote und Mark in die Milch geben und die restliche Zeit mitköcheln. Vom Herd nehmen und die Schote entfernen.

Gelatine in kaltem Wasser einweichen. 4 Eigelb mit 50 g weicher Butter und 80 g Staubzucker cremig aufschlagen. Dann Quark und Frischkäse dazu geben. Mandelmasse, Zitronat und Orangeat, Zitronensaft und Limettenabrieb unterrühren.

Eingeweichte Gelatine ausdrücken und in der warmen Karamellmilch auflösen. Etwas abkühlen lassen und unter die Quarkmasse rühren. Eine Viertelstunde ruhen lassen.

Eiweiß (mit einer Prise Salz) und Sahne getrennt steif schlagen und beides behutsam unter die Quarkmasse heben. In eine Schüssel (oder Portionsschalen) geben und gut durchkühlen, am besten über Nacht. Mit Belegkirschen und Minzeblättchen garnieren.

Einen freundlichen März wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: n-tv.de

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