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Aphrodisiaka sorgen für Stimmung.
Aphrodisiaka sorgen für Stimmung.(Foto: imago stock&people)

Im Garten der Lüste: Liebe geht tatsächlich durch den Magen

Von Heidi Driesner

Das größte Aphrodisiakum ist unbestritten die Fantasie. Doch ein wenig Reiseproviant auf dem Weg zum Höhepunkt garantiert ein Erleben mit allen Sinnen. Aber nicht zu viel naschen: Ein voller Bauch liebt nicht gern!

Für manche ist die Mango die "Frucht der Götter", obwohl gleiches auch vom Granatapfel und dem Kakao behauptet wird, denn auch deren Genuss soll Überirdisches bewirken. Wobei es hierbei nicht um einen Ersatz für den Gang ins Fitness-Studio geht, also nicht um Bizeps und Sixpack, obwohl die auch nicht schaden können bei der Liebe. Nicht zu trennen von der Erotik ist nämlich das Essen. Mehrere autochthone Völker haben sowohl für essen als auch für miteinander schlafen dasselbe Wort. Auch in unseren Breiten hat sich längst herumgesprochen, dass guter Sex beim Essen anfängt - oder um es mit der seit Jahrzehnten bekannten Redensart zu sagen: Liebe geht durch den Magen.

Erst recht, wenn aphrodisierende Lebensmittel zum Einsatz kommen. Aphrodite, die Göttin der Schönheit und der Liebe, ist die Namensgeberin für all die Köstlichkeiten, die über den kleinen Umweg durch den Magen die Lust anregen und das Blut in Wallung bringen. Auch die Nase ist nicht ganz unbeteiligt, man denke nur an den anregenden Duft von Vanille oder Zimt. Ach ja, auch schwören manche Männer auf den sexualsteigernden Effekt von Knoblauch. Da muss die Liebe der Partnerin allerdings sehr groß sein. Oder sie hat Schnupfen.

Wunder bewirken die Mittelchen allerdings nicht, trotzdem steigern viele (längst nicht alle!) von ihnen nachweislich die Empfindsamkeit der Nerven, sie regen den Kreislauf und damit die Durchblutung an - und fördern somit die Lust.

Angst in der EU vor Bioinvasion

Die Mango ist eine Steinfrucht, die Bäume können bis zu 45 Meter hoch und über hundert Jahre alt werden. Sie kommt ursprünglich aus den tropischen und subtropischen Regionen Indiens, doch wird sie heutzutage fast überall in tropischen Gebieten kultiviert. Indien ist aber nach wie vor das bedeutendste Anbaugebiet. Dort wächst sie bereits seit über 4000 Jahren und wird als "Frucht der Götter" verehrt, denn kaum eine Frucht ist so vielseitig wie die Mango: Sie wird zu Saft verarbeitet, schmeckt lecker in Süßspeisen und Salaten, verleiht Chutneys eine fruchtige Note und sorgt in feurigen Currys für' Pikante. Für all diese Köstlichkeiten wird die Mango mal vollreif und mal unreif verarbeitet. Etwa 15 Millionen Tonnen Mangos werden jährlich in Indien geerntet, das ist die Hälfte der Weltproduktion. Kein Wunder also, dass die Inder "Aam", wie die Mango auf Hindi heißt, zu ihrer Nationalfrucht erkoren haben und ihr geheimnisvolle Kräfte zuschreiben.

Die "Alphonso"-Mango ist heiß begehrt; Europa muss derzeit leider darauf verzichten.
Die "Alphonso"-Mango ist heiß begehrt; Europa muss derzeit leider darauf verzichten.(Foto: picture alliance / dpa)

Leider wird das Jahr 2014 sowohl für Inder als auch für Mango liebende Europäer in schlechter Erinnerung bleiben: Seit dem 1. Mai 2014 gilt ein EU-weites Importverbot für Mangos aus Indien. Grund sind Fruchtfliegen. 2013 waren 207 Obst- und Gemüselieferungen aus Indien vor allem durch nicht-europäische Fruchtfliegen verunreinigt, deren Einschleppen eine Gefahr für die europäische Landwirtschaft darstellen könnte. Das deute auf anhaltend große Mängel bei der phytosanitären Zertifizierung in Indien hin, teilte die EU-Kommission mit. Brüssel sah sich daher gezwungen, vorerst bis zum 31. Dezember 2015 einen Importstopp für Mangos, Auberginen, Schlangenkürbis und Bittermelonen aus Indien zu verhängen. Das Einfuhrverbot soll in diesem Jahr überprüft werden, um es gegebenenfalls aufzuheben oder zu verlängern.

Das europäische Importverbot wegen einer befürchteten Bioinvasion hat Indien schwer getroffen und sorgt für großen Unmut. Die Verluste für die Mango-Exporteure könnten 2014 bis zu sieben Millionen Euro betragen. Außerdem wird befürchtet, den Exportmarkt zu verlieren, den sich die indische "Alphonso"-Mango in den zurückliegenden Jahren erobert hat. Die Edelsorte zeichnet sich durch einen unvergleichlichen, überdurchschnittlichen Geschmack aus, war bislang dem Export vorbehalten und für die meisten Inder unerschwinglich. Der verletzte Nationalstolz der Inder war der "Times of India" sogar einen Leitartikel wert: "Diese nervösen Europäer fürchten sich vor ein paar Fruchtfliegen…", wetterte die Zeitung.

Indien hat inzwischen Maßnahmen ergriffen, um sichere Exporte zu garantieren. Unter anderem wurde die Zahl der Kontrolleure erhöht und ihre Ausbildung verbessert, ein Standard-Betriebsverfahren wurde eingeführt und Exportlieferungen verderblicher Waren in die EU werden nur noch durch genehmigte Verpackungshäuser geleitet.

Exotik und Erotik mit Mango

Mango-Chutney und Mango-Lassi sind auch hierzulande längst bekannt und beliebt. Deutschland importiert jährlich etwa 52.000 Tonnen Mangos, größte Lieferanten sind derzeit Brasilien und Peru. Die exotische Frucht kann aber eine ganze Menge mehr als Chutney und Lassi: Sie mildert den bitteren Geschmack von Rucola (Rauke), Radicchio und Chicoree, verträgt sich in Konfitüre gut mit der Säure von Rhabarber, macht Süßspeisen und Kuchen fruchtig, verfeinert Suppen und Risottos, passt zu Fleisch und Fisch.

Das reife Fruchtfleisch der saftigen Mangos ist säurearm, leicht verdaulich und liefert viel Vitamin C und Betacarotin, das der Körper gut aufnehmen und in Vitamin A umwandeln kann. Betacoratin und Vitamin C sind Antioxidantien, die vor freien Radikalen schützen und so das Risiko mindern, an bestimmten Krebsarten zu erkranken. Darüber hinaus enthalten Mangos noch Vitamin E, Mineralien, Spurenelemente sowie Enzyme und sind mit 60 kcal pro 100 Gramm weniger kalorienreich als Weintrauben und Kirschen.

Eine einzige Mango kann bis zu zwei Kilo auf die Waage bringen.
Eine einzige Mango kann bis zu zwei Kilo auf die Waage bringen.(Foto: picture alliance / dpa)

Mit ihren gesunden Inhaltsstoffen sorgen Mangos für mehr Energie und eine gute Verdauung; schon 200 Gramm frisches Fruchtfleisch stimulieren den gesamten Stoffwechsel. Haut und Haare, Augen und Drüsen profitieren von der Mango. Sogar die Gedächtnisleistung sollen die saftigen Früchte verbessern. Vor allem in Kombination mit Datteln sollen Mangos die Potenz steigern. Wegen ihrer hodenähnlichen Form betrachtet man in Asien die Mango als männliche Kost. Der Vergleich dürfte angesichts der Größe einer Mango allerdings mehr als Prahlerei sein, denn immerhin erreichen die Früchte eine Länge von bis zu 25 Zentimeter, einen Durchmesser bis zu 10 Zentimeter und ein Gewicht zwischen 300 und 500 Gramm. Ausnahme-Exemplare bringen auch schon mal 2 Kilo auf die Waage. Eine Mango wohlbemerkt!

Das Zubereiten einer reifen Mango ist wegen des glatten, saftigen und zugleich fasrigen Fruchtfleisches eine ausgesprochen glitschige Angelegenheit. Am besten gelingt das, wenn man die ovale Frucht senkrecht stellt und mit einem scharfen Messer links und rechts an dem flachen Stein entlang schneidet. Die Abschnitte dann gitterförmig einschneiden, ohne die Außenhaut zu verletzen. Nun die Schale umwölben. Von diesen beiden "Mango-Igel" lassen sich die Fruchtstückchen mit einer Gabel leicht abheben. Den am Stein verbliebenen Mittelteil schälen und das Fleisch vom Stein schneiden.

Pur lässt sich eine Mango am besten als "Igel" genießen.
Pur lässt sich eine Mango am besten als "Igel" genießen.(Foto: imago stock&people)

Die ganze Prozedur gelingt allerdings nur bei reifen Früchten. Leider wird das empfindliche Obst meist halbreif geerntet, damit es den langen Schiffstransport übersteht, und ist dann mit wenig Aroma und hartem Fruchtfleisch kein Genuss. Die teurere Ausgabe für eine reife Flugmango lohnt sich! Eine reife Frucht verströmt einen angenehmen süßlichen, aromatischen Duft; sie sollte weder zu fest noch zu weich sein. Die Haut fühlt sich ledrig an und gibt auf einen leichten Fingerdruck nach. Die Farbpalette der Mangos reicht von Grün über Gelb bis Orange und Rot, wobei die Farbe nichts über Geschmack und Reife aussagt. Eine attraktive rote Färbung kann sehr täuschen! Schwarze Flecke sind kein gutes Zeichen, sie deuten auf einen Pilzbefall hin und die Frucht ist bereits überreif. Mangos verderben schnell, sie lassen sich nur ein bis zwei Tage lagern: Im Kühlschrank leidet der Geschmack; ideal ist eine Umgebungstemperatur von 10 bis 14 Grad. Allzu harte Früchte reifen in einer Tüte bis 20 bis 25 Grad in kurzer Zeit nach.

Wer Mango pur liebt oder als Chutney sollte auch mal eine Kombination mit Hähnchen probieren - schmeckt nämlich köstlich: 

Mango-Chicken

Zutaten (4 Pers):

12 Hähnchenflügel
1 reife Mango
1 Bio-Orange
1 rote Chilischote
1 Knoblauchzehe
4 EL Sesamöl
4 EL Oliven- oder Rapsöl
4 EL Honig
250 g Sahne
Salz, Pfeffer

Zubereitung:

Die gesäuberten Flügel mit Salz und Pfeffer einreiben. Chilischote entkernen und kleinhacken; Knoblauch schälen und ebenfalls hacken. Sesamöl, Honig, Chili und Knoblauch verrühren, mit dem Fleisch gut vermischen und etwa 1 Stunde marinieren lassen.

Öl in einem Wok oder einer Pfanne erhitzen und die Flügel darin ringsum goldbraun braten, bis sie gar sind. Dann das Fleisch herausnehmen und warm halten. Mango schälen, das Fruchtfleisch vom Stein lösen und würfeln. Die Orange heiß abwaschen, gut abtrocknen und die Hälfte der Schale abreiben. Von der anderen Hälfte einige Zesten reißen. Die Orange auspressen.

Den Bratenfonds mit dem Orangensaft ablöschen. Die Sahne zufügen, Hitze reduzieren und unter Rühren köcheln, bis eine glatte Sauce entsteht. Eventuell noch etwas Wasser hinzufügen. Die abgeriebene Orangenschale und die Mangostückchen zugeben und nochmals 2 bis 3 Minuten köcheln lassen. Bei Bedarf mit wenig hellem Soßenbinder leicht andicken. Gegebenenfalls mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Die Sauce über das Fleisch gießen und alles mit den Streifen der Orangenschale garnieren. Dazu Reis servieren.

Tipp: Wem das Geknabbere an den Chicken Wings zu viel ist, verwendet Hähnchenbrust.

Viel Erfolg wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: n-tv.de

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