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Manche Menschen können bei Vollmond nicht schlafen.
Manche Menschen können bei Vollmond nicht schlafen.(Foto: Elisabeth Patzal_pixelio.de)

Schlaflos, nicht in Seattle: Schneller alt oder eher tot

Von Heidi Driesner

Die meisten Menschen schlafen nachts, und wer schläft, sündigt nicht. Aber wer vorher sündigt, schläft besser, wusste schon Casanova. Das lässt sich nicht immer in die Tat umsetzen: "Es vergehen die Stunden. Ich aber liege allein", so klagte schon Sappho auf Lesbos. Das Gute daran: Wir verdanken etliche literarische Meisterwerke den schlaflosen Nächten.

Sicher kennen auch Sie schlaflose Nächte. Ich meine nicht die unvergessliche Liebesnacht, die ja eher selten ist. Auch nicht die feucht-fröhlichen oder durchgetanzten Nächte, da hat man ja noch etwas davon gehabt. Und wenn’s der Kater am nächsten Morgen oder das Aufwachen im fremden Bett ist. Junge Eltern können sowieso ein Lied von durchwachten Nächten singen; zum Singen sind sie allerdings meistens viel zu müde. Doch auch in diesem Falle gehört Schlaflosigkeit zur Liebe.

Ich meine die Nächte, die einen völlig sinnlos nicht schlafen lassen, nur weil der Mond aufs Kopfkissen scheint, liebestolle Kater zum Gotterbarmen jaulen oder ein Sturm heult und alles, aber auch wirklich alles klappern, knarren und knallen lässt. Wohl dem, der dann nicht am Morgen zerschlagen aus dem Bett kriechen und sich zur Arbeit quälen muss.

Jeder hat seine Tricks gegen Schlafprobleme, es sei dahin gestellt, ob sie helfen. Schäfchenzählen ist nicht jedermanns Sache und Baldrian verbietet sich in Anwesenheit von Katzen von ganz alleine. Warme Milch mit Honig soll helfen, auch Magermilchjoghurt mit einem Stückchen Schokolade. Spätestens 15 Minuten nach dem Verzehr sollte man sich aber ans Einschlafen machen, sonst verpufft die Wirkung. Der in der Milch enthaltene Eiweißbaustein Tryptophan ist der Grund für die entspannende Wirkung. Er ist Basis für die Serotoninherstellung im Körper. Je höher der Serotoninspiegel ist, desto ruhiger werde der Mensch und umso leichter falle ihm das Einschlafen, erläutert die Landesvereinigung der Bayerischen Milchwirtschaft (LVBM). Da sich in der Milch aber auch andere Eiweißbausteine befinden, die anregend wirken, sei Zucker wichtig, der sowohl im Honig wie in der Schokolade steckt: Er führe dazu, dass sich die meisten Eiweiße in die Muskeln einlagern. Das Trytophan dagegen gelange über das Blut ins Gehirn, wo es in das Glückshormon Serotonin umgewandelt wird.

Geniale Geister, Elefanten und Fledermäuse

Hochbegabte kämen mit weniger Schlaf aus, heißt es. Die Legende hält sich hartnäckig. Doch der große Genius Albert Einstein soll täglich 12 bis 14 Stunden geratzt haben, was seinen epochalen Einfällen offensichtlich nicht geschadet hat. Als anderes Extrem wird gerne Napoleon Bonaparte ins Feld geführt: Der Kaiser der Franzosen hat sich angeblich nur vier Stunden pro Nacht von innen betrachtet.

"Sappho geht zu Bett" wurde von dem Schweizer Maler Charles Gleyre 1867 gemalt und hängt heute im Kunstmuseum Lausanne.
"Sappho geht zu Bett" wurde von dem Schweizer Maler Charles Gleyre 1867 gemalt und hängt heute im Kunstmuseum Lausanne.

Etliche Poeten sollen ihre besten Einfälle in ihren überwachen Nächten gehabt haben, darunter Friedrich Schiller. "O, mordet nicht den heiligen Schlaf!", lässt der Dramatiker in "Wallensteins Tod" klagen. Dichterfürst Goethe, der selbst vorzüglich schlafen konnte, nannte Schiller den "Heiligen aller Schlaflosen". Schon lange vor Schiller versuchte die bedeutendste Lyrikerin der Antike ihre Schlafprobleme zu verarbeiten: "… Mitte der Nacht. Es vergehen die Stunden. Ich aber liege allein", seufzte Sappho.

Wie viel Schlaf braucht nun der Mensch? Das ist höchst unterschiedlich; der eine braucht mehr, der andere weniger. Maßstab ist das eigene Befinden: Fühlt man sich tagsüber fit, hat man ausreichend geschlafen. Die unterschiedliche Schlafdauer ist zum Teil genetisch bedingt. Auch das Alter spielt eine Rolle: Babys schlafen täglich bis zu 18 Stunden, manch Opa kommt mit sechs Stunden Schlaf aus. Übrigens liegt der Mensch mit seinem Schlafbedürfnis im Vergleich zu anderen Säugetieren im Mittelfeld: Ein Elefant schläft höchstens vier Stunden, Fledermäuse dösen täglich 20 Stunden vor sich hin.

Unter fünf Stunden ist zu wenig

Auch Politik macht müde.
Auch Politik macht müde.(Foto: picture alliance / dpa)

Die durchschnittliche Schlafdauer von Erwachsenen in Deutschland liegt bei sieben Stunden. Eine kurze Nacht zwischendurch hält ein gesunder Mensch ohne weiteres aus; kleinere Defizite gleicht der Körper in den nachfolgenden Nächten aus. Bei Stress benötigt der Körper längere Regenerationsphasen, obwohl gerade der gestresste Mensch unter Schlafproblemen leidet. Alles unter fünf Stunden sei auf die Dauer schädlich, sagen die Experten. Ständiger Schlafmangel hat negativen Einfluss auf das Immunsystem und die Konzentrationsfähigkeit; Kurzschläfer altern schneller. Doch auch wer zu lange schläft, hat Probleme: Langschläfer sterben eher, besagen jedenfalls Studien aus den USA und Großbritannien.

Schlaf ist wichtig - doch warum wir schlafen, weiß keiner so richtig. Die meisten Mediziner nehmen an, dass im Schlaf das Immunsystem gestärkt und beschädigtes Gewebe repariert werden, dass sich Geist und Körper im Schlaf regenerieren. Die Erlebnisse des Tages werden sortiert und gespeichert; überflüssige Informationen werden aussortiert. Offensichtlich "weiß" jedes Gehirn, was für seinen Menschen wichtig ist; bei mir ist das auf keinen Fall Integralrechnung.

In dieser Berliner Sturmnacht jedenfalls hätte ich eine Mütze voll Schlaf gebrauchen können. Doch ich sitze ich kerzengerade im Bett, im 8. Stockwerk toben die Naturgewalten besonders schön. Über mir nur das Flachdach und der Himmel. Und eine stundenlang lärmende Dachluke. Katze Hanni schaut missmutig nach oben und zum Fenster, auf das der Sturm drückt - und vorwurfsvoll zu mir. Als ob ich etwas ändern könnte! So mache ich das Beste daraus:  eine heiße Schokolade (mit Rum!) und mir Gedanken über mein Sonntagsmenü. Ich habe noch eine glückliche Hausente von meiner Schwägerin im Frostschrank; die soll nun endlich verspachtelt werden. Die uckermärkische Ente bekommt einen leichten asiatischen Touch, vorerst auf dem Papier, am Sonntag in der Pfanne:

Ente auf Ingwer-Obst

Zutaten (4-5 Personen)

1 küchenfertige Ente
½ l Cidre (oder etwas mehr)
etwas Calvados
20 g frischer Ingwer
1 Tüte gemischte Trockenfrüchte
2 kleine Zwiebeln
400 ml Entenfond
1 -2 Chilischoten
Salz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
etwas Öl oder Butterschmalz

Zubereitung:

Am Vorabend die gesäuberte Ente innen und außen kräftig mit Salz und Pfeffer einreiben und in den Kühlschrank stellen. Das Trockenobst in Stücke schneiden; Ingwer und Zwiebeln schälen und beides fein würfeln. Alles  vermengen und in ¼ l Cidre einweichen.

Am nächsten Tag die Chilischote entkernen, sehr klein schneiden und zu der eingeweichten Obstmischung geben. Bis auf eine Handvoll das Obst in die Ente geben und die Öffnung verschließen. Ein wenig Öl oder Butterschmalz in einem Bräter erhitzen und die Ente darin von allen Seiten bräunen. Mit etwas Cidre und Fond ablöschen, die restliche Obstmischung rings um die Ente (Brust nach unten) verteilen. Wer es etwas schärfer liebt, legt noch eine ganze Chilischote (angeschlitzt) in den Fond mit hinein. Den Deckel auf den Bräter setzen und die Ente etwa 45 Minuten bei ca. 180 Grad im vorgeheizten Herd braten. Dabei nach und nach etwas von den Flüssigkeiten zugießen.

Dann die Ente umdrehen (Brust nach oben) und - wenn nötig - das ausgetretene Fett vom Bratenfond abschöpfen. Weitere 45 bis 60 Minuten bei 180 Grad im zugedeckten Bräter schmoren und den Rest der Flüssigkeiten nach und nach zugießen. 

Ist die Ente gar, aus dem Bräter nehmen und 10 Minuten ruhen lassen. Nun die Ente halbieren, die Obstmischung herausnehmen und beiseite stellen. Den Bratenansatz abkochen, durch ein Sieb in einen Topf geben und dabei möglichst von dem Obst etwas mit durchdrücken. Die Soße nochmals entfetten und sämig einkochen, gegebenenfalls mit etwas Mehlschwitze. Die fertige Soße mit etwas Calvados abschmecken. Den Backofengrill (oder Oberhitze 220 Grad) vorheizen, die Entenhälften auf ein Backblech legen und knusprig bräunen.

Die Entenhälften portionieren und auf der Obstmischung anrichten.  Die Soße extra reichen. Dazu schmecken am besten Kartoffelkroketten oder Macaire-Kartoffeln.

Erholsamen Schlaf und erfolgreiche Tage wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: n-tv.de

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