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Auch die Bibel kann sich irren: "...und wer da sucht, der findet".
Auch die Bibel kann sich irren: "...und wer da sucht, der findet".(Foto: Ingrid Nickel / pixelio.de)

Ordnung ist nur das halbe Leben: Wo ist der verflixte Zettel hin?

Von Heidi Driesner

Pedanten werden mitleidig belächelt, Chaoten abfällig gemustert. Der normale Mensch hängt irgendwo dazwischen: Der eine ist ein bisschen ordnungsliebender, der andere ein wenig nachlässiger. Oder haben Sie noch nie etwas auf dem Zeitungsrand notiert? Das kann heikel werden ...

Ich bin auf der Suche. Nicht nach dem Glück oder der verlorenen Zeit, nicht nach dem Traummann oder dem hundertsten Paar Schuhe: Ich suche nur einen Zettel! Da steht ein altes Rezept einer pikanten Kürbis-Reis-Torte drauf, das ich meiner Kollegin Katja versprochen habe. Und nun ist der Zettel weg - einfach verschwunden, so wie sich manchmal schwarze Socken davonmachen.

Die Botschaft ist eindeutig.
Die Botschaft ist eindeutig.(Foto: s.media / pixelio.de)

Irgendwann muss man einsehen, dass man verloren hat; das gilt nicht nur bei erfolgloser Zettelsuche. Möglicherweise findet sich das Blatt in ein paar Jahren wieder an, wenn ich in alten Papieren stöbere, dann liegt der Zettel vermutlich da, wo er nicht hingehört: zwischen Studien über den Sex von Fruchtfliegen und Tipps zur Orchideenpflege. Vielleicht hat er sich aber wegen fortwährender Missachtung aus dem Staub gemacht, denn ich bin eigentlich nicht so der Kürbis-Fan wie Katja. Doch versprochen ist versprochen …

Der Kürbis braucht Freunde

In diesem Jahr waren nicht alle Kürbisproduzenten mit den geernteten Mengen zufrieden. Regionale Trockenheit im Frühsommer oder starker Hagelschlag zog viele Kürbisfelder in Mitleidenschaft. In anderen Gegenden wiederum waren Frühjahr und Sommer feucht und ließen die Kürbisse besonders gut gedeihen.

Der Kürbis an sich hat kein ausgeprägtes Eigenaroma, er braucht unbedingt Zugaben an seiner Seite. Deshalb verträgt er sich besonders gut mit pikanten Gewürzen wie Curry, Cayenne, Ingwer, Knoblauch, Paprikapulver sowie Zitronenschale und -saft. Auch Gemüse wie Lauch, Zwiebeln, Paprika, Tomaten und Möhren passen zum Kürbis.

Ein bisschen kleiner darf's sein.
Ein bisschen kleiner darf's sein.(Foto: picture alliance / dpa)

Kürbisse, die botanisch gesehen gar kein Gemüse sind, sondern zu den Beeren gehören, haben einen sehr hohen Gehalt an Carotinoiden, Kalium sowie den Vitaminen B6 und E, sie sind also recht gesund. Die Nährstoffe sind in dem zartfaserigen gelben bis orangefarbenen Fruchtfleisch enthalten und wirken verdauungsfördernd, ausschwemmend und wasserregulierend. Die harte Schale ringsum ist ungenießbar. Nur wenigen Sorten, so bei den Hokkaido- und Butternut-Kürbissen, kann die Schale mit verarbeitet werden; sie wird beim Kochen weich und dadurch verzehrbar.

Die Kerne haben's in sich

Vor der Verarbeitung kratzt man üblicherweise die Kerne und das wattige Fruchtfleisch heraus, verwendet wird nur das feste Fruchtfleisch. Meistens wird das Herausgekratzte weggeworfen, das ist wegen der Kürbiskerne aber eigentlich schade, denn sie sind noch gesünder als das Fruchtfleisch. Sie sind sehr energiereich; ihr Fett besteht zu 45 Prozent aus hochwertigen ungesättigten Fettsäuren. Die Kerne enthalten viele Mineralstoffe, Vitamine und sehr viel sekundäre Pflanzenstoffe (Phytosterine), die sich positiv auf einen erhöhten Cholesterinspiegel auswirken.

Die herausgekratzten Kerne werden im Wasser vom anhängenden Fruchtfleisch gesäubert und ein paar Tage ausgebreitet an der Luft getrocknet. Die harten weißen Schalen werden dann entfernt (das ist etwas mühselig) und die Kerne können nun ohne Fett geröstet werden, mit oder ohne Salz; auch die Zugabe von etwas Chilipulver ist möglich. Achtung: Die Kerne werden sehr schnell schwarz, also immer schön beobachten und die Temperatur nicht zu hoch einstellen. Die gerösteten Kerne schmecken gut als Topping zu Salaten und Suppen, mitgebacken im Brot oder einfach so als Knabberspaß.

Ausstellung in Ludwigsburg: Alles Kürbis oder was?
Ausstellung in Ludwigsburg: Alles Kürbis oder was?(Foto: Annamartha / pixelio.de)

Doch bevor Sie sich an die zeitaufwendige Verarbeitung der herausgekratzten Kerne machen beachten Sie, dass sich nicht alle Kürbissorten dafür eignen. Und die Familie der Kürbisgewächse besteht immerhin aus rund 90 Gattungen und 800 Arten. Die Kerne der bei uns zumeist gekauften Hokkaido-Kürbisse können Sie getrost wegwerfen, sie schmecken einfach nicht. Sollten Sie aber einen steirischen Ölkürbis (Cucurpita pepo var. Styriaca) Ihr Eigen nennen, wäre es schade um die Kerne. In Österreich wird aus diesen Kernen das berühmte Steirische Kürbiskernöl gepresst, das unter anderem Kürbissuppen erst den richtigen Pfiff gibt. Die Kerne dieser grün-gelb gestreiften und gesprenkelten Riesen haben übrigens keine harte Schale, die mühselig entfernt werden muss.

Die grünlichen Kerne des Ölkürbis - in jeder Frucht stecken bis zu 1000 davon - beinhalten die Vitamine A, B1, B2, C, D und E sowie Mineralstoffe wie Calcium, Magnesium, Phosphor und Kalium und außerdem die Spurenelemente Eisen, Kupfer, Mangan, Selen und Zink. Diese wertvollen Inhaltsstoffe machen die Kerne zu einem vielseitig einsetzbaren Genuss- und Heilmittel. Seit Jahrzehnten werden sie wirkungsvoll gegen Prostata- und Blasenleiden verwendet.

Meistens finden sich in den Regalen unserer Supermärkte Hokkaido- und Butternutkürbisse, Bischofsmützen und Mandarin-Kürbisse. Hokkaido und Butternut sind ideal für Suppen, Aufläufe und Grillgerichte; der Butternut eignet sich zudem für Kuchen und Risotto. Zum Garen und Befüllen nimmt man am besten Bischofsmützen oder Mandarin.

Da ich Katja nicht so lange warten lassen möchte, bis der Zettel freiwillig wieder auftaucht (wenn ich ihn nicht aus Versehen sogar entsorgt habe), bin ich in meiner Rezepte-Zettelwirtschaft auf die Suche nach Freunden des Entfleuchten gegangen und fündig geworden. Als Ersatz für die Kürbis-Reis-Torte biete ich:

Kürbisrisotto für Katja

Zutaten (4 Pers)

1 Butternut- oderHokkaido-Kürbis
400 g Risottoreis
2 EL Rosinen
2 EL gehackte Mandeln
1 Bio Zitrone
½ Bd glatte Petersilie
1 kleine Stange Porree
1 Zwiebel
1 Knoblauchzehen
1 EL mildes Paprikapulver
1 TL scharfes Paprikapulver
1 frische oder getrocknete Chili
1 Prise gemahlener Kardamom
1 Prise gemahlener Zimt
2 EL Olivenöl
3 EL Butter
3 EL frisch geriebener Parmesan
3 EL Schmand
ca. 1 l Gemüsebrühe
200 ml trockener Weißwein
Salz, schwarzer Pfeffer

Zubereitung:

Den Kürbis säubern und von den Kernen und dem wattigen Fruchtfleisch befreien. Man benötigt für das Risotto 400 g festes Kürbisfleisch. Dieses in kleine Würfel schneiden. Die Zitrone waschen, abtrocknen, die Schale abreiben und den Saft auspressen. Petersilie fein hacken, ebenso den Knoblauch (oder pressen). Die Rosinen im Weißwein einweichen. Die frische Chili recht klein schneiden oder die getrocknete zerbröseln. Das Weiße vom Porree in feine Ringe schneiden, grobes Grün entfernen. Das zarte Grün der Porreestange in sehr feine Streifen schneiden und beiseite stellen.

Das Öl erhitzen und 2 EL Butter darin zerlassen. Die Zwiebel- und Knoblauchwürfel sowie den Zitronenabrieb darin andünsten. Dann zuerst die Kürbiswürfel dazugeben, danach das Weiße vom Lauch und alles anbraten. Den Reis einstreuen und ebenfalls mitdünsten, bis er etwas glasig ist. Die beiden Paprikapulver, Chili, Zimt, Kardamom, 1 EL Mandeln und die gehackte Petersilie dazugeben, verrühren und mit dem Weißwein (inklusive Rosinen) sowie 1 bis 2 EL Zitronensaft ablöschen. Kurz aufkochen und auf kleiner Flamme sanft köcheln lassen. Dabei nach und nach von der heißen Gemüsebrühe auffüllen, bis nach etwa 20 Minuten der Reis bissfest gegart ist. Mit Salz und frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer kräftig abschmecken.

Den Parmesan und den Schmand unterheben und kurz warm werden lassen. Das Risotto sollte leicht breit laufen, wenn man es auf dem Teller anrichtet. Ist es zu trocken, noch etwas von der Gemüsebrühe dazugeben.

1 EL Butter zerlassen und das zarte Porreegrün darin andünsten. Die restlichen Mandeln hinzugeben und kurz mitrösten. Das Risotto portionieren und jeweils mit der Lauch-Mandel-Mischung bestreuen.

Viel Spaß wünscht Heidi Driesner.

Quelle: n-tv.de

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