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Freitag, 22. Januar 2016

Urlaubsparadies mit Touristenghettos: Traumziel Malediven

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Ein Traum. Türkisblaues Wasser funkelt in der Sonne, … (Foto: REUTERS)

Ein Traum. Türkisblaues Wasser funkelt in der Sonne, …

Ein Traum. Türkisblaues Wasser funkelt in der Sonne, …

… meterhohe Palmen strecken sich über den weißen Sandstrand: …

Die Malediven sind nicht umsonst eins der beliebtesten Urlaubsziele der Welt.

Sie bestehen aus einer Kette ("Malediven" bedeutet "Inselkette", vom Sanskrit-Wort für die Gebetskette Mala) von 19 Inselgruppen im Indischen Ozean, südwestlich von Indien und Sri Lanka.

Sie erstrecken sich über mehr als 800 Kilometer in Nord-Süd-Richtung.

Mehr als 1,2 Millionen Besucher kommen jährlich auf die Inselgruppe, …

… um Korallenriffe und einsame Strände zu genießen. Davon kommen um die 100.000 aus Deutschland.

Der Tourismus ist daher einer der wichtigsten Einnahmequellen für die Malediven.

Der zweitgrößte Industriezweig nach dem Fremdenverkehr ist die Fischerei.

Landwirtschaft spielt kaum eine Rolle. Die Böden der Inseln sind nicht sehr fruchtbar, so dass fast alle Lebensmittel eingeführt werden müssen.

Die Republik Malediven besteht aus etwa 1190 Koralleninseln, ...

... die streng nach Einheimischen- und Touristeninseln aufgeteilt sind.

Etwa 220 Inseln sind von Einheimischen bewohnt, ...

... etwa 90 werden für touristische Zwecke genutzt.

Nur bis dahin unbewohnte Inseln können für Hotelanlagen bebaut werden.

Durch die strikte Trennung soll verhindert werden, dass traditionell orientierte Malediver und allzu freizügige Urlauber im Alltag unvorhergesehen zusammentreffen.

Touristen können zwar an kurzen Führungen durch Fischerdörfer oder an einem Ausflug in die Hauptstadt Male teilnehmen, ...

... müssen danach aber gleich zu ihrem Ferienresort zurückkehren. Individualreisen sind kaum möglich, Rucksacktouristen sind nicht so gern gesehen.

Das Inselparadies wird vom Klimawandel besonders bedroht.

Mehr als 80 Prozent der Malediven erheben sich weniger als einen Meter über den Meeresspiegel. Der höchste "Berg" ist gerade mal zweieinhalb Meter hoch.

Auch aus diesem Grund traf der Tsunami im Dezember 2004 die Malediven hart: Es gab mindestens 80 Todesopfer. Auf 13 Inseln wurde die gesamte Infrastruktur zerstört, ...

... einige Inseln wurden unbewohnbar. Tausende Malediver wurden obdachlos.

Einige Atolle wurden komplett überflutet, andere Inseln zum Teil. So stand etwa die Hauptinsel Male zu zwei Dritteln unter Wasser.

Der Weltklimarat warnt aufgrund des Klimawandels vor einem Anstieg des Meeresspiegels bis zum Jahr 2100 um bis zu etwa 60 Zentimeter.

Andere Klimaexperten befürchten sogar mehr als das Doppelte.

Für Inseln wie die Malediven wäre das das Ende. Viele der Koralleninseln, auch der bewohnten, würden verschwinden.

Der ehemalige maledivische Präsident Nasheed suchte deshalb schon nach einer neuen Bleibe für seine etwa 400.000 Landsleute. (Im Bild: Nasheed bei einer Unterwassersitzung im Oktober 2009, um auf die Bedrohung seines Landes durch den Klimawandel aufmerksam zu machen.)

Schutzmaßnahmen gegen die Küsten-Erosion wollte er mit einer Touristensteuer finanzieren: im Moment werden 6 Dollar pro Tag und Person fällig. Die Abgabe fällt für jeden an, ...

... der ein Hotel, Resort oder Kreuzfahrtschiff gebucht hat. Nur die Gäste der kleinen privaten Guesthouses kommen ohne Zahlung davon. Da kommt einiges zusammen, denn: ...

An den maledivischen Stränden machen wie erwähnt jedes Jahr hunderttausende Besucher Urlaub.

Der Tourismus ist eine der Haupteinnahmequellen der Malediven, die zu den ärmsten Ländern der Welt gehören.

Die Besucherzahlen wachsen stetig, ...

... schon jetzt machen die Touristeneinnahmen rund 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus.

Die Malediver entdeckten den Tourismus als Einnahmequelle erst Anfang der 1970er-Jahre.

Damals wurden auf zwei Inseln einfache Palmwedel-Hütten gebaut.

Luxus wie Süßwasser, Swimmingpools oder gar Klimaanlagen gab es noch nicht.

Doch in den folgenden Jahrzehnten krempelte die Reiseindustrie die Inselrepublik deutlich um, ...

... auf vielen Inseln entstanden Ferienanlagen.

Mittlerweile sorgt der Tourismus nicht nur für den Lebensunterhalt vieler Familien, ...

... er sichert dem Land auch in anderen Bereichen einen gewissen Standard.

Malaria und Tuberkulose wurden ausgerottet, die Lebenserwartung stieg auf durchschnittlich 75 Jahre.

Außerdem gibt es auf allen bewohnten Inseln Schulen, die Alphabetisierungsrate liegt bei rund 99 Prozent.

Die Lebensbedingungen sind allerdings nicht überall auf den Malediven gut.

Die Hauptstadt Malé, die Touristen meist nur beim Anflug auf die Nachbarinsel sehen, platzt aus allen Nähten.

Jeder Fleck der nur zwei Quadratkilometer großen Insel im Zentrum der Inselkette ist bebaut.

Sie soll die am dichtesten besiedelte Stadt der Welt sein. Tatsächlich lebt dort fast ein Drittel der Gesamtbevölkerung, mehr als 120.000 Menschen, auf engstem Raum zusammen.

Zu der Enge kommt hinzu, dass sich in Malé viele Nationalitäten treffen, ...

... die nicht immer wirklich gut miteinander auskommen - das sorgt für sozialen Sprengstoff.

Ein großer Teil der Bevölkerung ist arm, etwa die Hälfte der Einwohner lebt von nur etwa einem US-Dollar am Tag.

Von den Einnahmen aus dem Tourismus ...

... profitiert der größte Teil von ihnen nicht - die Gewinne fließen in die Ferienressorts und zur Regierung.

Die Religionsfreiheit auf den Malediven ist extrem eingeschränkt, vor allem, seit der sunnitische Islam gemäß der seit 1997 geltenden Verfassung alleinige Staatsreligion ist.

Man kann die Staatsbürgerschaft nur erlangen, wenn man sich zum muslimischen Glauben bekennt. (Japanische Touristen vor der Großen Moschee in Male)

Die öffentliche Ausübung der christlichen Religion ist verboten. Christliche Ausländer dürfen ihre Religion nur im privaten Rahmen praktizieren.

Also nicht alles eitel Sonnenschein im Urlaubsparadies.

Touristen, die auf die Malediven kommen, erfahren davon allerdings in der Regel nichts.

Ein (sicher nicht gänzlich unerwünschter) Nebeneffekt ...

... der Trennung von Einheimischen- und Touristeninseln. (Text: Andrea Beu)

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