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Blitze und Brandstifter: Waldbrände weltweit

 
Blitze und Brandstifter: Waldbrände weltweit

Es ist in jedem Jahr das Gleiche: Die Waldbrandsaison kommt so sicher wie der Sommer.

Unterschiedlich ist nur der Verlauf: Wie viele Menschen kommen ums Leben, müssen Hunderte, Tausende oder Zehntausende fliehen, wie viele Häuser verbrennen, wie viele Hektar Wald fallen den Flammen zum Opfer?

Elf Menschen, darunter acht Feuerwehrleute, kamen im Jahr 2009 allein bis Ende August bei Waldbränden in Spanien ums Leben.

In Australien starben 2009 im Februar - dem Höhepunkt der Waldbrandsaison, die alljährlich in der Weihnachtszeit beginnt - 172 Menschen.

Es waren die verheerendsten Buschbrände in der Geschichte des Kontinents. 1800 Häuser wurden zerstört, eine Million Tiere starben.

Im August 2007 starben 65 Menschen bei Waldbränden in Griechenland. Auf der Halbinsel Peloponnes vernichteten die Flammen rund 184.000 Hektar Land und bedrohten die antiken olympischen Stätten.

Im Oktober 2007 waren in Südkalifornien etwa eine Million Menschen auf der Flucht. Die Waldbrände zerstörten mindestens 1500 Häuser und legten mehr als 170.000 Hektar Wald und Buschland in Schutt und Asche. Mindestens 17 Menschen kamen ums Leben.

Kalifornien, Australien und die europäischen Mittelmeerländer - aus diesen Ländern wird in Deutschland nahezu ausschließlich über Waldbrände berichtet.

Im Mittelmeerraum brennt es jährlich im Schnitt auf einer Fläche von 600.000 Hektar - eine gigantische Fläche, ...

... die jedoch klein wirkt im Vergleich zu den 350 Millionen Hektar, auf denen es weltweit pro Jahr brennt. Hier ein Feuerwehrmann im März 2009 nahe Nairobi, ...

... hier ein gelöschter Waldbrand nahe Peking im Mai 2007.

Die größte Waldbrandregion der Erde ist Sibirien, sagt Professor Johann Goldammer vom Global Fire Monitoring Center in Freiburg gegenüber n-tv.de. Das GFMC operiert unter dem Schirm der Vereinten Nationen und gehört zur United Nations University, Goldammer ist weltweit als Feuerökologe unterwegs.

"Russland hatte in diesem Jahr eine relativ ruhige Feuersaison", berichtet er, "im dritten Jahr schon, mit viel Glück. Die Russen stellen sich aber bereits darauf ein, dass ihre Glückssträhne im nächsten Jahr reißen wird."

Warum ist Sibirien so sehr von Waldbränden betroffen? "Russland ist mit 1,3 Milliarden Hektar der größte Waldbesitzer der Erde."

"In heftigeren Jahren wie 2003 und 2005 brennt es in Russland auf rund 20 Millionen Hektar", berichtet Goldammer, das schließe allerdings brennende Grasflächen in der offenen Taiga und in der Tundra ein.

Zum Vergleich: Die gesamte Waldfläche in Deutschland beträgt 10 Millionen Hektar. Durchschnittlich werden in Deutschland jährlich 1000 Waldbrände registriert, pro Brand ist rein statistisch gesehen etwa ein halber Hektar betroffen.

Auf der Website des Global Fire Monitoring Center (www.fire.uni-freiburg.de) findet sich der "Current Global Fire Status" Dieses Bild zeigt die weltweite Waldbrandsituation vom 9. bis zum 18. August, ...

... dieses die Situation in den zehn Tagen davor. Auf den ersten Blick ist zu erkennen, dass es nicht nur in Griechenland und Kalifornien brennt. "Nur in Grönland gibt es keine Waldbrände", sagt Goldammer. "Sie können davon ausgehen, dass es ansonsten überall in der Welt brennt."

Goldammer war in Nepal, als es dort im Frühjahr verheerende Waldbrände gab: "Die Feuer reichten bis zum Mount Everest - darüber hat man in Deutschland nichts gehört!"

Gegen die Brände in Nepal seien die Feuer in Griechenland und Portugal (im Bild) nur "Peanuts".

Abgesehen von eher seltenen Phänomenen wie Vulkanausbrüchen sind Blitzschläge die einzigen natürlichen Auslöser von Waldbränden. In Europa entstehen zwischen ein und drei Prozent der Waldbrände durch Blitzschläge, ...

... der Rest wird absichtlich oder fahrlässig von Menschen ausgelöst. "Aber Europa ist keine typische Blitzschlagregion", betont Goldammer.

Anders Kalifornien und Sibirien: Dort sind Blitzschlagfeuer keine Seltenheit. Für Brasilien und Indonesien wiederum ist davon auszugehen, dass viele Feuer absichtlich gelegt wurden.

Vor allem in Malaysia und Indonesien ist die Produktion von Palmöl der Antrieb für zahllose Brandrodungen. Mit katastrophalen Folgen: "Indonesien ist wegen Brandrodung der drittgrößte Emittent von CO2", sagt Goldammer.

In Deutschland wird Palmöl zwar kaum für Biosprit verwandt, wohl aber für die Stromerzeugung in Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen. Das soll die "Biomassestrom-Nachhaltigkeitsverordnung" ändern, die am 1. Januar 2010 in Kraft tritt und EU-Vorgaben umsetzt.

Für den Nahrungsmittelbereich fehlt eine solche Verordnung, die für nachhaltig produzierte Lebensmittel sorgt (hier Sojafelder im brasilianischen Regenwald). Uwe Lahl, der im Bundesumweltministerium arbeitet und in seinem Buch "Ölwechsel" vehement für Biokraftstoff eintritt, sieht diese sogar als Vorreiter:

"Wenn wir entsprechende Regelungen für den Biomassebereich haben, wird man am Schluss fragen: Wie sieht's denn mit der Futtermittelindustrie aus? Die Tür ist auf", sagte er im Interview mit n-tv.de.

Zurück zu den Waldbränden. Nicht jedes Feuer ist schlecht - problematisch wird es, wenn der Mensch Auslöser ist.

Goldammer dreht die Frage nach dem Anteil menschlich gemachter Waldbrände um: Man könne nicht pauschal sagen, dass 95 Prozent der weltweiten Waldbrände von Menschen verursacht seien, dafür fehle die Datenbasis (hier ein Bild aus dem Norden Thailands, wo 2007 Waldbrände wüteten).

Er schätzt, dass 90 Prozent der Feuer, die Probleme bereiten, von Menschen gemacht sind.

In Griechenland gibt es immer wieder Gerüchte, dass Brände von Immobilienspekulanten gelegt wurden. Außerdem sollen Brandflächen immer wieder in Bauland umgewandelt worden sein - wodurch die Regierung sich zum Helfershelfer der Brandstifter machen würde.

So sagte die Umweltwissenschaftlerin Christina Theohari der Nachrichtenagentur AFP, ein auf dem Berg Pentelikon im Jahr 1998 abgebranntes Gebiet sei damals offiziell als Bauland eingestuft worden.

Goldammer bezweifelt, dass vor allem Spekulanten für die griechischen Waldbrände verantwortlich zu machen sind. Nachgewiesen werden könne das jedenfalls nicht.

Das Problem in Griechenland sei der fehlende Kataster: Griechenland habe kein landesweites Grundstücksverzeichnis und damit keinen Überblick über Waldgebiete und illegal errichtete Häuser. "In Griechenland gab es schon immer Waldbrände, schon vor 1000 und 2000 Jahren. Sie brennen aber heute anders."

Der Grund liege in der Landflucht: Früher habe die ländliche Bevölkerung "jeden Zweig aufgelesen, um ihn als Brennholz zu verwenden". Das Feuer habe so kaum Nahrung gefunden.

"Heute kann sich die Vegetation ungehindert ausbreiten. Die Landflucht bewirkt, dass dem Feuer mehr Material zur Verfügung steht. Damit brennen die Feuer heißer, intensiver und schwerer kontrollierbar." Ausgerechnet in dieser Vegetation würden dann Häuser errichtet, weil die Vorstädter "im Grünen" leben wollen.

Gleiches gelte für zahlreiche Länder, etwa Australien und Kalifornien, weil es klimatisch natürlich angenehmer sei, im Schatten zu leben, ...

... aber dort lebe man eben auch "inmitten von hoch entflammbarer Vegetation".

Die Landflucht hat eine weitere Folge, die Waldbrände begünstigt: In den verlassenen Regionen werden Monokulturen angelegt. In Portugal etwa wurde die hitzeresistente Korkeiche ...

... durch den leichter brennbaren Eukalyptus ersetzt.

Noch in den 1960er Jahren gab es in Portugal Landschaften mit intensiver Weidewirtschaft, mit Olivenhainen und Obstbäumen. Heute finden sich dort Eukalyptus- und Kiefernplantagen für die Holz- und Zellstoffindustrie.

"Die Feuer, die 2003 und 2005 in Portugal brannten, waren im wesentlichen Plantagenfeuer", sagt Goldammer. " Über den Verlust dieser Plantagen haben nur wenige geweint."

Verstärkt werden die Waldbrände schließlich durch den Klimawandel, durch den die heißen, trockenen Sommer noch heißer und trockener werden. Die von starker Trockenheit betroffene Landfläche habe sich seit den 1970er Jahren verdoppelt, ...

... "obwohl wir seither nur eine globale Erwärmung von 0,6 Grad hatten", sagte der Klimatologe Stefan Rahmstorf gegenüber n-tv.de. Seit 1970 hat sich die Zahl der großen Waldbrände in den USA vervierfacht, ähnliches gilt für den Mittelmeerraum.

"Wenn man schon bei dieser geringen Erwärmung von 0,6 Grad diesen Effekt so deutlich sieht", so Rahmstorf, "kann man sich ausmalen, was eine Erwärmung um 2 Grad für Folgen haben wird."

Johann Goldammer sieht die Waldbrand-Schwerpunkte des Klimawandels in Kalifornien, ...

... Zentralasien - "ein Gebiet, das schon jetzt einem Prozess der Austrocknung unterliegt" -, Südostasien ...

... und im südlichen Afrika.

Für Kalifornien reichen die Statistiken lang genug zurück, um langfristige Entwicklungen zu ermitteln.

Dort zeigt sich, dass die Waldbrandsaison immer früher anfängt und immer später endet. Goldammer: "Die kalifornischen Kollegen gehen davon aus, dass die Waldbrandsaison in Kalifornien in wenigen Jahren von Januar bis Dezember dauern wird." (Text: Hubertus Volmer)

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