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Montag, 21. Juli 2014

Die Tunnelwelt der Hamas : Das "zweite Gaza" unter der Erde

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Die Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen gehört zu den am besten bewachten Gebieten der Welt. (Foto: AP)

Die Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen gehört zu den am besten bewachten Gebieten der Welt.

Die Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen gehört zu den am besten bewachten Gebieten der Welt.

Gaza ist gänzlich von der "israelischen Barriere" umgeben, die vor allem an der Grenze zu Ägypten aus einer meterhohen Betonmauer besteht.

Doch eine ganze Stadt einzusperren, ist kein einfaches Unterfangen. Überall entlang der Grenze Gazas finden sich daher unscheinbare Löcher, ...

... die in Tunnel wie dieses 20 Meter unter der Erde liegende, 800 Meter lange und professionell mit Beton ausgekleidete Exemplar führen.

Tausende solcher Eingänge sind es wohl, die das abgeschirmte Gaza mit Ägypten und Israel unterirdisch verbinden. Ihre durchschnittliche Länge beträgt ungefähr einen Kilometer.

Die Stollen dienen dabei zwei Zwecken: an der Grenze zu Ägypten vor allem als "Lebensader", mit der sich die Palästinenser trotz Embargos mit Waren versorgen können, ...

... und an der Grenze zu Israel vor allem als sogenannte "Terrortunnel", von denen Kämpfer auf das Territorium des Nachbars vordringen können.

Durch einen solchen "Terrortunnel" wurde beispielsweise 2006 auch der Grenzsoldat Gilad Schalit in das Palästinensergebiet verschleppt.

Auch als Zufluchtsort bei Luftangriffen wird das Tunnelsystem genutzt. Informationen der israelischen Armee zufolge verschanzt sich derzeit die komplette Führungsriege der Hamas in solchen unterirdischen Betonbunkern.

Seit die Terrororganisation 2007 in Gaza die Macht übernahm, erlebt der Tunnelbau in dem Gebiet einen wahren Boom. An der Grenze lebende Israelis berichten, dass sie nachts häufig Bohren und Hämmern aus dem Untergrund vernehmen.

Die Hamas ist stolz auf die bis zu 40 Meter in die Tiefe führenden Bauwerke. Der ausländischen Presse führt sie die Schächte vor, die ihren Angaben zufolge für die leidende Zivilbevölkerung ein unverzichtbares Stück Infrastruktur darstellen.

Doch der Schmuggel mit Benzin und anderen begehrten Waren stellt für die Machthaber in Gaza auch eine einträgliche Geschäftsquelle dar. Sogar eine eigene Behörde für das Tunnelsystem existiert.

Mitverdienen kann auch die Zivilbevölkerung. Die Tunnelbauer gehörten zeitweise zu den bestbezahlten Arbeitskräften in dem Küstengebiet. Starben sie bei den Grabungen, feierte man sie anschließend als Märtyrer.

Auch 160 Kinder kamen offiziellen Angaben zufolge bei den Grabungen schon zu Tode.

Anfänglich fanden sich die Tunneleingänge meist gut versteckt im Inneren von Häusern.

Später legalisierte die Hamas die Bauten, weshalb die Zugänge mittlerweile immer öfter auch im Freien liegen.

Die Qualität der Bauwerke nahm dabei stetig zu. Mittlerweile gibt es in den Stollen eigene Transportschienen ...

... und neben stabilen Wänden auch Strom, Wasser und ...

... sogar Telefonanschluss.

An manchen Stellen ist das Netzwerk mittlerweile so dicht, dass die Tunnel etagenweise übereinander angeordnet werden müssen.

Transportiert wird in den Tunnels nahezu alles, wofür es Bedarf gibt. Das können Lebensmittel sein, ebenso wie ...

... Schafe, ...

... Kälber ...

... oder gar eine Braut. In diesem Fall hatte die Ägypterin keine Genehmigung der Behörden bekommen, ihrem Bräutigam zur Feier in dessen Heimat Gaza zu folgen.

Doch längst nicht immer ist die Nutzung friedfertig. Israels Armee stößt in den Tunneln regelmäßig auf Sprengstoff ...

... und Waffenlager.

Um unterirdische Bombenanschläge zu verhindern, begann Israel früh damit, Gräben um strategisch bedeutsame Einrichtung zu ziehen.

Inzwischen werden entdeckte Tunnel direkt gesprengt.

Nach einer kurzen Phase der Toleranz unter der Herrschaft der Muslimbrüder ging auch Ägypten dazu über, die Schächte zu zerstören. Nach Angaben der dortigen Armee habe man inzwischen 95 Prozent der Durchgänge Richtung Sinai geschlossen.

In dem Konflikt sehen sich Israels hochgerüstete Streitkräfte einem hochmotivierten Heer von Tunnelgräbern gegenübergestellt.

Hier besichtigt Verteidigungsminister Moshe Ya'alon im November 2013 einen 1,7 Kilometer langen Tunnel, der von Gaza nach Südisrael führt.

Durch Luftschläge ist den unterirdischen Anlagen nicht beizukommen, weshalb die Soldaten das "zweite Gaza" zu Fuß stürmen müssen.

So begründet die israelische Regierung auch die aktuelle Bodenoffensive damit, dass nur so ein Zugriff auf die Zerstörung der "Terrortunnel" möglich sei.

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