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Südamerika: Kontinent aus Feuer und Eis

 
Südamerika: Kontinent aus Feuer und Eis

Südamerika - da denkt man zuerst an Exotik.

An Rio de Janeiro, ...

... an den Karneval ...

... und schöne Menschen.

An Fußballgötter, ...

... Gauchos oder erstklassige Steaks ...

... frisch von den Weiden.

Man wünscht sich in den Urlaub zu den Girls von Ipanema ...

... oder an eine Strandbar zwischen bunte Cocktails und Samba.

"Doch Südamerika ist viel mehr als das", schreibt Amerika-Korrespondent Volker Albers im n-tv Atlas.

Wer sich auf die Reise macht, merkt schnell: Südamerika ist viel facettenreicher, ...

... politisch, kulturell und wirtschaftlich höchst komplex und unterschiedlich.

Ein ganzer Kontinent lässt sich eben nicht auf einen Blick erfassen.

In Südamerika leben 370 Millionen Menschen.

Der Kontinent ist unterteilt in zwölf unabhängige Staaten ...

... sowie das französische Überseedepartement Französisch Guayana im Nordosten ...

... und die zu Großbritannien gehörenden Inselgruppen vor der argentinischen Küste: Die einst umkämpften und von Argentinien beanspruchten Falklandinseln, Shag Rocks, Südgeorgien und ganz im Osten die Süd-Sandwich-Inseln.

Die Vielfalt der Landschaften ist immens. Sie reicht von Wüstengegenden wie der Atacama ...

... über tropische und subtropische Regenwaldregionen, ...

... Hochebenen und natürlich Gebirge.

Die Anden sind die längste Gebirgskette der Welt.

Sie erreichen fast 7000 Meter Höhe und erstrecken sich auf einer Strecke von rund 7500 Kilometern entlang der südamerikanischen Westküste von Nord nach Süd - über Venezuela, Kolumbien, Ecuador, Peru und Bolivien bis nach Argentinien und Chile.

Zwischen Gipfeln und Bergkämmen erstreckt sich 3810 über dem Meeresspiegel der Titicaca-See, eine Wasserfläche von 8.288 Quadratkilometern Ausmesser.

Mitten durch den See verläuft die peruanisch-bolivianische Grenze.

Auch ein erst jüngst per Internetabstimmung gewähltes "Weltwunder" liegt zwischen Lima und Cuzco in den peruanischen Anden verborgen.

Die verlassene und verfallene Inkastadt Machu Picchu aus dem 15. Jahrhundert wird heute von Touristen und Bergführern bevölkert. Der "alte Gipfel", so die Übersetzung, lässt sich nur beschwerlich über Bergpfade erreichen.

Im Dreiländereck von Paraguay, Argentinien und Brasilien ...

... stürzt der Fluss Iguaz in die Tiefe, er bildet dort die größten, breitesten Wasserfälle der Welt (Gesamtbreite: 2.700 Meter).

In Patagonien, dem südlichen Teil Argentiniens und Chiles, jenseits des 42. südlichen Breitengrades ...

... erstrecken sich frostige Insel- und Eiswelten.

Eine touristische Attraktion ist der Gletscher Perito Moreno im Südwesten Patagoniens. Er zählt zum UNESCO-Weltnaturerbe. Das Eisfeld gehört zu den wenigen auf dieser Erde, die noch wachsen - jeden Tag etwa einen Meter.

In regelmäßigen Abständen blockiert die bis zu fünf Kilometer breite Spitze der Gletscherzunge einen Fluss - bis sich das Wasser in einem sensationellen Naturschauspiel den Weg wieder freimacht (Bild: zwei Wochen vor dem Spektakel).

Wie im März 2006 bricht dann das bis zu 60 Meter hohe Eis und stürzt in den Lago Argentino. Im See entsteht eine meterhohe Flutwelle und kleine Eisberge treiben im Wasser.

Ganz im Süden Argentiniens breitet sich ein Inselreich aus: die "Tierra del Fuego" - Feuerland.

Dort liegt auch Ushuaia, die südlichste Stadt der Welt mit rund 60.000 Einwohnern. Die Bezeichnung "Feuerland" geht auf die Entdeckerzeit zurück:

Als der Weltumsegler Magellan 1520 von seinem Schiff aus nachts an der Küste die Feuer der Indianer leuchten sah, gab er dem Südzipfel des Kontinents seinen Namen. Bei Tag hätte er sie vielleicht Insel der Tiere genannt.

Südamerika besticht durch seine Vielseitigkeit. So abwechslungsreich und aufregend wie seine Landschaften, ...

... so bunt wie die Flora im tropischen Regenwald, ...

... so eindrucksvoll wie die Tierwelt des Kontinents, (Bild: Der Anden-Kondor ist der größte fliegende Vogel der Welt) ...

... so unterschiedlich ist auch die Abstammung der Menschen, die den Kontinent bevölkern.

Nachkommen der Ureinwohner, ...

... die Nachfahren der aus Afrika verschleppten Sklaven, ...

... Enkel der einstigen Kolonialherren ...

... und eine Mischung aus all dem.

In Megacities wie Sao Paolo ...

... oder Buenos Aires strömen sie zusammen und leben dicht gedrängt auf engstem Raum.

Immer noch sind vier von zehn Bewohnern des Kontinents arm.

Die Kluft zwischen Arm und Reich ist ungesund ...

... und liefert sozialen, politischen und zwischenmenschlichen Zündstoff.

Der Nachholbedarf in Bereichen wie Arbeit, Bildung und Gesundheit ist enorm.

Besonders in den Großstädten gilt es, menschenwürdige Wohnverhältnisse zu schaffen.

Einst galt Südamerika als der schmuddelige Hinterhof der USA.

Und als Tummelplatz für rechte Regime, wie dem des chilenischen Generals und Diktators Augusto Pinochet.

Doch die Wahlen der vergangenen Jahre haben die politische Landkarte stark verändert. Ein Linksruck geht durch Lateinamerika, an vorderster Front Hugo Chvez, der 1999 das Amt des venezolanischen Staatspräsidenten übernahm .

Sieht man von Ausnahmen wie dem kolumbianischen Präsidenten und Hardliner lvaro Uribe Vlez ab, ...

... setzten sich in den meisten amerikanischen Ländern südlich des Äquators Parteien durch, die sich als "sozialistisch" bezeichnen.

Seit 2002 regiert in Brasilien Luiz Incio Lula da Silva, ein Mitbegründer der brasilianischen Arbeiterpartei.

In Bolivien kam 2006 der Anführer der sozialistischen bolivianischen Partei "Movimiento al Socialismo" und ein Aktivist für die Rechte der Coca-Bauern, Evo Morales, an die Macht.

Seit 2007 ist in Ecuador Rafael Vicente Correa Delgado im Amt, ein Wirtschaftswissenschaftler und Politiker auf linkem Kurs.

Auch er hat ein offenes Ohr für die indigene Bevölkerung.

Auch Frauen prägten und prägen die politische Kultur Südamerikas. Mehr als drei Jahrzehnte nach dem Militärputsch 1976 in Argentinien halten die so genannten Madres de la Plaza del Mayo noch immer die Erinnerung an die Schrecken der Diktatur wach.

Die "Mütter" trauern seit 1977 im Zentrum von Buenos Aires um ihre verschwundenen Kinder und Enkelkinder, die Opfer des Regimes. Die aus dem Protest entstandene Organisation trifft sich bis heute jeden Donnerstag für eine Stunde auf dem Platz.

Und dieses Gesicht kennt wohl jeder in Argentinien und weit über die Landesgrenzen hinaus: Mara Eva Duarte de Pern, kurz Evita, die zweite Ehefrau des Präsidenten Juan Pern und viel mehr als das:

Die "primera dama" Argentiniens, einst Model und Filmschauspielerin, wurde zur Wohltäterin, Populistin und einflussreichen Politikerin. Sie starb 1952 als nationale Ikone.

So weit hat es die Präsidentin Cristina Elisabet Fernndez de Kirchner zwar noch nicht gebracht, doch immerhin muss sie sich nicht mehr durch Ehemann Nestor politisch legitimieren lassen.

Seit Dezember 2007 steht sie selbst als Präsidentin an der Spitze Argentiniens. Seit ihrem Studium engagiert sie sich in der Peronistischen Partei.

Auch in Chile hat eine Frau das Oberkommando.

Seit 2007 wacht die ehemalige Gesundheits- und Verteidigungsministerin Vernica Michelle Bachelet Jeria als erste Frau über das Wohlergehen ihres Landes. Wie viele ihrer männlichen Kollegen gehört sie der Sozialistischen Partei an.

Doch die "sozialistischen Regierungen" in Argentinien, Brasilien, Chile und Uruguay haben sich mit der Zeit von den Idealen der revolutionären 1960er Jahre entfernt.

Sie betreiben eine neoliberale Wirtschaftspolitik …

... und eine eindeutig konservative Finanzpolitik.

Die neue Generation lateinamerikanischer Präsidenten und Regierungen befreit sich zunehmend vom Einfluss der Vereinigten Staaten.

Die USA haben über den Kampf gegen den Terror ihre Nachbarn im Süden so gut wie vergessen.

Zeit für die Staaten und die Bevölkerung Südamerikas, sich zu emanzipieren.

Auch wenn einige Staaten ihrer Linie ewig treu bleiben wollen, ...

... scheinen immer mehr südamerikanische Staaten auf wirtschaftliche Stabilität zu setzen ...

... und in der Weltwirtschaft eine Rolle spielen zu wollen.

Der Weltmarkt für Rohstoffe könnte dem Kontinent als Geldquelle dienen. "Dieser Markt könnte das Geld liefern, das so dringend gebraucht wird, um die hauseigenen Probleme zu lösen", schreibt n-tv Korrespondent Volker Albers.

"In Südamerika geht es darum, eine gewisse Art von Massenwohlstand überhaupt erst einmal zu erreichen."

So ließen sich vielleicht auch Gewalt und Kriminalität besser in den Griff bekommen.

Südamerikanische Politiker verfolgen jedoch noch andere Ambitionen: Nach dem Vorbild der Europäischen Union wollen die Staaten zusammenwachsen.

Zu einer politischen Einheit (Bild: Ministerien in der Hauptstadt Brasilia) ...

... und einem ernstzunehmenden Wirtschaftsraum.

Der Weg zu flächendeckendem Wohlstand auf dem südamerikanischen Kontinent ist noch weit und steinig. Doch die aktuelle globale Situation gibt Grund zur Hoffnung.

Mehr über die Regionen und Kontinente dieser Erde erfahren Sie auch im n-tv Atlas mit Karten und lesenswerten Länderinformationen zum Nachblättern auf 416 Seiten.

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