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The Prince of Pop: Andy Warhol

 
The Prince of Pop: Andy Warhol

Kein anderer Künstler wird mit Pop Art so sehr identifiziert wie Andy Warhol. Die Medien nennen ihn den "Prinzen des Pop".

Andy Warhol steigt aus einer Arbeiterfamilie aus Pittsburgh zur US-amerikanischen Legende auf. Seine Eltern stammen ursprünglich aus der slowakischen Stadt Medzilaborce.

Die Anfänge seiner Biografie behält Warhol für sich. Die Angaben über sein Geburtsdatum reichen vom 6. August 1928 bis zum 8. August 1931. Geburtsort ist US-Medien zufolge mal die Bergarbeiterstadt Pittsburgh, mal das vornehmere Philadelphia. (Foto: November 1969)

Aus Andrew Warhola wird Andy Warhol. Sein Vater, ein Bauarbeiter, stirbt bei einem Unfall, als Andy 13 Jahre alt ist. (Foto: Selbstporträt von Andy, Siebdruck)

Im Alter von acht Jahren erleidet Warhol eine Art Nervenzusammenbruch, gepaart mit einer seltenen Pigmentstörung, so dass man ihn lange für einen Albino hält. (Foto: Selbstporträt von 1986)

Das bettlägerige Kind entwickelt schnell eine Leidenschaft für Comics und Kinofilme, beginnt zu zeichnen und Papierfiguren auszuschneiden. (Foto: Warhol-Zeichnung von 1955, "My Shoe is Your Shoe")

Nach der Highschool studiert Andy Gebrauchsgrafik in Pittsburgh, macht 1949 seinen Abschluss und geht anschließend nach New York, wo er als Illustrator für Zeitschriften wie Vogue und Harpar's Bazaar und in der Werbung arbeitet.

Bald mausert er sich zu New Yorks gefragtestem und erfolgreichstem Illustrator. (Foto: mit Sängerin Nico)

Für Kollegen wie Claes Oldenburg, Robert Rauschenberg und Roy Lichtenstein (von links) ist er "der kommerzielle Künstler". Einer, der mit Anzeigen seinen Unterhalt verdient und sogar noch Preise gewinnt.

Inzwischen jedoch hat Warhol sie alle überholt. Sein surreales Werk "Green Car Crash" (Green Burning Car I) aus der Serie "Death and Disaster" erzielt im vergangenen Jahr den Rekordpreis von 71,7 Millionen Dollar.

1952 hat Warhol seine erste Einzelausstellung in der Hugo Gallery in New York. 1956 kommt eine wichtige Ausstellung im berühmten Museum of Modern Art hinzu.

Warhol ist es, der Alltägliches museumsreif macht. Das beginnt damit, dass ihn 1961 ein Kunsthändler auffordert, genau das zu malen, was ihm am meisten bedeutet.

Warhol fertigt Schablonenbilder von Geldstücken und von Campbell-Büchsen, deren Inhalt er jahrelang als Lunch verspeist hatte.

Doch erst jüngst werden seine Suppendosen, Dollarnoten, banalen Seifenkartons und Porträts von Promis wie Marilyn Monroe, Elvis und Mao zu Höchstpreisen versteigert.

Noch vor wenigen Jahren ist mit Warhols kein großes Geschäft zu machen. (Foto: Warhol-Werke werden bei Sotheby's in New York versteigert)

Da kann Sotheby's bei seiner Frühjahrsauktion 1994 zehn von zwölf seiner Bilder nicht verkaufen, da wird für einen "Double Elvis" (1963) nicht einmal die Hälfte des Schätzpreises geboten.

Das Wesentliche an Warhols Kunst besteht darin, den Unterschied zwischen den "schönen Künsten" und der "kommerziellen Gebrauchskunst" aufzuheben. (Foto: Eine Zeichnung Andy Warhols auf einer Selbstporträt-Tapete)

"Wenn man mal darüber nachdenkt, dann sind Kaufhäuser auch eine Art von Museum", bringt Warhol seine Philosophie zum Ausdruck. (Foto: Die Bianchini Gallery in New York sieht für die Show "The American Supermarket" wie ein Supermarkt aus.)

Andy Warhol wählt Massenprodukte nicht nur als Gegenstand seiner Kunst, sondern er will seine Kunstwerke selbst wie Massenprodukte vervielfältigen.

1962 gründet er die "Factory" - ein Kunststudio, in dem es ziemlich chaotisch zugeht und ...

... wo er sogenannte Kunstarbeiter vorwiegend Poster und Grafiken herstellen lässt - aber auch andere Dinge wie Schuhe. (Fotografie "Andy Warhol and members of the factory")

Warhols bevorzugte Drucktechnik ist der Siebdruck. Es entspricht am ehesten seiner Vorstellung von Kunstproduktion.

Außer als Druckerei dient die Factory auch als Filmstudio. Warhol macht über 300 experimentelle Untergrundfilme - zumeist recht bizarr und einige auch ziemlich pornographisch.

Sein erster Film "Sleep" zeigt 6 Stunden nichts anderes als einen schlafenden Mann. (Foto: Warhol mit seinen Superstars Jane Forth und Joe Dallesandro)

Im Juni 1968 stürmt Valerie Solanas in die Factory und schießt Andy Warhol zwei- oder dreimal in die Brust. Er wird schwer verletzt und entkommt nur knapp dem Tod. Valerie Solanas gehört zuvor zur erlauchten Warhol-Gefolgschaft.

Solanas hatte eine Gruppe namens SCUM (Society for Cutting Up Men) gegründet und war selbst ihr einziges Mitglied. Als Valerie Solanas am Tag danach verhaftet wird, sagt sie: "Er hatte zuviel Kontrolle über mein Leben."

Warhol erholt sich niemals völlig von seinen Wunden und muss für den Rest seines Lebens ein Korsett um die Hüfte tragen.

Nach dem Anschlag macht er in seinem Kunstschaffen eine radikale Wendung. Der Philosoph der Massenproduktion von Kunst verbringt jetzt die meiste Zeit damit, Portraits der Reichen und Schönen seiner Zeit anzufertigen, wie etwa von Brigitte Bardot ...

... Mick Jagger, ...

... Marilyn Monroe oder...

"Liz".

Warhol entwickelt sich mehr und mehr zum Unternehmer. Er gründet die Zeitschrift "Interview" und sogar einen Nacht-Club.

1974 zieht die Factory auf den Broadway um. Ein Jahr später veröffentlicht Warhol "Die Philosophie von Andy Warhol". In dem Buch beschreibt er, was für ihn Kunst ist: "Geldverdienen ist Kunst, und Arbeiten ist Kunst, und ein gutes Geschäft ist die beste Kunst."

Andy Warhol ist eine introvertierte, scheue und undurchsichtige Persönlichkeit. Er lebt seine Homosexualität nicht öffentlich aus, obwohl er sie, darauf angesprochen, nicht abstreitet.

Gleichwohl sind seine Verdienste für die Gleichberechtigung der Schwulen in unserer Gesellschaft nicht hoch genug einzuschätzen:

Indem er zeitlebens die (männliche) Homosexualität zu einem der zentralen Fixpunkte seines Schaffens erhebt, fördert er die Auseinandersetzung mit dem Thema.

In den 1950er Jahren färbt er sein Haar strohblond.

Später ersetzt er sein eigenes Haar mit blonden und silbergrauen Perücken.

Warhol gibt nur wenig von sich preis, ist meistens wortkarg und stilisiert sich selbst zur Sphinx und Ikone der New Yorker Kunstszene.

In Interviews und Gesprächen entzieht er sich geschickt den Erwartungen zu seiner Person und übt sich konsequent darin, den Mythos Andy Warhol aufzubauen.

Er liebt Katzen. Katzenbilder finden sich in etlichen seiner Kunstwerke. Einer seiner Freunde beschreibt ihn als totalen workaholic.

Warhol ist von dem Ehrgeiz besessen, berühmt und wohlhabend zu werden. Von Anfang an ist klar, dass er den "Amerikanischen Traum" nur durch harte Arbeit verwirklichen kann. (Foto mit Ultra Violet, links, und Viva)

In seinem Buch "Popism" beschreibt Warhol sehr anschaulich, wie er in den sechziger Jahren mühsam und mit bescheidenen Schritten die Leiter zum Erfolg erklomm. Die Autobiografie liegt schon seit Jahren in den USA vor, erscheint aber erst jetzt in einer deutschen Ausgabe.

In ihr beichtet der Pop-Art-Papst, dass er sich von Freunden und Bekannten Ideen für seine Arbeit erbettelte und am Boden zerstört war, wenn Kollegen über das Ergebnis lachten.

Recht spannend liest sich auch, was Warhol über die private Seite seiner prominenten Wegbegleiter zu sagen hatte:

Robert Rauschenberg sei "generell so enthusiastisch" ?

? und Jasper Johns ein "launischer Mensch" gewesen, ?

? Jackson Pollock ein Schlägertyp, der "einfach bei einem Autounfall ums Leben kommen musste".

Schlecht kommt auch der "schwer intellektuelle" Mark Rothko davon. Er brüskierte sich auf einer der unzähligen Partys jener Tage über Warhols Anwesenheit.

Nicht so sein Kollege Dennis Hopper: "Dennis kaufte auf der Stelle eine meiner Mona Lisas" und nahm Warhol sowie den Briten David Hockney dann zur Aufzeichnung einer seiner Fernsehshows mit nach Harlem.

Warhol erliegt am 22. Februar 1987 im Alter von 57 Jahren einem Herzversagen nach einer unkomplizierten Operation an der Gallenblase.

Über 2000 Leute erweisen ihm beim Gedenkgottesdienst in der St. Patricks Kathedrale die letzte Ehre.

Im Mai 1994 eröffnet das Andy Warhol Museum in seiner Heimatstadt Pittsburgh in Pennsylvania seine Pforten. (Alle Bilder: dpa, AP, Reuters)

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