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Die Oscar-Verleihung steht wieder an und dieses Jahr fiebern Deutschland und Österreich gemeinsam dem Spektakel entgegen.
Denn der österreichische Regisseur Michael Haneke ist in der Kategorie Bester nicht-englischsprachiger Film nominiert, ...
... für sein deutsches Drama "Das weiße Band", das bereits die Goldene Palme in Cannes und diverse andere Preise gewonnen hat.
Und dann ist da noch der Österreicher Christoph Waltz, der für seine Rolle als SS-Oberst Hans Landa in Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" beste Chancen auf den Nebenrollen-Oscar hat. Dieser Film ist eine deutsch-amerikanische Co-Produktion, die zu großen Teilen in Sachsen und den Filmstudios Babelsberg entstand.
Allerdings bekommt Waltz mit Matt Damon, Woody Harrelson, Christopher Plummer und Stanley Tucci harte Konkurrenz.
Es macht einfach wieder Spaß, der glamourösen Veranstaltung zu folgen, seitdem sich deutsche oder deutschsprachige Filme wieder realistische Chancen ausrechnen können, den Preis zu bekommen.
Es gab immerhin eine lange Durststrecke für die deutschen Filmemacher in Hollywood. Wobei die Geschichte deutscher Oscar-Gewinner trotzdem lang ist, weil sie nicht nur Schauspieler und Regisseure enthält, ...
... sondern auch Menschen hinter der Kamera, etliche Techniker und Ingenieure, die den Fortschritt in der Kinobranche wesentlich beeinflusst haben - und da konnte Deutschland schon immer auftrumpfen.
Bereits im ersten Jahr der Oscar-Verleihungen 1929 erhält Emil Jannings den Preis als bester Hauptdarsteller. Geehrt wird er für seine Auftritte in den US-Stummfilmen "Sein letzter Befehl" und "Der Weg allen Fleisches".
Schon vorher wird Jannings "Bester Schauspieler der Welt" genannt. Nach UFA-Stummfilmen wie "Der letzte Mann" wechselt er nach Hollywood, wo er viel Geld verdient - 200.000 Dollar versteckt er im Kopfkissen, weshalb er von der Wirtschaftskrise nicht betroffen ist.
Mit Einführung des Tonfilms geht er jedoch zurück nach Deutschland. Sein Debüt mit der neuen Technik ist legendär: Er spielt an der Seite von Marlene Dietrich in "Der blaue Engel", ...
... einer Verfilmung von Heinrich Manns Roman "Professor Unrat". Nach 1945 erhält der bisher einzige mit dem Oscar ausgezeichnete deutsche Schauspieler wegen seiner Nähe zu den Nationalsozialisten ein Auftrittsverbot.
Neun Jahre nach Jannings hält mit Karl Freund ein weiterer Deutscher die Trophäe in Händen. Der Kameramann erhält den Oscar für seine Arbeit in dem Melodram "The Good Earth". (Hier mit Humphrey Bogart und Lauren Bacall am Set von John Hustons "Key Largo".)
Ernst Lubitsch erhält 1947 einen Ehrenoscar. Der deutsch-amerikanische Regisseur, Schauspieler und Produzent wird für seinen Beitrag zur Filmkunst und seine innovative Regiearbeit ausgezeichnet, die Regisseure wie Billy Wilder stark beeinflusst.
Der auf dem Set autokratisch regierende Regisseur (hier mit seiner Frau) wechselt bereits in den 20er Jahren nach Hollywood und ist berühmt für seine Romanzen und Komödien. Mit der Garbo dreht er zum Beispiel "Ninotschka".
Eines seiner bekanntesten Werke ist der Film "Sein oder nicht sein" von 1942, neben Chaplins "Der Große Diktator" die vielleicht beste Parodie auf die nationalsozialistische Diktatur.
1948 wird Alfred Junge in der Sparte "Art Direction - Color" für seine Arbeit als künstlerischer Leiter des Films "Black Narcissus" mit dem Oscar ausgezeichnet. Der Film verhilft der britischen Schauspielerin Jean Simmons (Bild) zum Durchbruch.
Einen Doppelschlag landet der Komponist Franz Wachsmann (oder Waxman). 1951 wird seine Filmmusik für "Sunset Boulevard" ("Boulevard der Dämmerung") ausgezeichnet.
Der Film mit Gloria Swanson und William Holden war für insgesamt elf Oscars nominiert, erhielt aber nur drei Preise.
Regie führte der aus Österreich stammende Billy Wilder, ...
... in einer Nebenrolle brillierte der exzentrische österreichisch-amerikanische Regisseur und Schauspieler Erich von Stroheim.
Ein Jahr später konnte Franz Wachsmann erneut eine Trophäe in Empfang nehmen, diesmal für die Filmmusik ...
... von "A Place In The Sun" ("Ein Platz an der Sonne") mit Elizabeth Taylor und Montgomery Clift.
1960 bekommt der Tierforscher Bernhard Grzimek einen Oscar in der Kategorie bester Dokumentarfilm für "Serengeti darf nicht sterben" über den gleichnamigen Nationalpark in Tansania.
Die Dreharbeiten sind jedoch von einem Unglück überschattet: Grzimeks Sohn Michael, der Co-Regisseur, stirbt bei einem Flugzeugabsturz. (Bild: Grzimek 1980 in Uganda)
Als Grzimek 1987 stirbt, wird seine Urne in Tansania bestattet, neben seinem Sohn.
Ein eher unbekannter deutscher Oscar-Preisträger ist Rolf Zehetbauer (hier mit dem Bayerischen Filmpreis). 1973 erhält der Filmarchitekt den Preis für die Ausstattung des Musical-Films "Cabaret", ...
... für den auch Liza Minnelli die begehrte Trophäe bekommt.
1980 erhält erstmals ein deutscher Film den sogenannten Auslands-Oscar. Regisseur Volker Schlöndorff (m) nimmt ihn für "Die Blechtrommel" entgegen, ...
... der Verfilmung des Romans von Günter Grass (l) mit David Bennent (m) als Oskar Mazerath.
Einen besonderen Preis erhält 1983 eine deutsche Firma: Der Kamerakonstrukteur Erich Kästner und August Arnold von der kinotechnischen Firma "Arnold & Richter KG" aus München - bekannt als Arri - erhalten für die Entwicklung ...
... der ersten industriell gefertigten 35-mm-Spiegelreflex-Filmkamera den "Scientific and Technical Academy Award of Merit", eine reguläre Oscar-Statue. (Hier eine Arricam ST)
Zuvor hatte die Firma bereits mehrfach den "Academy Scientific and Engineering Award (Class II )" bekommen. Dieser ist keine klassische Statue, sondern eine Plakette.
Ein Jahr später nimmt erneut ein Mitarbeiter für eine deutsche Firma den Oscar entgegen: Die Osram GmbH wird für Fortschritte in der Filmbeleuchtung ausgezeichnet, ...
... vor allem für die Entwicklung der Filmprojektorlampen auf Xenon-Basis. (Hier eine XBO 6000W/HSLA)
1988 wird Osram wieder ausgezeichnet. Die Abteilung Forschung und Entwicklung erhält den "Scientific and Technical Academy Award of Merit" für die Verbesserung der Beleuchtungstechnologie, diesmal für die HMI-Reihe. (Hier eine HMI 6000 Watt)
Zwei Jahre später ist wieder ein deutscher Film dran: Die Zwillinge Wolfgang und Christoph Lauenstein erhalten völlig überraschend den Oscar für "Balance" als besten kurzen Animationsfilm - eigentlich ihre Abschlussarbeit an der Universität Kassel.
1993 darf erneut die Firma Arri jubeln. Ihr Kamerakonstrukteur Erich Kästner erhält für sein Lebenswerk den Gordon E. Sawyer Award, den unregelmäßig verliehenen Ehrenoscar im wissenschaftlich-technischen Bereich.
1994 erhält Pepe Danquart (hier mit dem Bayerischen Filmpreis) den Oscar für den besten Kurzfilm für sein Werk "Schwarzfahrer", ...
... 1995 wird Komponist Hans Zimmer für die Filmmusik zum Disney-Film "Der König der Löwen" ausgezeichnet.
Thomas Stellmach und Tyron Montgomery (l., in der Mitte Oscar-Präsentator Chris Farley) bekommen 1997 den Oscar ...
... für "Quest" als besten Zeichentrick-Kurzfilm. (Thomas Stellmach mit den animierten Figuren aus dem Film.)
Im gleichen Jahr wird Volker Engel (l. neben amerikanischen Kollegen), für die besten visuellen Effekte in dem Film "Independence Day" ausgezeichnet. Regie führt der Deutsche Wolfgang Emmerich.
Gleich doppelt ausgezeichnet wird Florian Gallenberger für seinen Kurzfilm "Quiero Ser" (Ich möchte sein). 2000 erhält er für sein Werk den seit 1973 verliehenen sogenannten Studenten-Oscar, ...
... bei der Oscar-Verleihung 2001 dann den "normalen" Preis für den besten Kurzfilm.
Lange musste Deutschland warten, doch 2003 erhält Caroline Link für "Nirgendwo in Afrika" einen Auslands-Oscar, der erste seit Schlöndorffs "Blechtrommel".
Allerdings kann sie wegen einer Erkrankung ihrer Tochter nicht nach Los Angeles reisen und erhält ihre Trophäe somit erst verspätet.
2003 jubelt man erneut in München: Die Arnold & Richter Cine Technik erhält, zusammen mit der Panavision Inc., einen "Scientific and Technical Academy Award of Merit" für Verdienste um die Entwicklung von Filmkameras. (Hier ein "Arrilaser" zur digitalen Filmbelichtung)
Auch 2005 wird ein deutscher Techniker ausgezeichnet: Der Erfinder Horst Burbulla ...
... erhält für die Entwicklung eines Teleskop-Kamera-Krans den Oscar.
2007 schließlich wird erneut ein deutscher Kinoerfolg mit dem Oscar bedacht: "Das Leben der Anderen" von Florian Henckel von Donnersmarck wird als bester nicht-englischsprachiger Film ausgezeichnet.
In Los Angeles dabei ist auch Hauptdarsteller Ulrich Mühe, der noch im Juli des gleichen Jahres stirbt.
2009 freut sich Jochen Alexander Freydank über den Oscar für den besten Kurzfilm "Spielzeugland" - auch wenn die Präsentatoren beim Aussprechen des Titels etwas straucheln.
Der "Baader-Meinhof-Komplex" geht 2009 dagegen leer aus, ...
... genau wie der Münchner Regisseur Werner Herzog mit seinem in der Antarktis entstandenen Dokumentarfilm "Encounters At the End of The World" ("Begegnungen am Ende der Welt").
Immerhin: Fast jedes Jahr kann sich Deutschland mittlerweile Chancen auf eine Trophäe ausrechnen. Das war nicht immer so. (Text: Markus Lippold, Bilder: AP, dpa)
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