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Mittwoch, 11. Februar 2015

Ekstase, Sodom und Tango in Paris: Die größten Sexskandale der Filmgeschichte

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"Fifty Shades of Grey" kommt ins Kino - und alle sind ganz aufgeregt. (Foto: Universal Pictures)

"Fifty Shades of Grey" kommt ins Kino - und alle sind ganz aufgeregt.

"Fifty Shades of Grey" kommt ins Kino - und alle sind ganz aufgeregt.

Die vielsagende Plattform "Mr. Skin" (Herr Haut) hat den Film schon gesehen und ausgerechnet, wie viele Sexszenen es da gibt.

Es sind genug, um für einen Skandal zu sorgen. Oder zumindest so zu tun - PR ist alles.

Fest steht, dass der Film in etlichen Ländern nicht in die Kinos kommen wird. Hierzulande aber schon - einen wirklichen Skandal wird es jedoch nicht geben.

Das haben andere Filme schon erledigt. Denn die Geschichte des Kinos ist voll von Skandalen und Skandälchen um Sex und nackte Haut. Was ist noch Kunst, was schon Pornografie, heißt eine immer wieder gestellte Frage (Szene aus "Im Reich der Sinne").

1896 war es "The Kiss" - der erste Kuss auf der großen Leinwand, der für Entrüstung sorgte.

Seitdem haben sich die Grenzen, was gezeigt werden darf, sehr weit verschoben. Es folgt ein kleiner, unvollständiger Überblick.

Nachdem der Kussschock verdaut war, gab es 1933 einen großen Skandal um "Ekstase", einen tschechoslowakisch-österreichischen Film von Gustav Machatý. In Deutschland durfte er nur stark zensiert gezeigt werden.

Der Film wurde berühmt für seine freizügigen Szenen und für die Nahaufnahme eines Gesichts während eines sexuellen Höhepunkts - sozusagen der erste auf der großen Leinwand.

Die Darstellerin, die dafür verantwortlich war, war die damals noch unbekannte Hedwig Kiesler. Als Hedy Lamarr machte sie jedoch Karriere in Hollywood.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sorgte Hildegard Knef 1951 als "Die Sünderin" für einen Schock. Vor allem Kirchenvertreter warfen dem Film eine Glorifizierung von Prostitution, Sterbehilfe, Euthanasie und Selbstmord vor.

Tagelang wurde der Streifen von Willi Forst (l.) in der Öffentlichkeit diskutiert - es wurde der größte Skandal der deutschen Filmgeschichte und natürlich ein großer Publikumserfolg. Und die Knef (M., mit Gustav Fröhlich) zum Star.

Mehr als zehn Jahre später trat Ingmar Bergman 1963 mit "Das Schweigen" einen riesigen Skandal los, weil der Film in einigen Szenen Sex und Masturbation darstellte.

In Schweden und Deutschland wurde heftig darüber diskutiert - doch der Film wurde als Kunstwerk eingestuft, selbst von den Kirchen akzeptiert und konnte ohne Änderungen ab 18 Jahren gezeigt werden. In Frankreich wurde er dagegen verboten.

Der Streifen beschäftigte aber auch noch den Bundestag, nachdem zwei Unionsabgeordnete die CDU/CSU-Regierung gefragt hatten, was sie gegen unsittliche Filme unternehmen wolle. Man wolle keine Zensurmaßnahmen ergreifen, hieß es in der Antwort.

Ein paar Jahre später gab es in Frankreich Aufregung um "Belle de Jour - Schöne des Tages" des Spaniers Luis Bunuel.

Darin gibt sich die bürgerliche Protagonistin, dargestellt von Catherine Deneuve, ihren sexuellen Träumen hin, die sich um Sadomaso, Bondage und Demütigung drehen.

Sie beginnt, als Prostituierte zu arbeiten und stößt damit eine schicksalhafte Entwicklung an.

So richtig hoch kochte der Skandal allerdings nicht, schließlich gaben sich die 1960er-Jahre ohnehin freizügiger.

Immerhin feierte ab Anfang der 70er auch die Erotik-Filmreihe "Emmanuelle" große Erfolge.

Es sei ein "Sexfilm in kunstgewerblerischer Inszenierung", urteilte das Lexikon des Internationalen Films über den ersten Film mit Sylvia Kristel.

Es folgten einige Fortsetzungen, deren ungeschnittene Versionen in Deutschland aber indiziert sind oder waren. Nichtdestotrotz stieß "Emmanuelle" eine ganze Lawine von Softsexfilm(ch)en los.

Es brauchte also schon etwas mehr für einen Skandal im Kino. Den gab es 1971 mit "Harold und Maude" über eine Beziehung zwischen einer 79-jährigen Frau und einem 18-Jährigen.

Der Film thematisierte nicht nur diese ungewöhnliche Beziehung, sondern auch den selbstbestimmten Freitod.

Anders als in der literarischen Vorlage wurde eine Sexszene zwischen beiden (die noch im Trailer zu sehen war) aber herausgeschnitten. Stattdessen sieht man, wie Harold Seifenblasen macht, während Maude neben ihm schläft - sexuelle Symbolik war eben schon immer ein geeignetes Mittel, um Verbote zu umgehen.

Im selben Jahr kam auch die Verfilmung des Robert-Crumb-Comics "Fritz the Cat" in die Kinos. Es ist der erste Trickfilm, der in den USA eine X-Wertung (nur für Erwachsene) erhielt.

Wer die Comics kennt, weiß warum: Fritz ist ein dauergeiler Kater, dessen Hobbys Drogen und Orgien sind.

Der Trickfilm wurde nicht zuletzt wegen seines Skandalpotenzials ein großer Erfolg.

Aber Anfang der 70er erreichte ja selbst ein billig heruntergedrehter Pornofilm wie "Deep Throat" ein Millionenpublikum - er ist vermutlich der profitabelste Streifen der Filmgeschichte (Szene aus der Doku "Inside Deep Throat").

Der Film wurde allerdings in vielen US-Bundesstaaten verboten, was wiederum eine breit geführte Debatte auslöste. Die Frage, was Pornografie ist und was Filmkunst, wurde eben immer wieder gestellt (Szene aus der Doku "Inside Deep Throat").

Eine ganz andere Diskussion löste bereits 1973 "Wenn die Gondeln Trauer tragen" aus. Umstritten war nicht die Sexszene an sich, sondern, ob die gespielt oder echt war.

Mehrmals musste die Szene mit Julie Christie und Donald Sutherland gekürzt werden, damit der Film in den USA eine günstige R-Wertung bekam.

Einen weiteren Skandal trat 1974 "Der letzte Tango in Paris" von Bernardo Bertolucci mit Marlon Brando und Maria Schneider los. Deren Nacktheit erregte schon kaum noch die Öffentlichkeit.

Zum Skandal wurden aber einige Sexszenen und dass in dem Film Analverkehr angedeutet wird.

Einige Kritiker feierten den Streifen wegen seiner "ursprünglichen Kraft" als Meisterwerk, in Italien aber wurden die Beteiligten verurteilt, die Kopien beschlagnahmt.

Das war aber noch nichts gegen "Die 120 Tage von Sodom", dem letzten Film von Pier Paolo Pasolini, der 1975 in die Kinos kam.

Er basiert auf dem gleichnamigen Buch des Marquis de Sade. Offen werden hier Vergewaltigung, Folter und Mord dargestellt - was einen handfesten Skandal auslöste und zu etlichen Verboten führte (im Bild: Regisseur Pasolini).

In der Bundesrepublik wurde der Film immer wieder gerichtlich beschlagnahmt, oft aber kurz darauf von der höheren Instanz wieder freigegeben. Und Pasolini war Streit um seine Filme ja ohnehin gewöhnt (Szene aus "Erotische Geschichten aus 1001 Nacht", der kurz davor entstanden war).

1976 sorgte der japanische Film "Im Reich der Sinne" von Nagisa Oshima für Proteste. Der Regisseur hatte das Material bereits nach Paris zur Entwicklung schicken müssen, weil kein japanisches Labor etwas damit zu tun haben wollte. Immerhin geht es um eine leidenschaftliche Beziehung, die in der Aufforderung des Mannes gipfelt, ihn zu töten und zu kastrieren.

Noch während der Erstaufführung auf der Berlinale 1976 beschlagnahmte die Polizei dann den Film. Der Vorwurf: Es handele sich um "harte Pornografie". Nach einer gerichtlichen Bestätigung des behördlichen Vorgehens …

… urteilte 1978 der Bundesgerichtshof als höchste Instanz, dass es sich nicht um Pornografie handele - "Im Reich der Sinne" kam danach ungekürzt ins Kino (anders als in Japan, wo er geschnitten werden musste).

Die an Sex-Skandalen reichen 70er-Jahre endeten mit "Caligula" von Tinto Brass mit Malcolm McDowell als Titelhelden (M.), Peter O'Toole und …

… Helen Mirren in einer Nebenrolle. Einige Darsteller distanzierten sich bald nach Erscheinen von dem Film.

Denn produziert wurde er vom Magazin "Penthouse" und dessen Chef änderte ohne Mitwirkung des Regisseurs etliche Szenen, entfernte einige davon und fügte stattdessen harte Sexszenen hinzu (die nicht von den eigentlichen Dreharbeiten stammten).

Der Film wurde daraufhin von Kritik und Publikum scharf angegriffen. In Deutschland wurde er indiziert.

"Üppiges, spekulatives Sittengemälde voller Sex, Gewalt und Sadismus", schrieb das Lexikon des Internationalen Films.

Um überhaupt für ein Publikum ab 18 Jahren in Kinos gezeigt werden zu können, wurde der Film fast um die Hälfte gekürzt. Bis heute sind nur geschnittene Versionen erhältlich. Dafür gibt es Fortsetzungen, die sich den Skandal zunutze machten.

Auch das neue Jahrzehnt - die 80er - hatten so ihre Skandale, selbst wenn Erotikfilme längst den Massenmarkt erreicht hatten. Aber es gab trotzdem noch Grenzen und Tabus, die angerührt wurden. So etwa 1980 in "Cruising" von William Friedkin.

Al Pacino spielt einen Cop, der wegen einer Mordserie in New Yorks schwuler Leder- und Sadomaso-Szene ermittelt.

Der Film sorgte zunächst für heftige Proteste von Schwulenverbänden, die befürchteten, dass Homosexuelle in schlechtem Licht dargestellt und auf Leder und Sadomaso reduziert werden könnten. Inzwischen wird der Film aber nicht mehr so kritisch gesehen.

Allerdings wurden explizite schwule Sexszenen aus Clubs, in denen gedreht wurde, aus dem Film entfernt, um eine R-Wertung zu erreichen. Insgesamt soll es sich um 40 Minuten handeln, die als verloren gelten.

In "Interior. Leather. Bar." von 2013 nahmen James Franco und Travis Mathews diese Tatsache auf. Die Dokufiktion handelt von Dreharbeiten zu einem Film, der die verlorenen Szenen nachstellen will.

Für Aufregung sorgte 1981 "Wenn der Postmann zweimal klingelt" - wegen der leidenschaftlichen Sexszenen mit Jack Nicholson und ...

... Jessica Lange, die eine Femme fatale spielt.

Kein wirklicher Skandal, aber ein ikonischer Mainstream-Erotikfilm wurde "9 ½ Wochen" aus dem Jahr 1986.

Die erotische Spannung zwischen Mickey Rourke und Kim Basinger erinnerte Filmkritiker Roger Ebert an "Der letzte Tango in Paris".

Berühmt wurde vor allem die Szene vor dem Kühlschrank. Durcheinanderessen kann schließlich schlimm enden.

Rourke jedenfalls avancierte zum Sexsymbol und untermauerte dies ein paar Jahre später in "Wilde Orchidee", aus dem einige explizite Szenen für den Kinostart entfernt wurden.

Dass solch erotische Filme (hier nochmal "9 ½ Wochen") keinen Skandal mehr auslösten, zeigt aber, ...

... wie sich die Ansichten über das, was gezeigt werden kann, in nicht mal 20 Jahren verändert haben. Dazu gehörte etwa auch die Liebesszene zwischen Kevin Costner und Sean Young in "No Way Out", bei der die Fenster einer Limousine beschlagen.

Da brauchte es schon einen Film wie "Die letzte Versuchung Christi", um einen Skandal auszulösen. In dem Film steigt Jesus (Willem Dafoe) nach seiner Kreuzigung herab und gründet mit Maria Magdalena (Barbara Hershey) eine Familie.

Nicht genug, dass damit der Tod am Kreuz ad absurdum geführt wurde. Dass Jesus sich überhaupt der fleischlichen Lust hingibt, reichte schon, um etliche Kirchenvertreter auf die Palme zu bringen. Dabei wurde der Sex nicht einmal gezeigt.

Mehr für Aufsehen als für einen Skandal sorgte 1992 "Basic Instinct". Es kam schon während der Dreharbeiten zu Protesten, weil das Drehbuch als skandalträchtig galt.

Auch zum Filmstart gab es Proteste in den USA, wo der Film um eine Minute geschnitten wurde. In Deutschland kam er ohne Zensur ins Kino, wozu die "Bild"-Zeitung titelte: "Der schweinischste Film aller Zeiten".

"Basic Instinct" wurde zum großen Erfolg, vor allem für Hauptdarstellerin Sharon Stone, die nicht nur wegen der freizügigen Verhörszene zum Sexsymbol wurde.

Für Diskussionen sorgte 1995 "Kids" von Larry Clark. Die Darsteller waren zwar volljährig, doch sie spielen Minderjährige, …

… die auch beim Sex zu sehen sind.

Darunter war auch Nachwuchstalent Chloë Sevigny.

Sie sorgte einige Jahre später für Aufsehen, als sie in "The Brown Bunny" von Vincent Gallo einen kurzen Auftritt hat.

Darin bläst sie Regisseur und Hauptdarsteller Gallo einen - und das spielt sie nicht nur.

Darstellungen von Orgien wie in "Eyes Wide Shut" von Stanley Kubrick erregten dagegen kaum noch die Gemüter. Skandale gab es nur noch wegen der Art der Darstellung von Sex, die mal zu freizügig, mal extrem oder gewalttätig war.

Das gilt etwa für den von der Kritik verrissenen Film "Idioten" von Lars von Trier mit seinen Gruppensex-Szenen.

Auch "Shortbus" von John Cameron Mitchell handelt von einer Gruppe Menschen, die sich in einem Club zu regelmäßigem Gruppensex trifft.

Mitchell (nicht im Bild) musste wegen des Films um ihren Job beim kanadischen öffentlich-rechtlichen Radio bangen.

Nur wegen Protesten prominenter Künstler behielt sie ihn.

Kontrovers diskutiert wurden auch die freizügigen Sexszenen in "Intimacy" nach seiner Premiere auf der Berlinale 2001 - wo er dann aber den Goldenen Bären gewann.

Im Fall von "9 Songs" von Michael Winterbottom wurde erneut die Grenze zur Pornografie debattiert.

Denn dem Film fehlt nicht nur eine wirkliche Handlung, wie das auch bei Pornos der Fall ist. Er zeigt auch in Nahaufnahmen Sexszenen und Geschlechtsteile seiner Hauptdarsteller sowie Ejakulation und Penetration - so offen wie selten ein Film eines so bekannten Regisseurs davor.

Später sorgte Winterbottom übrigens für Aufregung auf der Berlinale wegen seines Films "The Killer Inside Me" mit Casey Affleck und ...

... Jessica Alba - wegen seiner realistischen Gewaltszenen und sexuellen Übergriffe.

"Baise-moi (Fick mich!)" von Virginie Despentes (Bild) sorgte im Jahr 2000 wegen Vergewaltigungs- und Gewaltszenen vor allem in Frankreich für Proteste, wo die Freigabe ab 16 nach einer Klage verschärft wurde, was einem Verbot gleichkam.

Auch brutale Vergewaltigungs- und Gewaltszenen in "Irreversibel" mit Monica Bellucci und Vincent Cassell sorgten für scharfe Kritik.

"Blau ist eine warme Farbe" sorgte dagegen für einen Skandal, weil die Hauptdarstellerinnen erklärten, sie hätten sich während der Dreharbeiten wie Prostituierte und erniedrigt gefühlt.

Die Autorin der Comicvorlage kritisierte zudem die Sexszenen, die sie als Pornografie bezeichnete (im Bild: Hauptdarstellerin Léa Seydoux).

Für Skandale ist aber nach wie vor auch Lars von Trier gut. "Antichrist" von 2009 mit Charlotte Gainsbourg und Willem Dafoe wurde wegen expliziter Sex- und Gewaltszenen kritisiert.

Die unabhängige Ökumenische Jury kirchlicher Filmorganisationen verlieh dem Film auf dem Festival von Cannes 2009 - erstmals in ihrer Geschichte - einen Anti-Preis. Gainsbourg nahm dagegen den Preis für die beste Schauspielerin entgegen.

Von Trier war so begeistert von der Französin, dass er sie auch in den folgenden Filmen besetzte - darunter der Zweiteiler "Nymphomaniac", ...

... der von einer Frau handelt, die ihr großes sexuelles Verlangen stillen will. Auf der Berlinale 2014, wo die unzensierte Langfassung lief, wurde heftig über den Film diskutiert - wegen angeblicher realer Sexszenen.

Nun erlebt "Fifty Shades of Grey" auf den Berliner Filmfestspielen 2015 seine Weltpremiere. Auch zu diesem Film wird es vermutlich wieder Skandal-Rufe geben.

Ein echter Skandal aber wird es kaum sein. Das hat die Filmwelt hinter sich.

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