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Filmfest in Cannes 2013: Zu schwul, Schüsse, Jugendwahn, deutsches Drama

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Hätten Sie die beiden erkannt? (Foto: dpa)

Hätten Sie die beiden erkannt?

Hätten Sie die beiden erkannt?

Ja, es sind Michael Douglas und Matt Damon in ...

... - psst - ...

... Steven Soderberghs angeblich letzter Regiearbeit "Behind the Candelabra".

Soderbergh vereint hier den mittlerweile 68-jährigen Michael Douglas als schillernden US-Entertainer Liberace und den 42 Jahre alten Matt Damon als dessen deutlich jüngeren Liebhaber vor der Kamera ...

... und sorgt damit für einen der emotionalsten Momente beim diesjährigen Filmfestival Cannes: Hollywoodstar Michael Douglas erinnert sich bei der Pressekonferenz daran, wie Soderbergh ihm damals die Rolle des extravaganten Pianisten Liberace anbot, und ihm steigen Tränen in die Augen, seine Stimme bricht.

"Das war nämlich gleich nach meiner Krebserkrankung."

Das Filmrollenangebot sei da ein wunderbares Geschenk gewesen, ...

... und er sei Soderbergh "und all den anderen unendlich dankbar, dass sie auf mich gewartet haben".

Den Krebs hat der Oscar-Preisträger nach eigener Aussage mittlerweile besiegt - und feierte nun mit seiner Rolle in "Behind the Candelabra" ein grandioses Comeback nach der Erkrankung.

Die ersten Kritiker sehen ihn bereits mit der Auszeichnung als bester Schauspieler nach Hause fahren.

Tatsächlich liefert Douglas eine seiner stärksten und verletzlichsten Darstellungen ab. Er gibt Liberace (1919-1987), den gefeierten Entertainer, der ab den 1950er Jahren mit seinen flamboyanten und glamourösen Shows bekannt wurde.

Für viele gilt er als Vorreiter von Stars wie Elvis Presley, Madonna und Lady Gaga: ...

... Seine Kostüme glitzerten und funkelten, er erzählte amüsante Geschichten und spielte wie ein Besessener auf seinem Klavier.

Was jedoch lange Zeit verheimlicht wurde, war Liberaces Homosexualität.

Soderberghs Film schaut auf die gut fünfjährige Beziehung von Liberace zu dem Jahrzehnte jüngeren Scott Thorson.

Soderbergh ("Ocean's"-Filme, "Side Effects") inszeniert seinen letzten Film vor seiner bereits angekündigten längeren Auszeit als Regisseur zwar opulent im Stil der 70er und 80er Jahre, verliert sich dabei jedoch nie im Grotesken oder Überzeichneten, sondern kreiert vor allem ein einfühlsames Porträt einer lange verheimlichten Beziehung.

Die Stärke des Films sind Douglas und Damon.

Douglas' Liberace ist selbstverliebt, ausschweifend und einsam zugleich, während Damon eine enorme Wandlung vom jungenhaften Gespielen zum drogensüchtigen und mehrfach schönheitsoperierten Wrack durchmacht.

Doch es ist vor allem die Intimität und Zärtlichkeit der beiden, die ihre Darstellung als Paar glaubwürdig macht.

Nach Douglas' Tränen fand das Team in Cannes schnell wieder zum Lachen zurück. Wie es gewesen sei, mit Douglas ins Bett zu steigen?

"Jetzt habe ich etwas mit Sharon Stone und Glenn Close gemeinsam", scherzte Damon ...

... in Anspielung auf "Basic Instinct" und "Eine verhängnisvolle Affäre".

Der Film kommt vorerst übrigens nicht ins US-Kino - zu schwul für die Leinwand. Das Biopic läuft am 26. Mai auf dem Privatsender HBO.

So manch ein Filmfestival plätschert ja tagelang gemächlich dahin, ohne jedoch einen wirklichen Favoriten auf den Hauptpreis hervorzubringen. Bei den diesjährigen Internationalen Festspielen in Cannes ist das anders. Denn die Bilanz fällt angesichts der erstaunlich vielen starken Beiträge äußerst positiv aus. (dieses und nächstes Foto: Szene aus "La Grande Bellezza")

Dabei stechen vor allem drei Werke hervor: ein gesellschaftskritisches Sozialdrama aus China, die Beziehungsanalyse des Iraners Asghar Farhadi und das melancholische Porträt eines Folkmusikers der in Cannes schon mehrfach ausgezeichneten Brüder Ethan und Joel Coen.

Sehr preisverdächtig ist "Inside Llewyn Davis" der Arthouse-Regiegrößen Ethan und Joel Coen.

In einem gemächlichen Rhythmus porträtieren sie den Folkmusiksänger Llewyn Davis, wie er wenig erfolgreich durch das New York der 1960er Jahre treibt. Die Coens lassen sich Zeit für genaue Beobachtungen und - wie immer - schräge Details und Charaktere. Vor allem ihr Hauptdarsteller Oscar Isaac ...

... stellt in seiner ersten großen Hauptrolle die Stars Carey Mulligan und Erfolgsmusiker Justin Timberlake in Nebenparts glatt in den Schatten und katapultiert sich im Rennen um eine Auszeichnung weit nach vorne.

Die Story: Llewyn Davis muss immer wieder auf den Sofas seiner Freunde schlafen, ...

... unter anderem eben bei Jean (Carey Mulligan) und Jim (Justin Timberlake). "Inside Llewyn Davis" schlägt dabei melancholische und schräg-humorvolle Töne an und ist einfach wundervoll gefilmt.

Die Coen-Brüder sind in Cannes etablierte, alte Bekannte. Sie kamen schon mit ihren früheren Werken wie "No Country for Old Men", "The Ladykillers" und "Fargo" nach Südfrankreich - und gewannen dort bereits einige Preise, darunter 1991 die Goldene Palme für ihr surreales Drama "Barton Fink".

Mit "Inside Llewyn Davis" beweisen die Brüder erneut, dass sie auf kein Genre festzulegen sind; sie betreten erneut neues Terrain.

Die Farben sind gesättigt und langsame Kamerafahrten erzeugen eine ganz eigene, ruhige Stimmung, die gleichzeitig bestens zur melancholischen Grundstimmung des Protagonisten passt: ...

... Llewyn Davis hört nicht auf, auf immer neue Chancen zum Erfolg zu hoffen und scheitert doch jedes Mal.

Ganz anders als die Coen-Brüder: Ihnen gelingt es, dem Werk trotz aller Tragik den für sie berühmten lakonischen Humor zu bewahren.

In Details und einzelnen Bildern erkennen sie das Absurde und Skurrile und bringen die Zuschauer damit immer wieder zum Lachen.

In der Hauptrolle glänzt Oscar Isaac, ...

... doch auch Erfolgsmusiker Justin Timberlake und vor allem Schauspielerin Carey Mulligan - ...

... die schon im Cannes-Eröffnungsfilm "Der große Gatsby" zu sehen war - ...

... können mit ihren kleineren Parts Akzente setzen.

Einen Geheimtipp, wie strauchelnde Musiker erfolgreich werden können, hatte Timberlake in Cannes dann zwar nicht parat. Er riet jedoch, nicht zu schnell aufzugeben, sondern an sich zu glauben.

"Man darf nicht zu sehr daran denken, was die Reaktion anderer Menschen sein könnte."

Da wir schon beim "Großen Gatsby" waren: Der Eröffnungsfilm von Baz Luhrman ("Moulin Rouge"), der außer Konkurrenz lief, ...

... hat es auf Anhieb an die Spitze der deutschen Kino-Charts geschafft.

Die Neuverfilmung des Romans von F. Scott Fitzgerald mit Leonardo DiCaprio und Carey Mulligan sahen bereits 258.000 Zuschauer in den ersten Tagen nach Kinostart zwischen Donnerstag und Sonntag.

Und doch wurde der Eröffnungsfilm, in dem neben DiCaprio Tobey Maguire eine Hauptrolle spielt, bei einer Voraufführung für die Presse eher kühl aufgenommen.

Luhrmann amüsierte sich inzwischen bereits prächtig bei der Premiere auf seinem Heimatkontinent Australien und: ...

... Es heißt schon, wenn Leo DiCaprio dieses Mal keinen Oscar gewinnen sollte, laufe etwas falsch.

Apropos Australien: Kollegin Kidman sitzt ja in der Jury und lässt tief blicken.

Sie fühle sich derzeit wie in der Schule.

Ihre Arbeit als Jurymitglied beim Filmfestival Cannes sei harte Arbeit, erzählte die 45-jährige Oscarpreisträgerin ("Moulin Rouge").

"Wir haben schon um 7.00 Uhr morgens Treffen und ich sehe jeden Tag viele Filme - ich muss."

Sie habe das Gefühl, wieder in der Filmschule zu sein und Filme aufzusaugen: "Ich liebe es."

Viel Freizeit bleibt da allerdings nicht.

"Ich gehe fast zu gar keiner Party." (Oder nur heimlich ...)

Kidman ist neben anderen Filmschaffenden wie Christoph Waltz Mitglied der diesjährigen Festivaljury, die die Preise am 26. Mai vergibt.

Außerhalb des Wettbewerbs sorgten zwei andere Werke für Aufmerksamkeit: Für den Thriller "Blood Ties" um zwei gegensätzliche Brüder ...

... reiste mit Clive Owen, Marion Cotillard ...

... und Mila Kunis gleich ein ganzes Hollywood-Stargeschwader an, ...

... während die Dokumentation "Seduced and Abandoned" mit Alec Baldwin die zwei Seiten der glänzenden Filmbranchen-Medaille offenbart.

Produzenten gewähren einen Einblick in das Geschäft hinter den Kulissen, in der nur der Profit an der Kinokasse zählt, während Regielegenden wie Roman Polanski (r), Francis Ford Coppola ...

... und Bernardo Bertolucci (l) von den Schwierigkeiten erzählen, einen Film finanziert zu bekommen.

"Seduced and Abandoned" ("Verführt und verlassen") wird so zu einer ungewöhnlichen Hommage und Kritik auf die Filmbranche insgesamt und das Filmfest Cannes im Speziellen.

Ungewöhnlich auch diese Randnotiz: Frankreichs Première Dame Valérie Trierweiler hat in Cannes für Aufsehen gesorgt, indem sie an der Premiere des Films "Le dernier des injustes" (Der letzte der Ungerechten) von Claude Lanzmann teilnahm.

Lanzmann zeigte sich geehrt. "Ich weiß das zu würdigen, dass Sie eigens wegen mir zum Festival gereist sind", fügte er hinzu. Man kenne sich schon aus früheren Zeiten, als sie noch Journalistin gewesen sei, erklärte der 87-jährige Dokumentarfilmer und Schriftsteller.

Mit seiner knapp zehnstündigen Zeitzeugen-Dokumentation "Shoah" hat Lanzmann 1986 Geschichte geschrieben. Das Werk wurde damals erstmals in Berlin gezeigt. Auf der diesjährigen Berlinale wurde Lanzmann mit dem Ehrenbären ausgezeichnet, der höchsten Auszeichnung des Festivals.

Frauen haben es übrigens immer noch schwer in Cannes.

In freizügigen oder ...

... eleganten Abendkleidern auf dem roten Teppich sind sie zwar gern gesehen.

Doch trotz heftiger Kritik im vergangenen Jahr hat es diesmal nur eine einzige Regisseurin in den Wettbewerb der größten und glamourösesten Filmfestspiele der Welt geschafft: Valeria Bruni Tedeschi, ...

... die ältere Schwester von Carla Bruni-Sarkozy.

Ansonsten dominieren auch in diesem Jahr wieder die Männer das Rennen um die Goldene Palme.

Für die französisch-italienische Regisseurin und Schauspielerin Valeria Bruni-Tedeschi ist die Arbeit eine Therapie.

"Ich bin im wahren Leben verklemmt und ängstlich. ...

... Das Kino gibt mir die Freiheit, das zu spielen, was ich im wahren Leben nicht wage zu tun", so die 48-Jährige.

Die Schauspielerin, Regisseurin, Drehbuchautorin und Sängerin präsentiert ihren Film ...

... "Un château en Italie", ihre dritte Regiearbeit.

Man solle jedoch Therapie nicht mit Psychotherapie verwechseln, fügte Bruni-Tedeschi hinzu, die in dem autobiografisch angehauchten Film über eine italienische Familie der industriellen Bourgeoisie selbst mitspielt.

Sie sei unausgeglichen, gestand die Schauspielerin auf einer Pressekonferenz weiter ein. Louis Garrel, der in der Tragikomödie neben ihr die Hauptrolle spielt, fügte schmunzelnd hinzu, sie sei eher chaotisch, was sich auch in ihrer Handtasche widerspiegelt.

Der um 18 Jahre jüngere Franzose ist der Lebensgefährte von Bruni-Tedeschi.

Was noch? Für Robert Redford war das Ein-Mann-Natur-Drama "All Is Lost" eine der größten schauspielerischen Herausforderungen seines Lebens.

"Der Film war körperlich hart", sagte der US-amerikanische Schauspieler und Regisseur in Cannes.

In dem Film, der außer Konkurrenz gezeigt wurde, spielt Redford einen Schiffbrüchigen, der allein gegen die ungestüme Kraft der Natur kämpft.

Hätte er das früher gewusst, hätte er es sich vielleicht anders überlegt, aber auf halber Strecke habe er nicht mehr umkehren können, sagte der Filmstar scherzend.

Er sei bis an die Grenze seiner körperlichen Möglichkeiten gegangen, aber er habe auch gewusst, dass er diese Herausforderung schaffen werde, betonte Redford, der seine Frau Sibylle mit nach Cannes brachte.

Und das ist die Story: Ein Mann segelt mit seinem Einmaster im Indischen Ozean, als sein Schiff von einem treibenden Metallcontainer gerammt wird und Wasser in das Boot eindringt.

Damit beginnt eine achttägige Odyssee, während der er einsam und verzweifelt um sein Leben kämpft.

Das knapp zweistündige, mit Applaus gefeierte Werk des US-amerikanischen Drehbuchautors und Regisseurs J. C. Chandor kommt ohne Dialoge aus und lebt von der Spannung des täglichen Kampfs gegen die Naturgewalten und der schauspielerischen Leistung des 76-jährigen Redford.

Das Ein-Mann-Naturdrama ist der zweite Langfilm Chandors, der 2011 mit dem Wirtschaftsthriller "Der große Crash - Margin Call" bekannt geworden ist.

Redfords Leistung gehört also zu den wortkargeren Beiträgen dieses Festivals. Der andere wortkarge Beitrag jedoch kam nicht so gut an: ...

... Ryan Gosling will in "Only God Forgives" den Tod seines Bruders rächen.

Der dänische Regisseur Nicolas Winding Refn inszenierte das Werk als traumähnliches Gleiten durch Bangkoks Nachtleben, was auf einige Zuschauer jedoch etwas langatmig und prätentiös wirkte - und nach der ersten Vorführung Buh-Rufe bekam.

Winding Refn (hier mit Kristin Scott Thomas), in Cannes vor zwei Jahren für "Drive" mit dem Regiepreis ausgezeichnet, erzählt in seinem Wettbewerbsbeitrag ...

... von Julian (Gosling), der in Thailand den Mörder seines Bruders finden will. Das kommt jedoch nicht als Actionfilm daher, sondern ist in langsamen Bildern und stylish-durchkomponiert gefilmt.

Der Protagonist scheint wie in Trance durch die Stadt zu gleiten. Winding Refn verglich seinen Ansatz mit der Idee des Schlafwandelns. "Er ist ein Mann, der auf einer Reise ist, aber nicht weiß, wohin es geht."

Anders als die meisten anderen Stars, die es sich nicht nehmen lassen, zur Premiere ihres Film über Cannes' roten Teppich zu laufen, reiste Frauenschwarm Gosling ("Drive", "Crazy, Stupid, Love.") nicht an. Ihm gefalle der Film nicht, munkelte manch ein Kritiker beim Festival.

Für den spanisch-deutschen Schauspieler Alex Brendemühl war es "ein schmerzhafter Prozess", in die Rolle des KZ-Arztes Josef Mengele zu schlüpfen. "Das war wie eine Wiederholungsstunde des Zweiten Weltkriegs und all der Verbrechen dieser Person. Es dreht sich dir der Magen um, aber man kann sich einer Figur nicht nähern, wenn man sich nicht in sie vertieft", so Brendemühl in Cannes.

Brendemühl spielt den Kriegsverbrecher in dem argentinischen Film "Wakolda" der Regisseurin Lucía Puenzo (2.v.r.)

Der am 27. November 1972 als Sohn eines deutschen Vaters und einer spanischen Mutter in Barcelona geborene Schauspieler sagte, er habe die Regisseurin kennengelernt, weil er ihr auf verschiedenen Festivals über den Weg gelaufen sei. Eines Tages habe er von ihr eine E-Mail mit einem Foto Mengeles und einem von ihm selbst erhalten. "Ich will, dass du es machst", habe Puenzo ihm geschrieben.

Der SS-Arzt Josef Mengele (1911-1979) wurde wegen seiner grausamen Menschenexperimente im Vernichtungslager Auschwitz bekannt. Nach dem Krieg floh er nach Südamerika. Er starb in Brasilien.

Der Film umfasst einen Lebensabschnitt Mengeles in Argentinien, kurz bevor er sich ins Nachbarland Uruguay absetzte, weil er sich in Argentinien nicht mehr sicher fühlte, nachdem der Holocaust-Organisator Adolf Eichmann vom israelischen Geheimdienst entführt worden war.

Leichteren Stoff bietet erstaunlicherweise Roman Polanski an: Sein bisher unbekannter Film hat die Zuschauer in Cannes begeistert. Der Film "Weekend Of A Champion" zeigt ein paar Tage im Leben des dreifachen britischen Formel-1-Weltmeisters Jackie Stewart.

Der Dokumentarfilm wurde 1971 während des Großen Preises von Monaco gedreht. "Selbst mir war dieser Film unbekannt", sagte der künstlerische Leiter des Festivals, Thierry Frémaux. Der eineinhalbstündige Film schildert die Vorbereitungen vor dem Grand-Prix-Rennen, den Werberummel und die allmählich steigende Anspannung.

Der Film wurde in Anwesenheit von Roman Polanski, der im August 80 wird, und dem heute 73-jährigen Jackie Stewart gezeigt. Beide sind befreundet, was damals auch ein Grund für den Film war. "Zudem war ich damals ein leidenschaftlicher Fan von Geschwindigkeitsrennen", erklärte der polnisch-französische Filmregisseur, Drehbuchautor und Schauspieler.

"Weekend Of A Champion" wurde 1972 auf der Berlinale gezeigt, ist international jedoch nie in die Kinos gekommen. Polanski hat den Film, den er zusammen mit Frank Simon gedreht hat, für Cannes restauriert.

Deutsche Namen sind in Cannes tatsächlich noch immer selten. Im Wettbewerb gibt es kein einziges Werk eines deutschen Regisseurs, sonst nur Produktionen, die mit deutschem Geld ko-finanziert wurden. In der Nebenreihe "Un certain regard" zeigt die Deutsche Katrin Gebbe immerhin ...

... ihr Debüt "Tore tanzt". Der Film erzählt von dem jungen Gläubigen Tore, der durch Zufall zu Benno und dessen Familie stößt. Was als Freundschaft beginnt, entwickelt sich auf subtile Weise immer mehr zu grausamem Missbrauch und menschenunwürdigen Erniedrigungen.

Deutlich präsenter sind dagegen die US-Amerikaner und die Franzosen, die zusammen mehr als die Hälfte der 20 Wettbewerbsbeiträge stellen. Viele von ihnen sind zudem bekannte Autorenfilmer-Veteranen, die in Cannes und anderen Festivals schon alte Bekannte sind.

Zu diesen Höhepunkten zählt beispielsweise ...

... François Ozon ("8 Frauen"), ...

... ... der mit "Young & Beautiful" ...

... erneut ein junges Mädchen in den Mittelpunkt stellt.

Für den Wettbewerbsbeitrag "Jimmy P.: Psychotherapy of a Plains Indian" des Franzosen Arnaud Desplechin kamen Benicio Del Toro ...

... und Mathieu Amalric nach Cannes.

Desplechins Film basiert auf wahren Begebenheiten: Der Indianer Jimmy (Del Toro, Oscar für "Traffic") ist nach seinem Einsatz im Zweiten Weltkrieg in Frankreich in die USA zurückgekehrt ...

... und leidet an diffusen körperlichen Beschwerden. In einem Militärkrankenhaus ...

... trifft er auf den französischen Anthropologen Georges Devereux (Amalric, einstiger "James Bond"-Bösewicht), ...

... mit dessen Hilfe er zurück ins Leben findet.

Die Premiere ließ sich niemand mit Rang und Namen entgehen.

Nach China: Es sind bedrückende Bilder, die Jia Zhangke in "A touch of sin" aus dem modernen China zeigt.

Basierend auf vier wahren Fällen zeichnet der Regisseur ein Kaleidoskop des Landes, in dem emotionale Einsamkeit und die Gier nach Geld die Gesellschaft auf die Probe stellen.

Vier Fälle, die mit dem Tod - Mord oder Selbstmord - enden; ...

... vier Fälle von Verlorenheit in der Post-Kommunismus-Ära.

Das ist aufrüttelnd und mutig, denn Jia scheint keine Scheu zu haben, die Wirtschaftsmacht recht offen zu kritisieren.

Der iranische Regisseur Asghar Farhadi - oscarprämiert für sein Beziehungsdrama "Nader und Simin" - sucht einen intimeren Zugang und fokussiert in "The Past" auf eine einzelne Familie: ...

... Als Ahmad für die Scheidung von Marie (Bérénice Bejo, "The Artist") aus dem Iran nach Paris reist, erfährt er von einem Geheimnis aus der Vergangenheit, ...

... das die Beziehungen aller Beteiligten in Frage stellt.

In seinem ersten außerhalb der Heimat gedrehten Film stellt Farhadi anders als in seinen Vorgängerwerken keine Verbindung zu gesellschaftlichen Missständen her, ...

... sondern belässt es bei seiner Analyse einer auf die Probe gestellten Familie.

Die Hauptdarstellerin jedenfalls machte klar, ...

... was Sie bei diesem Film dringend brauchen: ...

... Taschentücher!

Ein Clou in Cannes versteckt sich in einer Nebenreihe: "The Bling Ring" von Sofia Coppola eröffnet die renommierte Sektion "Un certain regard".

In dem auf wahren Begebenheiten basierenden Drama spielt "Harry Potter"-Star Emma Watson eine von mehreren jungen Frauen, die in die Häuser von Prominenten einbrechen.

Und so traurig es nun auch ist: ...

... Wir schließen den Überblick an dieser Stelle und freuen uns mit Marion Cotillard ...

... und Jeremy Renner, die mit ihrem Film "The Immigrant" anreisten, auf die Gewinner. (soe)

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