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Vom Stadtwald raus in die Welt: 75 Jahre Flughafen Frankfurt

 
Vom Stadtwald raus in die Welt: 75 Jahre Flughafen Frankfurt

Das Gelände schnöde einen Flughafen zu nennen, wäre fast untertrieben.

Wegen ihm wurden Bücher verfasst und Filme gedreht.

Dennoch wird dieser Tag in der bewegenden Geschichte des Frankfurter Flughafens wohl dennoch eher vom Alltag geprägt sein.

Der Frankfurter Airport ist inzwischen älter als 75 Jahre.

Es war der 8. Juli 1936, als es zum ersten Mal über dem Stadtwald im Frankfurter Süden knatterte. Ein Kleinflugzeug zuckelte heran und gab damit das Startsignal für den Betrieb am "Flug- und Luftschiffhafen Rhein-Main".

Nur kurz war der Jungfernflug - knapp zehn Kilometer Luftlinie hatte die Maschine zurückgelegt, vom alten Frankfurter Flugplatz zum neuen.

Heute zählt der "Frankfurt Airport" neben London, Paris und Amsterdam zu den großen vier in Europa.

Ihm kommt im internationalen Luftverkehr "eine Drehscheibenfunktion" zu, sagt Luftfahrtexperte Cord Schellenberg.

"Die Reisenden im Europaverkehr sammeln sich hier und gehen weiter auf die Langstrecken."

53 Millionen Passagiere starteten oder landeten laut der Flughafenvereinigung AIC im Jahr 2010 in Frankfurt am Main, der Airport war damit beim Passagieraufkommen Nummer neun in der Welt.

Insgesamt zählte die AIC im in diesem Zeitraum rund 460.000 Starts und Landungen für Frankfurt. Das macht 1260 am Tag.

Im Schnitt hebt und senkt sich damit fast jede Minute ein Flugzeug am Himmel über Rhein-Main.

Verglichen mit dem weltgrößten Airport in Atlanta sind das zwar gerade einmal halb so viele Flugbewegungen …

… aber immerhin ein Fünftel mehr als bei der deutschen Nummer zwei, dem Flughafen München.

Diese Größe gab und gibt es nicht umsonst. Mehrmals wurde der Flughafen ausgebaut - unter lautem Protest.

"Es ist immer die große Konfrontation Piste statt Wald", beschreibt Schellenberg eine der Haupt-Konfliktlinien.

Historische Ausmaße hatten die Proteste gegen die Startbahn West in den 80er Jahren.

Sie mobilisierten mehr als hunderttausend wütende Bürger.

Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei - auf deren Höhepunkt Schüsse fielen.

Zwei Polizisten starben.

Dem weiteren Flughafenausbau taten die Ereignisse keinen Abbruch.

Im Oktober 2011 kommt im Gebiet um den Kelsterbacher Wald die neue Landebahn Nordwest hinzu.

Das heißt laut Betreibergesellschaft Fraport im kommenden Winterfahrplan pro Stunde bis zu zehn Flieger mehr.

Und das heißt auch mehr Fluglärm über der Region.

"Die mit dem Ausbau einhergehenden gesundheitlichen Belastungen hunderttausender Menschen durch Lärm und Schadstoffe werden billigend in Kauf genommen", kritisiert das Bündnis der Bürgerinitiativen.

Nein, die neue Landebahn sei "das schönste Geschenk", das Fraport und Politik dem Flughafen hätten machen können, sagt dagegen Luftfahrt-Experte Schellenberg.

"Die neue Piste eröffnet Frankfurt eine Perspektive, die sich andere Flughäfen nur wünschen können".

Bis zum Jahr 2020 will Fraport mit der neuen Landebahn das jährliche Passagieraufkommen auf 88 Millionen erhöhen.

An diesem Ziel werken die Mitarbeiter sieben Tage die Woche.

Fast 70.000 Menschen arbeiten auf dem Flughafen.

Rund 200 von ihnen leben sogar dort. Seit 1974 gilt das Areal als eigener Bezirk der Stadt Frankfurt.

"Die Leute sind dort polizeilich gemeldet", sagt ein Stadtsprecher. "Bei Wahlen in Rhein-Main gibt es für sie auch Wahllokale."

Die Einwohner von Flughafen lebten häufig in Dienstwohnungen, die meisten im Hotel.

Die Sektkorken knallten nicht, weder in Hotel, noch Wohnung oder Büro. Ein Flughafenfest gab es Ende Juni 2011.

Und am 8. Juli wurde nicht nochmals eigenständig gefeiert.

Die Besucher bemerkten nichts vom Jubiläum.

Sie kamen und gingen, fliegen ab und kamen an. Alles wie immer, seit 75 Jahren. (Text: AFP, Bilder: Fraport AG, dpa)

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