Das Beruhigungsmittel Contergan war das größte Unglück der Pharmaindustrie.Bild 1 von 31 Ende der 50er Jahre kamen mißgebildete Kinder zur Welt - ohne Arme und ohne Beine.Bild 2 von 31 Die Hände waren an den Schultern angewachsen.Bild 3 von 31 Die Füße wuchsen an winzigen Gliedmaßen.Bild 4 von 31 Mindestens 2500 Jungen und Mädchen in Deutschland waren so geschädigt, mehr als 10.000 weltweit.Bild 5 von 31 Das Medikament war unter der Leitung von Dr. Heinrich Mückter in der Forschungsabteilung der Stolberger Firma Grünenthal entwickelt worden.Bild 6 von 31 Der Wirkstoff Thalidomid war zunächst als Mittel gegen Allergien erforscht worden. Dass es Schlaf bringt, war zunächst nur eine Nebenwirkung, die die Ärzte aber bald als Hauptwirkung ansahen.Bild 7 von 31 Am 1. Oktober 1957 brachte Grünenthal Thalidomid unter dem Namen Contergan in den Handel. Es war in allen Apotheken als Schlaf- und Beruhigungsmittel frei erhältlich.Bild 8 von 31 Es begann ein beispielloser Siegeszug: Contergan eroberte innerhalb von drei Jahren fast die Hälfte des bundesweiten Schlafmittelmarktes. Zwischen Okober 1957 und November 1961 nahmen ca. 5 Millionen Verbraucher 300 Millionen Tagesdosen ein.Bild 9 von 31 Auch international war Thalidomid ein Verkaufsschlager: in 48 Ländern wurden thalidomidhaltige Medikamente vermarktet. Die Herstellerfirma hatte wesentlichen Anteil an diesem Erfolg. Die Werbung versprach die völlige Ungiftigkeit und Unschädlichkeit des Wirkstoffs.Bild 10 von 31 Seit 1959 wurde von Ärzten und Kliniken eine Häufung von furchtbaren Fehlbildungen bei Neugeborenen bemerkt. Da es jedoch kein Meldegesetz für Fehlbildungen gab, blieb das wahre Ausmaß der Katastrophe zunächst im Dunkeln.Bild 11 von 31 Im Spätherbst 1961 äußerten zwei Mediziner, der Hamburger Kinderarzt Widukind Lenz und der australische Gynäkologe William Griffith McBride unabhängig voneinander den Verdacht, dass Thalidomid für die Missbildungen verantwortlich sein könnte.Bild 12 von 31 Seinen Verdacht teilte Lenz (im Bild) am 15. November 1961 dem Forschungsleiter von Grünenthal mit. Er forderte eine sofortige Rücknahme vom Markt. Doch zunächst reagierte der Arzneimittelhersteller nicht.Bild 13 von 31 Erst als ein Zeitungsartikel den Verdacht gegen Contergan publik machte, zog Grünenthal sämtliche thalidomidhaltigen Präparate aus dem Handel. (Foto: Grünenthal Kupferhof)Bild 14 von 31 | Foto: Grünenthal KupferhofDas ganze Ausmaß der Katastrophe wurde erst lange nach der Rücknahme klar: Es stellte sich heraus, dass die Einnahme einer einzigen Tablette während der 4. - 6. Schwangerschaftswoche mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Missbildungen führte.Bild 15 von 31 | Foto: PixelioSchaut man sich die Schwarzweiß-Aufnahmen an, glaubt man trotz der anrührenden Tragik den starken Optimismus der Wirtschaftswunder-Zeit zu erkennen.Bild 16 von 31 Eine Lüge, wie Opfer berichten. Als Kinder mussten sie für solche Bilder posieren, erzählt der Contergan-geschädigte Maler und Fotograf Christian Knabe. (Foto: Knabes Hände)Bild 17 von 31 Ob auf dem Spielplatz oder wie hier auf dem Fahrrad - Hauptsache fröhlich. Die Botschaft sollte lauten: Die gedeihende Republik steckt so etwas weg. Es geht vorwärts, auch Behinderte nehmen am Fortschritt teil.Bild 18 von 31 Gegen Grünenthal wurde Ende 1961 ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Als im April 1967 Anklage gegen mehrere Verantwortliche des Unternehmens erhoben wurde, ... waren die geschädigten Kinder zwischen fünf und neun Jahren alt.Bild 19 von 31 Der Prozess zählt zu den längsten Verfahren Europas. Die Anklageschrift umfasste knapp 1000 Seiten, mehr als 1200 Zeugen wurden vernommen.Bild 20 von 31 Im Dezember 1970 endete der Prozess mit einem Vergleich. Kein Verantwortlicher wurde damals verurteilt. Im Foto zwei der Angeklagten: Dr. Günther Sievers (2.v.r) und Dr. Heinrich Mückter (rechts).Bild 21 von 31 Grünenthal verpflichtete sich, 100 Millionen Mark an eine Stiftung zu zahlen, die sich um die Opfer kümmerte. Diese Zahlung löste aber sämtliche Ansprüche ab. (Foto: Grünenthal Werkszentrale heute)Bild 22 von 31 | Foto: GrünenthalFritz Pleitgen, ein damals noch unbekannter Reporter (1968): "Ich musste damals darüber berichten, und ich habe erlebt wie diese Firma wirklich alles an Rechtsbeistand aufgeboten hat, was in Deutschland Rang und Namen hatte. Das war eine Armada von Rechtsanwälten."Bild 23 von 31 Die Contergan-Katastrophe hatte erhebliche Konsequenzen für das deutsche Arzneimittelrecht. 1976 wurde ein Arzneimittelgesetz verabschiedet, das erstmals ein geregeltes Zulassungsverfahren für neue Medikamente einführte.Bild 24 von 31 Dieses Gesetz trat am 1. Januar 1978 in Kraft. Seit Bekanntwerden des Zusammenhangs von Contergan und den Fehlbildungen bei Neugeborenen waren 17 Jahre vergangen.Bild 25 von 31 Die Contergan-Kinder von einst sind heute Erwachsene. Je nach Schwere ihrer Behinderung erhalten sie bis zu 545 Euro aus dem Opferfonds. Zu wenig, finden die Betroffenen.Bild 26 von 31 Viele von ihnen leiden unter schmerzhaften Folgeschäden. Die einseitigen Belastungen verlangen viel von Muskeln und Knochen, verschleißen früher.Bild 27 von 31 Ein weiteres Problem ist die seelische Erniedrigung. "Ein Contergan-Opfer muss sich mit all seinen Defiziten zeigen, erst als süßes Conti-Kind, dann als Zirkuspferd, das ja soviel schafft ohne Arme und Beine... (im Foto Bettina Eistel, Europameisterin im Dressurreiten)Bild 28 von 31 - man wird bloßgestellt und das Problem wird bagatellisiert", berichtet eine Betroffene. (Symbolbild)Bild 29 von 31 Eines der bekanntesten Contergan-Opfer ist Thomas Quasthoff. Aber auch der Sänger musste bis zu seinem heutigen Ruhm viele Hindernisse überwinden: "Die Musik hat mir über so viel Schlimmes in meinem Leben hinweggeholfen."Bild 30 von 31 50 Jahre nach der Katastrophe geraten die Contergan-Opfer in Vergessenheit. Aber "der Schaden ist nie wirklich gutgemacht worden" klagt der Bund Contergangeschädigter und Grünenthal-Opfer. (Foto: Der contergangeschädigte Anwalt Ashcroft. Alle nicht gekennzeichneten Bilder dpa, AP)Bild 31 von 31