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Pferdefleisch-Betrug größer als bekannt: 124 deutsche Firmen betroffen

Hinter dem Betrug steckt System. Seit mehr als zwei Jahren etikettiert ein Großhändler aus den Niederlanden Pferdefleisch und verkauft es an mehr als hundert Betriebe in ganz Deutschland. Der Verbraucherschutzkommissar Borg spricht von einer "umfassenden betrügerischen Kette".

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Der vor Monaten aufgedeckte, europaweite Betrug mit falsch deklariertem Pferdefleisch ist noch größer als bislang bekannt. Bereits seit mehr als zwei Jahren soll ein Großhändler aus den Niederlanden Pferdefleisch falsch etikettiert und verkauft haben. Bei ihren Nachforschungen stie ßen die Behörden laut EU-Kommission auf insgesamt 50.000 Tonnen Fleisch, bei denen die Herkunft unklar ist. "Die niederländischen Behörden haben bestätigt, dass Pferdefleisch mit Rindfleisch vermischt wurde", sagte der Sprecher von Verbraucherschutz-Kommissar Tonio Borg. Die Niederlande hätten eine "umfassende betrügerische Kette" aufgedeckt.

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In Deutschland sind 124 Betriebe von möglichen Pferdefleischlieferungen aus den Niederlanden betroffen. Diese Fleischhändler, Metzgereien oder weiterverarbeitenden Lebensmittelfirmen hätten seit 2011 Rindfleischlieferungen aus dem Nachbarland erhalten, dem möglicherweise Pferdefleisch beigemischt worden sei, teilte das Bundeslandwirtschaftsministerium mit.

Es seien praktisch alle Bundesländer tangiert, sagte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU). Sie schloss nicht aus, dass falsch etikettiertes Fleisch auch in Deutschland bereits gegessen wurde. Der Verzehr solcher Produkte sei aber nicht gesundheitsgefährdend. Hinweise auf gesundheitliche Gefahren etwa durch Arzneimittelrückstände haben sich nach Angaben der niederländischen Behörden bislang nicht ergeben.

Die für die Lebensmittelkontrollen zuständigen Behörden der Bundesländer würden nun die Rückverfolgung der Lieferungen aus den Niederlanden beginnen und gegebenenfalls die betroffenen Lebensmittel aus dem Verkauf entfernen. "Der Bund hat die Länderbehörden umfassend informiert, so dass unverzüglich mit den Ermittlungen begonnen werden kann", teilte das Bundeslandwirtschaftsministerium mit. Außer dem Saarland und Bremen sei in alle Bundesländer Fleisch aus dem niederländischen Betrieb geliefert werden.

Die EU-Kommission rief dennoch dazu auf, die verdächtigen Produkte zu ermitteln und vom Markt zu nehmen. Der Schwindel sei im Rahmen der flächendeckenden Tests aufgefallen, die seit fünf Wochen in der gesamten EU bei Fleischprodukten, die laut Etikett Rindfleisch enthalten, gemacht würden.

Pferd in Tiefkühlgerichten

Schon vor mehreren Wochen war ein großer Pferdefleisch-Skandal bekannt geworden. In zahlreichen Tiefkühl-Fertiggerichten, die angeblich nur Rindfleisch enthalten sollten, wurde Pferdefleisch entdeckt. Ermittlungen zeigten, dass die Handelswege weit verzweigt waren und in verschiedene europäische Länder führten.

Laut EU-Kommission ist von dem Großhändler in den Niederlanden zwischen dem 1. Januar 2011 und dem 15. Februar 2013 falsch etikettiertes Fleisch verkauft worden. Der größte Teil der 50.000 Tonnen Fleisch wurde laut den niederländischen Kontrollbehörden vermutlich bereits verzehrt. Doch ein Teil sei auch in Tiefkühlprodukten verarbeitet worden. Der Großhändler habe das Fleisch an rund 500 Betriebe geliefert, darunter 132 Betriebe in den Niederlanden und 370 in 16 EU-Staaten - auch an Deutschland.

Verbraucherverbände, Politik und die Lebensmittelbranche verlangten eine schnelle Aufklärung. Das Vertrauen der Verbraucher sei beschädigt, erklärte ein Sprecher der Lebensmittelindustrie. Alle Händler müssten so schnell wie möglich die Ware aufspüren.

Der verdächtige Unternehmer will nun gerichtliche Schritte gegen die Kontrollbehörde unternehmen. Die Maßnahme sei unbegreiflich, sagte sein Anwalt Frank Peters dem niederländischen Radio. "Das Fleisch kann man normal essen, und es wurde unter Aufsicht der Behörde verkauft."

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Quelle: n-tv.de

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