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Die Tat berge "gewisse Momente der Unfassbarkeit in sich", sagte Richter Helmut Kuhs bei der Urteilsverkündung.
Die Tat berge "gewisse Momente der Unfassbarkeit in sich", sagte Richter Helmut Kuhs bei der Urteilsverkündung.(Foto: dpa)

Winzer-Enkel erstochen: 18-Jähriger muss ins Gefängnis

Auf der Jagd nach 60.000 Euro dringen vier junge Männer gewaltsam in ein kleines Weingut ein, der Winzer-Enkel kommt dabei ums Leben. Der Richter spricht von einer unfassbaren Tat und verurteilt den 18-jährigen Haupttäter zu einer langen Haftstrafe.

Es ging um einen Koffer voller Geld: Bewaffnet und maskiert überfielen vier junge Männer ein Weingut in der Südpfalz, der Enkel der Winzer wurde brutal erstochen. Jetzt verurteilte das Landauer Landgericht den heute 18-jährigen Haupttäter zu achteinhalb Jahren Jugendstrafe. Die Tat vom November 2011 mache sprachlos und berge "gewisse Momente der Unfassbarkeit in sich", sagte Richter Helmut Kuhs.

Die Mutter des Opfers, eine Bekannte (l.) und Rechtsanwalt Michael Jäger sitzen  im Landgericht hinter einem Bild des getöteten Sohnes.
Die Mutter des Opfers, eine Bekannte (l.) und Rechtsanwalt Michael Jäger sitzen im Landgericht hinter einem Bild des getöteten Sohnes.(Foto: dpa)

Der Richter sprach den Angeklagten wegen Totschlags in Tateinheit mit schwerer räuberischer Erpressung mit Todesfolge schuldig. Der 18-Jährige nahm das Urteil äußerlich gefasst auf, schüttelte aber hin und wieder den Kopf. Da er zur Tatzeit noch minderjährig war, fand der Prozess vor der Jugendkammer statt. Der junge Mann hatte sich nach der Bluttat zunächst in den Libanon abgesetzt, war dann aber ausgeliefert worden. Seine drei Komplizen wurden bereits zu Bewährungs- und Haftstrafen verurteilt.

Der 18-Jährige hatte die tödlichen Stiche zwar gestanden. Doch Verteidigung und Staatsanwaltschaft stritten bis zum Schluss, ob die Tat ein Unfall oder Mord war. Richter Kuhs sagte in seiner Urteilsbegründung, es handele sich um eine "unfassbare und sinnlose Tötung", jedoch nicht um Mord. Die jungen Männer hatten es bei ihrem Überfall auf 60.000 Euro abgesehen, die sie in einem Koffer in dem Weingut im kleinen Ort Ranschbach vermuteten. Das Gerücht in die Welt gesetzt hatte nach Feststellung des Gerichts tragischerweise wohl der Getötete selbst.

Maskiert mit Damenstrumpfhosen

In der Tatnacht standen zwei der Räuber draußen Schmiere, während die beiden anderen mit lautem Krach die gläserne Terrassentür zerschmetterten und in das Wohnhaus eindrangen. Sie waren mit Damenstrumpfhosen maskiert, bewaffnet mit einem Klappmesser und einer Schreckschusspistole.

Den Plan hatten die Männer nur wenige Stunden zuvor gefasst, ohne den Tatort vorher auszukundschaften - und sich dann auf dem Weg sogar verfahren, wie der Richter sagte. Den Fahrer des Fluchtautos hatten sie noch schnell über Facebook hinzugerufen.

In dem Weingut trafen sie zunächst auf den aufgeschreckten Winzer, der erfolglos versuchte, sie zu entwaffnen. Dann kam es zu einem Gerangel mit dem 17 Jahre alten Enkel. Dabei habe der Angreifer viermal zugestochen. Laut Richter Kuhs war der Täter schon in der Schule wegen eines Hangs zu Gewalttätigkeit aufgefallen.

Sowohl die Verteidigung als auch die Staatsanwaltschaft und die als Nebenkläger aufgetretenen Eltern des toten Jungen wollen prüfen, ob sie gegen das Urteil vorgehen.

Quelle: n-tv.de

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