Panorama

Zappenduster im Norden250.000 ohne Strom

25.11.2005, 08:30 Uhr

In weiten Teilen Deutschlands hat der Wintereinbruch zum Chaos geführt. Im westlichen Münsterland und im Raum Osnabrück brach die Stromzufuhr von 25 Kommunen zusammen, 250.000 Einwohner sind davon betroffen. Die Bezirksregierung in Münster geht davon aus, dass sich die Zahl der vom Strom abgeschnitten Menschen noch deutlich erhöht. Es gebe die Gefahr, dass Stromleitungen brechen.

In weiten Teilen Deutschlands hat der Wintereinbruch zum Chaos geführt. Auf vielen Straßen verursachten Schneeverwehungen und liegen gebliebene Lastwagen Dauerstaus, in denen tausende Autofahrer viele Stunden ausharren mussten. Im westlichen Münsterland und im Raum Osnabrück brach die Stromzufuhr von 25 Kommunen zusammen, 250.000 Einwohner sind davon betroffen.

Die Bezirksregierung in Münster geht davon aus, dass sich nach dem Kälte-Einbruch die Zahl der vom Strom abgeschnitten Menschen noch deutlich erhöht. Für das Münsterland könne die Zahl auf etwa 200.000 steigen, nachdem bis zum Nachmittag noch von 100.000 gesprochen worden sei, sagte ein Sprecher der Bezirksregierung am Samstagabend. Die Lage habe sich verschärft. "Das muss man leider sagen."

Es gebe die Gefahr, dass Stromleitungen brechen. Es werde zwar versucht, Notstromaggregate in die betroffenen Gebiete zu bringen. Doch sei es angesichts der Situation auf den Straßen schwierig, die Aggregate an die Orte zu bringen. Schwierig sei es auch mit auswärtiger Hilfe etwa aus den Niederlanden, da auch dort Wettersituation schwierig sei.

250 RWE-Arbeiter im Einsatz

RWE Westfalen-Weser-Ems AG hat nach eigenen Angaben alle verfügbaren Kräfte aufgeboten, um die Stromversorgung in Teilen Nordwestdeutschlands wiederherzustellen. Das Schnee- und Sturmchaos hatte im westlichen Münsterland und im Raum Osnabrück den Zusammenbruch der Stromzufuhr von 25 Kommunen mit 250.000 Einwohnern bewirkt. Allein von den Hochspannungsmasten waren etwa 50 nicht mehr funktionsfähig. Am Samstagnachmittag befanden sich den Angaben zufolge 250 RWE-Mitarbeiter sowie Hubschrauberbesatzungen im Einsatz.

Das Unternehmen wollte nach eigenen Angaben versuchen, bis zum Abend die Stromversorgung in einem Teil der betroffenen Gebiete wiederherzustellen. "Wann alle Ortsnetze wieder versorgt werden können, hängt auch von der weiteren Entwicklung der Wetterlage ab", hieß es. Der Vorstand äußerte Bedauern wegen der Unannehmlichkeiten für die Stromkunden.

Zu der Misere war es gekommen, weil am Freitag ein Sturmtief die Bildung von teilweise faustdickem Eis auf den Freileitungen bewirkt hatte. Sturmböen verursachten heftige Schwankungen dieser Schwergewichte und schließlich die Unterbrechung der Leitungen.

Warnung vor durchhängenden Stromleitungen

Die wegen der Schneelast durchhängenden Stromleitungen im Kreis Coesfeld (Nordrhein-Westfalen) sind indes zu einer Gefahr geworden. Der Abstand der Überlandleitungen zum Boden sei stellenweise so gering, dass für Neugierige und Passanten höchste Vorsicht geboten sei, teilte eine Sprecherin des Kreises mit. Es bestehe Lebensgefahr. Die Menschen wurden ausdrücklich davor gewarnt, sich den Stromleitungen zu nähern. Am besten sollten die Wohnungen nicht verlassen werden.

Chaos auf den Straßen

Chaos herrschte auch im Straßen- und Bahnverkehr. Auf vielen Straßen verursachten Schneeverwehungen und liegen gebliebene Lastwagen Dauerstaus, in denen tausende Autofahrer viele Stunden ausharren mussten. Teilweise mussten die Menschen in Notunterkünften versorgt werden. Nach Angaben des Lagezentrums im Düsseldorfer Innenministerium ereigneten sich allein in Nordrhein-Westfalen von Freitagabend bis Samstagmittag 1.266 wetterbedingte Unfälle, bei denen 64 Menschen verletzt wurden und ein Sachschaden von über drei Millionen Euro entstand. Allein die Polizei im Kreis Borken meldete 122 Unfälle von Freitag früh bis Samstagnachmittag.

Nach nächtlichen Staus auf der Autobahn A43 bei Münster und auf der A1 bei Wuppertal sowie zwischen Leverkusen und Remscheid entspannte sich die Lage im Laufe des Samstags. Lediglich bei Wermelskirchen gab es noch Stau in beiden Richtungen.

Bahnsprecher Torsten Nehring sagte, noch nie seien so viele Bäume unter der Schneelast umgefallen: "Die knicken weg wie Streichhölzer." Über Münster führende Bahnstrecken mussten gesperrt werden. Im Fernverkehr kam es nach Angaben Nehrings zu Verspätungen von durchschnittlich 90 Minuten pro Zug, im Nahverkehr waren es 30 Minuten.

Flüge gestrichen

Der Düsseldorfer Flughafen war von 07.20 Uhr bis 11.05 Uhr komplett gesperrt. 36 ankommende Maschinen wurden umgeleitet. Die Abflugzeiten von Maschinen, die von Düsseldorf starten sollen, wurden verschoben.

Das RWE rief die Menschen in den vom Stromausfall betroffenen Gebieten auf, sich von beschädigten Strommasten und Leitungen fern zu halten. Die Überlandleitungen wurden von Hubschraubern aus inspiziert. Zwischen Metelen und Gronau an der niederländischen Grenze war man mit der Errichtung einer vier Kilometer langen Ersatzleitung beschäftigt, bei Borken wurde eine 220-Kilovolt-Hochspannungsleitung für den Betrieb mit 110 Kilovolt umgerüstet.