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Im Bunker des elsässischen Fort de Schoenenbourg.
Im Bunker des elsässischen Fort de Schoenenbourg.(Foto: picture alliance / dpa)

Das Geschäft mit dem Weltuntergang: Ab in den Bunker!

Von Christian Rothenberg

Wissenschaftler sprechen von Mumpitz. Seit Jahrzehnten fiebern Apokalyptiker dem 21. Dezember 2012 entgegen. Sie berufen sich auf den Kalender des Maya-Volkes, rechnen mit dem Untergang der Welt. Im Elsass wird für besonders Ängstliche ein Bunker geöffnet.

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Die Rettung vor dem Weltuntergang kostet sieben Euro, für Kinder fünf. Alles Wichtige ist im Preis inbegriffen: Es gibt Glühwein und Lebkuchen, Küchen und Schlafsäle. Mit 13 Grad ist es recht frisch. Deswegen empfiehlt der Veranstalter warme Kleidung und gutes Schuhwerk. Für ausreichend Strom, Wasser und Sauerstoff ist gesorgt. Die sieben Euro sind gut investiert. So oft geht die Welt ja schließlich nicht unter oder?

Normalerweise schließt das elsässische Fort de Schoenenbourg, schon im November seine Pforten. Über die Wintermonate liegt das 670-Seelen-Dorf in der französischen Region Bas-Rhin dann noch etwas verlassener da als sonst. Denn erst im April kehren die Touristen zurück und stehen wieder Schlange für die Führungen in dem alten Kriegsbunker. Normalerweise.

In diesem Jahr ist alles anders. Schuld ist der Maya-Kalender. Demzufolge endet am 21. Dezember eine Zeitrechnung, eine neue beginnt. Esoteriker sagen für diesen Tag das Ende der Welt voraus. Eric Halter, der Präsident der Bunkeranlage, glaubt nicht an die Apokalypse. Die vielen Anfragen von Menschen, die an diesem historischen Datum Schutz suchen, hält er zunächst für einen Scherz. Doch dann beschließt er, die Tore der alten Festung zu öffnen.

Seriös und nicht verwirrt

Es gibt über 100 Anmeldungen, Halter rechnet sogar mit 400 bis 500 Besuchern. "Vermutlich sind darunter auch Spaßvögel, die sich nur amüsieren wollen", sagt er. Aber die meisten, mit denen er gesprochen hat, hätten "ziemlich seriös gewirkt und nicht geistesverwirrt". Doch das Wichtigste ist: "Falls die Welt tatsächlich in Flammen aufgehen sollte, sind die Menschen im Bunker geschützt". Sagt der, der mit einem guten Geschäft rechnet.

Der Stahlbetonbau liegt 30 Meter unter der Erde und erstreckt sich über eine Länge von drei Kilometern. Er gehört zu einen in den 30ern erbauten und nach dem damaligen französischen Kriegsminister André Maginot benannten Verteidigungswall. Die sogenannte Maginot-Linie, die das Elsass von Nord nach Süd auf einer Länge von 200 Kilometern durchquert, sollte einst eine deutsche Invasion verhindern. Doch genutzt hat die Anlage mit ihren Bunkern, Schießunterständen und Panzertürmen damals nichts. Denn die deutschen Truppen umgingen die Maginot-Linie. Stattdessen fielen sie während des Zweiten Weltkriegs von Norden über Belgien und die Niederlande nach Frankreich ein.

Über 70 Jahre später suchen die Menschen wieder Schutz im Fort de Schoenenbourg. Für sieben Euro Eintritt verspricht Halter ihnen nicht nur die Rettung vor dem Untergang bei Glühwein und Lebkuchen, sondern auch Führungen durch die unterirdische Stadt. Bis drei Uhr nachts können die Besucher ausharren, aber Halter verspricht: "Wenn nötig bleiben wir auch viel länger geöffnet."

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Quelle: n-tv.de

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