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In Aken steht das Wasser.
In Aken steht das Wasser.(Foto: dpa)

Frust im Elbe-Saale-Winkel: Aken darf Hochwasser nicht rauspumpen

Von Solveig Bach

Es ist die Zeit der großartigen Geschichten, von gehaltenen Deichen und geretteten Werten. Doch die Menschen in Aken erleben auch die Kehrseite der Katastrophe, Streit um Zuständigkeiten und unverständliche Entscheidungen.

Überall sinken inzwischen die Hochwasserpegel, auch rund um Aken geht das Wasser zurück. Nur in der Stadt steht es noch immer. Viele Bürger der Stadt sind sauer. Während der Scheitelpunkt der Elbe vorüber zog und das Flusswasser massiv in die Stadt drückte, entschied das Umweltministerium in Magdeburg, dass das örtliche Schöpfwerk nicht weiter betrieben werden darf.

Der Bürgermeister von Aken, Hansjochen Müller, äußerte in verschiedenen Medien Unverständnis und Empörung über diese Entscheidung. Er warf der Landesregierung vor, die Stadt im Stich zu lassen. Dem ZDF sagte Müller, er sei wütend über die sogenannten Experten in Magdeburg. Es ärgere ihn gewaltig, dass das Schöpfwerk mit fadenscheinigen Begründungen nicht in Betrieb genommen werde. Dadurch sei Aken die Möglichkeit genommen worden, mehr Wasser abzupumpen. Die meisten der 8000 Einwohner der Stadt sind evakuiert und harren bei Verwandten und Freunden aus, bis das Wasser abgeflossen ist. Inzwischen dürfen die ersten mit Fahrrädern oder zu Fuß in die Stadt zurückkehren, um nach Hab und Gut zu sehen.

Das Land Sachsen-Anhalt als Eigentümer hatte es abgelehnt, die Anlage wieder einzuschalten. Durch den Wasserstand vor Ort droht nach Angaben des Krisenstabs der Landesregierung ein Stromschlag für die Mitarbeiter, wenn das Werk die Arbeit wieder aufnehme. Das Schöpfwerk soll aber einsatzbereit sein, wenn bei sinkenden Wasserständen in Saale und Elbe auch die Polderwasserstände in den Siedlungsgebieten abgesenkt werden sollen. Müller nannte diese Ängste nicht nachvollziehbar. Das Trafo-Häuschen des Schöpfwerks ist einer der wenigen trockenen Orte in Aken.

Sturm der Empörung gegen Stahlknecht

Der Leiter des Krisenstabes der Landesregierung Sachsen-Anhalt, Innenminister Holger Stahlknecht, machte sich am Donnerstag vor Ort ein Bild von der Lage und versuchte, die umstrittene Entscheidung zu erklären. "Wir haben eine Situation, dass das Hochfahren des Wasserwerks eine Gefahr für die Menschen, die das betrieben, darstellt", betonte er noch einmal. Die umstehenden Akener waren allerdings anderer Meinung und lachten den Minister regelrecht aus. Später flog ein Stück Holz in seine Richtung. Das Schöpfwerk blieb trotzdem aus.

Anstelle des abgeschalteten Schöpfwerks arbeiten seit gestern Abend zwei Hochleistungspumpen, um die Hochwasserlage im Ort zu entspannen. Ein Sprecher des Landkreises Anhalt-Bitterfeld sagte, die beiden Pumpen hätten jedoch nur einen Bruchteil der Leistung des Schöpfwerks. Die Landesregierung spricht etwa von der Hälfte der Leistung des Schöpfwerks. So lange steht das Wasser weiter, werden die Schäden an den Häusern größer.

Für Aken ist es nicht der erste Tiefschlag während der Flut. Bürgermeister Müller spricht von Koordinierungsproblemen der Krisenstäbe und wirft besonders der Stadt Dessau vor, Hilfe in Anspruch genommen zu haben, aber umgekehrt nicht geholfen zu haben. Er habe schon zu Beginn des Hochwassers einen gemeinsamen Krisenstab gefordert, sei aber nicht gehört worden.

Auch bei der Selbstorganisation von Hilfe fühlen sich die Akener ausgebremst. Als aus der nordrhein-westfälischen Partnerstadt Erwitte Feuerwehrleute zum Kriseneinsatz nach Aken starten wollte, wurden sie vom Regierungspräsidium daran gehindert. Die Dienstwege waren nicht eingehalten worden. Inzwischen treffen die Kameraden aus Erwitte in Aken ein, als Privatleute.

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Quelle: n-tv.de

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