Panorama

Eingriff in mexikanischen DrogenkriegAnonymous hadert mit sich selbst

31.10.2011, 20:34 Uhr
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Die unter Kontrolle gebrachte Seite des beschuldigten Juristen. (Foto: Screenshot n-tv.de)

Hacker aus Mexiko verkünden im Namen von Anonymous vollmundig, sie wollten dem mächtigen Drogenkartell Los Zetas die Stirn bieten. Doch das Netzwerk lässt wissen, dass ihnen die "Operation Cartel" zu gefährlich sei. Nun versuchen die Aktivisten auf eigene Faust, einen Entführten freizupressen.

Anonymous hat in Mexiko dem Drogenkartell Los Zetas gedroht - sich dann aber davon distanziert. Zuvor war ein Unterstützer des Hacker-Netzwerkes im Bundesstaat Veracruz entführt worden. Per Video auf Youtube wird das Kartell im Namen von Anonymous aufgefordert, den Entführten freizulassen. Die Botschaft ist bereits seit Anfang Oktober im Netz und auf Spanisch verfasst.

Bis zum 5. November sollen die Drogenbosse die Forderung erfüllen, andernfalls wollen die Mitglieder der "Operation Cartel" Daten über prominente Unterstützer des Kartells enhüllen – von Journalisten, Taxifahrer und Polizisten, "die ihnen dienen", wie es heißt. Die Hacker unterstrichen ihre Drohung, indem sie die Internetseite Gustavo Rosarios unter ihre Kontrolle brachten und ihn dort beschuldigten, Mitglied von Los Zetas zu sein.

Paramilitärische Gruppierung

Rosario ist ehemaliger Staatsanwalt im Bundesstaat Tabasco und soll in seiner Amtszeit ungewöhnlich milde bei der Verbrechensbekämpfung agiert haben. Die US-amerikanische Drogenbekämpfungsbehörde DEA schätzt Los Zetas möglicherweise als die technisch fortgeschrittenste und gewalttätigste solcher paramilitärischer Gruppierungen ein.

Ob die "Operation Cartel" am 5. November wirklich durchgeführt wird, ist nicht sicher. Über mehrere Kanäle wurde verbreitet, dass das Vorgehen der mexikanischen Aktivisten von Anonymous nicht unterstützt werde. Die Operation sei zu heikel und es sollten keine Menschenleben gefährdet werden, hieß es. Kritisiert wird, dass eine Veröffentlichung von Mitgliedernamen des Kartells fast sicher ihr Todesurteil wäre. Nun soll sie unabhängig von Anonymous fortgeführt werden.

Quelle: rpe