Panorama
Video
Mittwoch, 29. März 2017

Acht Exekutionen in zehn Tagen: Arkansas sucht Zeugen für Hinrichtungen

Über ein Jahrzehnt wurde in Arkansas niemand mehr hingerichtet. Aber schon bald soll es eine Massenhinrichtung geben. Die Eile hat einen makaberen Grund.

Der US-Bundesstaat Arkansas braucht dringend Freiwillige. Gesucht werden 48 Bürger ohne besondere Qualifikationen. Sie müssen weder schwere Arbeit verrichten, noch Matheaufgaben lösen. Sie müssen keine Mutprobe bestehen und werden auch nicht als Versuchskaninchen für neue Medikamente missbraucht.

Es reicht aus, wenn sie mindestens 21 Jahre alt sind, in Arkansas wohnhaft, nicht vorbestraft und nicht mit Jack Jones, Jason McGehee, Don Davis, Ledelle Lee, Stacey Johnson, Marcell Williams, Kenneth Williams und Bruce Earl Ward verwandt. Geschweige denn mit deren Opfern. Die 48 Freiwilligen müssen einfach nur zuschauen, wenn diese Männer - allesamt zur Todesstrafe verurteilte Mörder - zwischen dem 17. und dem 27. April per Giftspritze hingerichtet werden.

Warum die Hast?

"Diese Exekutionen sind absolut notwendig, um die Auflagen, die uns die Gesetze geben, zu erfüllen", begründete der Gouverneur von Arkansa, Asa Hutchinson, seine Entscheidung gegenüber der "New York Times". In Arkansas sitzen aktuell insgesamt 34 Männer in den Todeszellen. Seit 2005 wurden hier keine Hinrichtungen mehr vollzogen. Hutchinson will das ändern. Es gehe darum, endlich zu vollziehen, was Richter entschieden haben, sagt der republikanische Politiker. Außerdem sehnten die Opfer-Familien einen Abschluss herbei.

Die Eile hat einen Grund: In Arkansas besteht die tödliche Injektion aus insgesamt drei Spritzen mit drei verschiedenen chemischen Substanzen. Eines davon ist Kaliumchlorid, das am Ende zum Herzstillstand des Verurteilten führen soll. Laut "Arkansas online" musste die Gefängnisverwaltung zugeben, dass das Verfallsdatum der vorhandenen Bestände bereits im Januar dieses Jahres abgelaufen ist. Also will es der Staat schnell noch "nutzen". Ähnliches gilt für Midazolam. Im April erreichen die Vorräte in Arkansas das Verfallsdatum. Die geplanten Hinrichtungen wären also die letzte Chance das Betäubungsmittel noch rechtzeitig zu verbrauchen.

Keine Vollstreckung ohne Zeugen

Doch Todesstrafen dürfen in Arkansas nicht ohne Zeugen vollstreckt werden, für jede Exekution müssen mindestens sechs und nicht mehr als zwölf unbeteiligte Bürger anwesend sein. Weil sich aber kaum mehr Freiwillige finden lassen, die dem Tod ins Auge sehen wollen, gehen Beamte ungewöhnliche Wege. So wandte sich die Leiterin der Behörde für Justizvollzug  speziell an den Rotary Club: "Ihr seht nach einer Gruppe aus, die noch nicht vorbestraft ist, zitiert "Arkansas online" Wendy Kelley.

Doch Kelleys Versuch, Mitglieder des Wohltätigkeitsvereins als Freiwillige anzuwerben, blieb erfolglos. Stellvertretend für viele Mitglieder sagte Rotary-Präsident Bill Booker, er könne sich vorstellen, dass es Menschen gibt, die für die Todesstrafe sind, aber wenn es darum ginge bei einer Vollstreckung anwesend zu sein, sei das eine andere Geschichte, die ein emotionales Trauma auslösen könnte.

Nicht nur die Todesstrafe, sondern auch die Art der Umsetzung ist umstritten. Das gilt besonders für den Einsatz von Midazolam. Das Beruhigungsmittel soll die zum Tode Verurteilten betäuben. Mediziner sind sich allerdings einig, dass Midazolam nicht ausreicht, um die Todeskandidaten komplett bewusstlos zu machen. Mehrere Vorfälle geben den Experten Recht.

Bei der jüngsten Hinrichtung in Alabama hatte der zum Tode verurteilte Mann während der Verabreichung der tödlichen Injektion 13 Minuten lang Atemprobleme und Krämpfe. Auch bei einer angesetzten Doppelhinrichtung im Jahr 2014 in Oklahoma wurde Midazolam eingesetzt. Der Todeskampf von Clayton Lockett war laut Augenzeugen von "furchtbaren Schmerzen" begleitet. Das Martyrium dauerte 43 Minuten. Die zweite Hinrichtung von Charles Warner musste nach dieser Panne abgesagt werden.

Die Anwälte der acht betroffenen Todeskandidaten in Arkansas plädieren angesichts der Vorkommnisse dafür, von den Hinrichtungen Abstand zu nehmen. Sie befürchten, dass nicht nur ihre Mandanten darunter leiden, sondern auch das weltweite Ansehen von Arkansas. Doch die Chancen auf eine erneute Aussetzung des Vollzugs sind gering. Der Supreme Court in Washington wies erst vor wenigen Wochen eine Klage gegen die Todesstrafe in Arkansas zurück.

Die einzige Hoffnung, die den Todeskandidaten noch bleibt, ist eine Petition der Anwälte an den Obersten Gerichtshof in Washington. Darin heißt es, dass die Hinrichtung von acht Männern binnen zehn Tagen "weit außerhalb von dem liegt, was eine Gesellschaft heutzutage akzeptabel findet".

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen