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Samstag, 29. März 2014

Abbott dämpft MH370-Hoffnungen: Australien schickt jetzt Schiffe ins Suchgebiet

Auf der anderen Seite der Erde ist längst helllichter Tag: Seit Stunden läuft die Suche nach der vermissten Boeing mit 239 Menschen an Bord im Meer vor Australien wieder auf Hochtouren. Ein halbes Dutzend Schiffe steuert ins neue Zielgebiet.

Auch dieses "Trümmerteil" könnte wieder ein verlorengegangener Container sein.
Auch dieses "Trümmerteil" könnte wieder ein verlorengegangener Container sein.(Foto: REUTERS)

Australiens Ministerpräsident Tony Abbott hat vor überzogenen Erwartungen und voreiligen Hoffnungen auf rasche Erfolge bei der Suche nach dem vor drei Wochen verschollenen Passagierflugzeug gewarnt. "Wir sollten die Schwierigkeit dieser Aufgabe nicht unterschätzen", sagte Abbott im westaustralischen Perth, von wo aus Rettungskräfte die Suche im südlichen Indischen Ozean koordinieren.

Die Seegebiete, in denen gesucht werde, seien rau, erklärte Abbott. "Wir versuchen, kleine Trümmerteile in einem riesigen Ozean zu finden." Nach Angaben der australischen Seesicherheitsbehörde (AMSA) sind am Wochenende insgesamt acht Flugzeuge an der Suche beteiligt.

Abgesehen von der Suche aus der Luft sollten im Lauf des Tages auch sechs Schiffe in jener Meeresregion eintreffen, in der die Behörden mittlerweile die wahrscheinliche Absturzstelle von Flug MH370 vermuten. Dass die Helfer das Meer dort noch bei Tageslicht nach etwaigen Trümmern absuchen können, ist unwahrscheinlich.

Acht Flieger und sechs Schiffe

An Bord des Kolosses: Ein hochseetauglicher Rettungshubschrauber vom Typ SH-60 "Sea Hawk".
An Bord des Kolosses: Ein hochseetauglicher Rettungshubschrauber vom Typ SH-60 "Sea Hawk".(Foto: AP)

Die ausgesandten Einheiten der Flotte an Suchschiffen dürften ihren Einsatzort erst gegen Abend (Ortszeit) oder nach Einbruch der Dämmerung erreichen. Ein chinesisches Schiff ist allerdings bereits in der Region. Die Wetterbedingungen seien zunächst günstig, dürften sich aber im Tagesverlauf verschlechtern, teilte AMSA weiter mit.

Fünf Suchflugzeuge hatten am Freitag in dem zuletzt neu festgelegten Suchgebiet im Indischen Ozean mögliche Bruchstücke der Boeing 777-200 ausgemacht. Flug MH370 war am 8. März unter bislang vollkommen ungeklärten Umständen während eines Nachtflugs von Kuala Lumpur nach Peking vom Kurs abgewichen. Nach Einschätzung der Behörden in Malaysia stürzte das Flugzeug allem Anschein nach in den Indischen Ozean. Belege dafür gibt es bislang nicht. An Bord waren 239 Menschen.

Interpol kritisiert Malaysia

Luftverladefähig und speziell für Ausdauereinsatz über dem offenen Meer geeignet: Die "Sea Hawk" kann Schiffe als Stützpunkt nutzen und könnte auch helfen, Trümmerteile aus dem Wasser zu bergen.
Luftverladefähig und speziell für Ausdauereinsatz über dem offenen Meer geeignet: Die "Sea Hawk" kann Schiffe als Stützpunkt nutzen und könnte auch helfen, Trümmerteile aus dem Wasser zu bergen.(Foto: AP)

Im Zusammenhang mit der vermissten Passagiermaschine der Malaysia Airlines (MAS) erhebt Interpol mittlerweile schwere Vorwürfe gegen die Einwanderungsbehörde des südostasiatischen Landes. Diese habe die Reisepässe von Passagieren in diesem Jahr bis zum Verschwinden der Boeing überhaupt nicht mit der Interpol-Datenbank abgeglichen, teilte die internationale Polizeiorganisation mit.

Diese Praxis ist offenbar höchst ungewöhnlich: Viele andere Länder nutzten nach Angaben von Interpol den Datenbestand millionenfach im Jahr. Interpol wies zudem Vorwürfe des malaysischen Innenministeriums zurück, wonach die Datenbank nur sehr langsam arbeite und deshalb die Arbeit der Einwanderungsbehörde erschwert habe.

Es dauere nur "wenige Sekunden", um mit Hilfe von Interpol-Daten herauszufinden, ob Passagiere mit gestohlenen Pässen unterwegs seien, betonte ein Interpol-Sprecher. Vor dem "tragischen Verschwinden" von Flug MH370 habe die Einwanderungsbehörde Malaysias überhaupt nicht mit den Daten von Interpol gearbeitet.

Riesige Sicherheitslücke

Die laxe Praxis bei der Passagierabfertigung in Malaysia gibt Experten zu denken. Ganz nebenbei deckt das mysteriöse Verschwinden von Flug MH370 offenbar eine Sicherheitslücke im internationalen Flugreiseverkehr auf, die womöglich schon seit Jahren bestand. Zudem muss sich auch Interpol fragen, wieso das ungewöhnliche Abfrageverhalten der malaysischen Sicherheitsbehörden bislang niemandem aufgefallen war.

Wie im Zuge erster Ermittlungen bekannt wurde, befanden sich an Bord der vermissten Boeing 777-200, die am 8. März auf dem Flug von Kuala Lumpur nach Peking von den Radarschirmen verschwand, offenbar auch zwei Passagiere mit gestohlenen Pässen. Dieser Sachverhalt wird im Zusammenhang mit dem plötzlichen Kurswechsel und der bislang nur schwer erklärbaren Funkstille als Anzeichen einer möglichen Flugzeugentführung gesehen. Nach wie vor können Ermittler aber ebenso wenig auch eine Verkettung verschiedener technischer Probleme nicht ausschließen.

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Quelle: n-tv.de

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