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Jimmy Savile moderierte "Top of the Pops" - und starb unbestraft.
Jimmy Savile moderierte "Top of the Pops" - und starb unbestraft.(Foto: dpa)

Kinder und Jugendliche missbraucht: BBC-Moderatoren waren "sexuelle Raubtiere"

Zwei Moderatoren der BBC haben über Jahrzehnte fast 100 Kinder und Jugendliche missbraucht, stellt ein Untersuchungsbericht fest. Die TV-Stars hätten ihren Ruhm ausgenutzt. Eine Opfer-Anwältin hält den Report für "Schönfärberei".

Eine "Atmosphäre der Angst" im britischen Sender BBC hat dazu geführt, dass massive und häufige sexuelle Übergriffe zweier Ex-Starmoderatoren über Jahrzehnte verschwiegen wurden. Insgesamt hätten die Moderatoren Jimmy Savile und Stuart Hall fast 100 Kinder und Jugendliche missbraucht - das jüngste Opfer sei acht Jahre alt gewesen, hieß es in einem abschließenden Bericht. Beide Männer seien "sexuelle Raubtiere" gewesen, sagte die ehemalige Richterin Janet Smith, die den Bericht verfasste. Die BBC hatte ihn 2012 in Auftrag gegeben. "Beide Männer nutzten ihren Ruhm und ihre Stellung als BBC-Celebrities, um Wehrlose zu missbrauchen", sagte Smith.

Stuart Hall büßte eine Haftstrafe ab.
Stuart Hall büßte eine Haftstrafe ab.(Foto: dpa)

Die Opfer-Anwältin Liz Dux kritisierte den Bericht als "teure Schönfärberei". Besonders zu beklagen sei, dass keine Mitarbeiter der oberen BBC-Führungsriege befragt worden seien, sagte Dux. Obwohl der Bericht Millionen gekostet habe, hätten ihre Mandanten nicht das Gefühl, dass die Wahrheit ans Licht gekommen sei. Jimmy Savile hatte lange Jahre die äußerst populäre Musiksendung "Top of the Pops" moderiert und starb 2011 - ohne bestraft worden zu sein. Erst nach seinem Tod kam der Skandal ans Licht. Stuart Hall erhielt eine Haftstrafe.

Meiste Verbrechen in den 70er Jahren

Die Übergriffe hätten 1959 begonnen und sich bis 2006 hingezogen, die meisten Verbrechen seien in den 1970er Jahren passiert, hieß es in dem Bericht. In dieser Zeit habe es acht formelle Beschwerden gegeben, aber der Skandal sei unter den Teppich gekehrt worden. Die Führungsriege des Senders sei nicht unterrichtet worden. Dennoch: Zahlreiche Menschen bei der BBC hätten seinerzeit von Beschwerden über die Verbrechen gewusst, aber nicht den Mut gehabt, Alarm zu schlagen. Dies habe auch an der "Kultur" innerhalb des Senders gelegen: Es sei extrem schwierig gewesen, der Führung Unliebsames oder Negatives zu berichten. Diese "Atmosphäre der Angst" gebe es noch heute, sagte Smith.

BBC-Chef Tony Hall entschuldigte sich öffentlich. Die BBC hätte die Opfer schützen müssen. "Ich bin zutiefst traurig über die Verletzungen, die jedem von Ihnen zugefügt wurden." Er sprach von einem "dunklen Kapitel", das hätte gestoppt werden müssen. Es müsse sichergestellt werden, dass so etwas niemals wieder passiere.

Quelle: n-tv.de

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